Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1841)
- Date
- 1841-03-27
- Page
- Seite 175 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225173-3225187--03418-3312952- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
175 Gouverneur angelangt sei. Wir sind neugierig, was das Ergebniß dieser Untersuchung sein wird, und ob man überhaupt gegen die Juden zu verfahren wagt, nachdem ihnen Montesiore und Comp, den von Gerechtigkeit und Menschlichkeit zeugenden Ferman in Konstantinopel ausgewirkt haben, die Juden nicht mehr wegen Verbrechen zu verfolgen, sobald es sich dabei von ihrer Religion handelt. Wie dem auch sei, diese Geschichte wird neuen Lärm machen, sollte es auch nur zu dem Zweck sein, den großen jüdischen Geldsäckel von neuem in Bewegung zu setzen, dessen letzter großer Umzug vom Occident durch den Orient so merkwürdige und folgerechte Wirkungen hervorbrachte." Man sieht, hier knüpfen sich neue, blutige Jntriguen an, von denen man das Ziel abfehen kann. Diese Leute wollen die Juden für so dumm ausgeben, daß sie, kaum den größten Gefahren entronnen, sich schon ein böses Spiel selbst wieder bereiten sollten. Wahrlich, das geht zu weit. Und dann die Feigheit — zu warten, bis eben unsre Vertheidiger wieder den Schauplatz verlassen haben! Nein, nicht Mann wider Mann wollen diese Judenverfolger kämpfen, sondern heimlich aus verborgenen Winkeln heraus!. Algerien. Algier. (Schluß des Aufsatzes des Staatsraths Baude aus No. 10.) Die großmüthigen Absichten Napoleon's machten nicht immer Eindruck auf die Juden, und in der Verwirklichung derselben, war er mehrere Male genöthigt, der Zähigkeit ihrer Gewohnheiten zu weichen. Diese Erfahrung schreibt uns für die in Afrika zu nehmenden Maaßregeln eine Umsicht vor, welche die Nothwendigkeit, die Vorurtheile der muselmännischen Bevölkerung zu schonen, verdoppeln muß. Insbesondere muß man sich mit dem Heranwachsenden Geschlecht beschäftigen. Man zeichnet unter den Aelteren eine kleine Anzahl Männer aus, die geeignet sind, bei ihrer Wiedergeburt mit zu wirken; aber man wird leicht unter unseren Mitbürgern Männer finden, welche, in dem doppelten Ansehen gleichen Glaubens und als Franzosen ihre Glaubensgenossen überzeugen würden, wie lehr es in ihrem Interesse liege, sich dem einzigen Lande der alten Welt, das in den Israeliten nur Bürger sieht, hinzugeben. Die Wirksamkeit solcher Missionen würde groß sein. Für den Augenblick mußte ihr einziger Gegenstand eine Organisation der Konsistorien und Synagogen, konform dem Reglement vom 10. Dezember 1806 und dem Dekrete vom 17. März 1808, sein. Vielleicht würde es zu früh sein, wie in Frankreich die Besoldungen der Rabbinen dem Staate aufzugeben. Die regelmäßige Abschätzung für die Kosten des Kultus wird Menschen bilden, welche noch keine andere Nationalität haben, als den Kastengeist, um die Kontribution für die Bedürfnisse des Staates willig zu bezahlen. Die Zählungen, welche wir in einigen Städten veranstaltet haben, haben uns nur unvollständige Nachweisungen über die in der Regentschaft verbreitete israelitische Bevölkerung verschafft; es giebt einen Theil sogar, der noch lange jeder genauen Schätzung entgehen wird: nämlich die Israeliten, welche in der Mitte einer großen Zahl von Kabylenstammen wohnen; diese sind abgesondert von den Israeliten der Städte durch die Zeit ihrer Niederlassung, durch ihre Sitten, durch ihre Sprache, und haben mit diesen nur die Grundlagen ihres Glaubens gemein. Die Geschichte hat die Daten und Ursachen der Auswanderungen der Israeliten nach Afrika seit der Zerstörung Jerusalem's ausgezeichnet. Das unbekannte Alterthum der Niederlassung der. zeltbewohnenden Juden, die in der ganzen Ausdehnung der Berberei sich unter die berberische Bevölkerung gemischt finden, möchte wol die Muthmaßung gestatten, daß sie den Fond der Wanderungen aus dem Oriente und Syrien, von denen uns Sallust (Jugurtha 18 und 19) uns ein fernes Andenken übergeben, bildeten. In dem Königreiche Fez bewohnen sie vorzüglich die nordischen Provinzen, und werden noch unter dem Namen Philister bezeichnet (GraberZ Di Hernso, Specchio dcll’ iuipero di Marocco, in 8., Genova 1834). Die Verbindungen, die mit ihnen zu unterhalten die spanischen Juden im 7. Jahrhundert angeklagt wurden, bestimmten zwei Koncilien zu Toledo, ihre Vertreibung auszusprechen, und cs scheint, daß diese judaisirenden Berbern, wie die alten arabischen Geschichtschreiber sie nennen, damals zahlreich und furchtbar auf dieser Küste waren. Sie widmen sich, wie die Kabylen, in deren Mitte sie leben, dem Ackerbau und der