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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-03-20 · Heft 12 (20.3.1841) · p. Seite 169

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 12 (20.3.1841)
Date
1841-03-20
Page
Seite 169 (sequence 9)
Language
German
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169 Belletristik. Förderung und Hemm»iß. Eine Skizze aus dem Leben. (Fortsetzung ) Wollen Sie in meine frühesten Jugendjahre hinabsteigen, so lassen Sie mich Ihnen ein Bild aus denselben vorführen. Sie sehen mich als Knaben von zehn Jahren in einer elenden Hütte, die zu einem armseligen Dorfe im Elsaß gehörte, aus niedrigem Schemel sitzen. Ein brennender Kienscheit ist in eine Spalte der Lehmwand gesteckt, und wirft ein flackerndes Licht umher, denn ein starker Nordwind pfeift durch die Löcher der den Einsturz drohenden Wände. Alkes ist armselig, eine Streu das Lager, ein Paar zerbrochener Stühle und ein Kasten als Tisch das ganze Meublement, wenn man nicht einiges alte Küchengeräthe dazu rechnen will. Mein ziemlich starker Körper ist mit Lumpen behängen, die als Kleider verschiedenen Jahrhunderten und Ständen angehört hatten. Und in der dunkeln, stürmischen Nacht ist nur ein lebendiges Wesen um mich, eine Vatersschwefter, taub und fast gelähmt. Meinen Vater hatte man denselben Tag hinausgetragen zur xwigen Ruhftätte, und meine Mutter zwei Tage früher, ein hitziges Fieber hatte sie beide hingerafft. Eine Brodkruste lag in meiner Hand, und meine Thränen erweichten sie, daß ich des Wassetkruges nicht bedurfte. Ich hatte schon begriffen — denn ein Judenknabe von zehn Jahren, der täglich eine Stunde weit in einem Nachbardorfe in's Chedar gegangen, und schon sein Stück Mischnajot verstand, was sollte der nicht begreifen — ich hatte schon die Frage begriffen: was soll nun aus mir werden? Nichts gehörte mir, denn meinem Vater hatte auch Nichts gehört, und wir waren die Miethe für die elende Hütte noch schuldig. Womit sollte ich hausiren? Und die alte Tante, sollte sie mein Schutz, oder ich der ihrige sein? Sollte ich zum Bauern als Bursche, als Hirtenjunge gehen? Wo bliebe der Sabbat? Was sollt' ich da essen? Und in diese Sorgen, die den kindlichen Geist in dumpfes Grübeln versenkten, mischte sich immer wieder der letzte Schaufelton vom Grabe meiner Eltern, und überschauerte mich mit dem feuchten Rieseln des Verlassenseins. Ich begann einige hebräische Gebete zu lispeln, aber die Lippen bewegten sich nur, und die Angst stieg mir dabei immer höher. Schatten huschten an mir vorüber, wenn der Wind durch die Flamme der Kienfackel fuhr, die Bilder des Sterbens, die ich so eben verlebt hatte, stellten sich um mich; ich schloß die Augen, und fing an zu wimmern, aber Niemand horte mich, die taube Tante war wol hinter dem Ofen in Schlaf gesunken. Fieberfrost schüttelte mich, mein Wimmern ward zum Wehklagen und Schreien, und mitten drein ward mir'» so dumpf im Kopfe, daß ich Nichts mehr dachte, Nichts empfand, als einen großen, schweren Druck im Herzen. Wie lange dieser Zustaüd dauerte, weiß ich nicht — plötzlich wurde stark an die Thüre geschlagen, ich fuhr auf, und hörte Rufen, Pochen, Pserdcwiehern und Hundegebell. Ich sprang zur Thüre, und öffnete. Ein stattlicher Mann in grünem Flauschrock, Lederhosen und Reitstiefeln sprang draußen vom Pferde, befahl einem Knechte, die Pferde fest zu halten, und trat ein. Er sah sich in der Hütte um, ich hatte an der Sprache schon den Elsässer Juden erkannt. Bist Du allein, mein Junge, und warst Du es, der so jammerte? frug er mich, und der Ton seiner Stimme gewann schnell mein Herz. Bald hatte ich ihm meine Schicksale erzählt, und sein Mitleid geweckt. Ich mußte ihm noch berichten, wie das Dorf heiße, denn er war vom Wege abgekommen. Er war ein Pferdehändler, der im Lande umherzog, Pferde von den Bauern für die Remonte aufzukaufen. Seinem» Knecht befahl er, seinen Manlelsack her^inzubringen, und mit den Pferden sich nach der Schenke zu begeben. Der Mantelsack entlud sich mit Fleisch, Wurst und Brod, ich griff wacker zu, und auch die taube Tante, die vom Lärmen erwacht wak, fiel gierig .über die seltenen Speisen. Alsdann holte ich ein Bund Stroh vom Nachbar, und schüttete ihm ein Lager auf. Der Sturm hatte sich gelegt, und er streckte sich behaglich nieder. Nun, mein Junge, fing er an, was soll aus Dir werden? Darauf wußte ich nicht zu antworten, und begann wieder zu weinen. Halt, sagte er, grein' mir Nichts vor, das kann ich nichr vertragen. Willst du mir mir' kommen? Ich habe keine Kinder, freilich auch kein Weib, aber wir wollen uns schon einrichten. Du sollst auch 12°

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