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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-03-06 · Heft 10 (6.3.1841) · p. Seite 142

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 10 (6.3.1841)
Date
1841-03-06
Page
Seite 142 (sequence 14)
Language
German
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142 was um so schwieriger wird, wenn wie kn Preußen für die Ausbildung der christlichen Mittlern Klassen so trefflich gesorgt ist. Wiel viel ferner durch eine größere Bildung des Volks der Emanzipationssache gedient ist, das darf dem Einsichtigen wol nicht erst entwickelt werden. Hiernach wird es wol nicht überflüssig erscheinen, einige unparteiische Bemerkungen über ein Institut, wie die Berliner jüdische Gemeinde-Knaben-Schule, öffentlich auszusprechen, und ist dann ihr Zweck genugsam erfüllt, wenn sie vielleicht auf den oder jenen Uebelstand, an denen es nirgends in der Welt fehlt, aufmerksam zu machen im Stande sind und damit die erste Veranlassung zu Verbesserungen geben. Der Gemeinde-Knabenschule sowol wie der Mädchenschule sind in höchster Potenz die Vorsteher von dem Gemeindealtesten vorgesetzt; bei ihnen ist die Aufsicht über die Schulen, sie haben über den Zustand derselben an die Gemeinde zu referiren, auf Uebelstande aufmerksam zu machen u. s. w. Nun setzt der Wirkungskreis der Vorsteher in diesen zwar kein umfassendes pädagogisches Studium, zwar keine vollkommene Aufopferung für die Schulen, aber doch, wiewol zugegeben werden muß, eine gewisse Fähigkeit, die Leistungen von Lehrern und Schülern zu würdigen, voraus, verbunden mit einem Grade von Liebe und Hingebung für den Gegenstand ihrer Aufsicht. Leider aber sind die Verhältnisse in einer jüdischen Gemeinde, wie in Berlin, selten der Art, diesen Anforderungen zu genügen; die Vertheilung von Ehrenämtern findet da selten in der Qualifikation der Personen ihren Maßstab, Eitelkeit bestimmt sie zur Annahme — und mangelt dieser noch gar Liebe für den Gegenstand, so ist der ganze Zweck verfehlt. So kann man mit dem vollkommensten Rechte behaupten, daß die Vorsteher bisher dieser Anstalt mehr geschadet als genützt; ja sonderbarer Weise, es ist nicht selten drr Fall vorgekommen, daß aus falscher Vorliebe für die Mädchenschule Vorsteher so weit gingen, die Knabenschule herunterzusetzen. Was aber kann einer solchen Anstalt mehr schaden, als in ihrem Fundamente wankend gemacht, moralisch heruntergesetzt zu werden — von Personen, deren Aufgabe es wäre, jeden derartigen Versuch mit aller Kraft zurückzuweisen! — Die spezielle Leitung der Anstalt ist in der Hand eines Rektors, dem die Einrichtung und Ausrechterhaltung der äußern wie der innern Ordnung der Anstalt obliegt; und in der That muß man gestehen, was zumal die ersten betrifft, daß manches Löbens- und Nachahmungswerthe geleistet ist. Denn es ist nicht bloß für Bequemlichkeit kn den Klassen während der Lehrstunden, sondern auch für einen geräumigen Spielplatz zur Benutzung während der Erholung gesorgt. Ein dm Anforderungen an eine Elementarschule genügender Lehrapparat steht der Anstalt zu Gebote; obgleich in der Anschaffung mancher kostbaren physikalischen Instrumente vielleicht insofern etwas zu weit gegangen ist, als die dazu verwandten Mittel zur Anschaffung wichtigerer Gegenstände wol nützlicher hatten gebraucht werden können. Sogar eine Lesebiblipthek für die Schule ist eingerichtet worden; indessen soll dieselbe weder mit genügender Auswahl zusammengestellt sein, noch sich in einem so geordneten Zustande befinden, der zu einer nützlichen Anwendung unerläßlich nothwendig ist. Zum Lobe des Rektors muß ferner noch erwähnt werden, daß er keine Mühe scheut, ' den abgehenden Schülern ihren Fähigkeiten und Neigungen so weit wie möglich entsprechende Lehrlingsstellen zu verschaffen; auch kann einer von ihm in's Leben gerufenen Einrichtung, die meist armen Schüler mit Kleidungsstücken zu versehen, eine dankende Erwähnung nicht versagt werden; wenn gleich bei der Vertheilung derselben weder das größere Bedürfniß noch das größere Verdienst jedesmal den Ausschlag geben sott. Einen Gegenstand der Klage bildet jedoch der oft nachlässige Schulbesuch der Knaben, und würde in der Aufrechthaltung desselben der Rektor, wenn andere Mittel nicht ausreichen, von der betreffenden Staatsbehörde gewiß unterstützt werden. Zugleich müssen wir noch erwähnen, daß die allzulangen Ostern- und Herbst-Ferien den Kindern, die zu Hause meist aller Aussicht entbehren, ungemein nachtheilig sein müssen. — Alljährlich legt die' Anstalt in einem dreitägigen Examen öffentlich gleichsam Rechenschaft über ihre Leistungen ab. Es leuchtet wol Jedem ein, daß ein dreitägiges Examen ein zu großes Zeitopfer vom Publikum verlangt. Sollte nicht ein Tag für sammtliche Gegenstände und höchstens noch ein halber für Deklamationen rc. genügend sein? Das Hebräische, das bisher einen ganzen Tag für sich in Anspruch nimmt, kann sich ei' nerseits oemungeachtet nicht in der ganzen Ausdehnung des Geleisteten zeigen, andererseits aber würden, da das größere Publikum ohnedies nur sehr wenig Theil daran nimmt, die geistlichen Vorsteher der Gemeinde wol gern erbötig sein, dann und wann die Klassen selbst zu besuchen. Die Länge des Examens trägt nicht minder, als der verdammungswürdige Jndifferentismus der Berliner

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