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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-02-13 · Heft 7 (13.2.1841) · p. Seite 95

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 7 (13.2.1841)
Date
1841-02-13
Page
Seite 95 (sequence 15)
Language
German
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Nachdem der Gemeindevorstand die geladenen Honoratioren und Kommunen aus dem Komitatshause, wo sie versammelt waren, abgeholt, begann der Zug in bester Ordnung und tiefer Andacht bis auf den Bauplatz. Ein gut eingeübtes Chor von Knaben und Mädchen unter der Leitung des Vorbeters ging voran, Psalmen singend, mit der größten Pcacision und andachtsvoller Stimmung. Eine solche zeitgemäße, Herz und Seele erhebende, religiöse Feierlichkeit, wurde hier noch nie gesehen, und mußte schon der Neuheit halber besondere Gefühle erregen. Sie verfehlte auch wirklich ihren Zweck nicht. Alles, schien tief bewegt, im Gefühle der heiligsten Andacht. Dies steigerte sich, als ein junger talentvoller Rabbinats-Kandidat,.Herr Moses Nascher, eine eigends errichtete dekorirte Kanzel bestieg, und eine erbauliche, kraft- und salbungsvolle Rede hielt. Er detaillirte umständlich den eigentlichen Zweck eines Gebethauses, daß, obwol das ganze Universum an und für sich ein Tempel Gottes sei, es dennoch die erste moralische Tendenz sein muß, und mithin auch ein vorzügliches Bedürfniß, auf einer Gott geweiheten Stelle seine Gefühle dem Wettenschöpser vorzutragen. Es wäre ungerecht, ihm nicht unfern Dank laut auszusprechen, daß er sich nicht dlos bei dieser Gelegenheit das volle Anrecht auf die Dankbarkeit unsrer ganzen Gemeinde erworben hat, sondern würde es noch weit mehr durch seine öftern gottesdienstlichen Vorträge, wenn er mehr Rücksicht nehmen wollte auf eine moralische Tendenz, die für seine Zuhörer weit nützlicher wäre, als die Hagada und Erklärungen mystischer Stellen. Den Schluß dieser Feierlichkeit bildete die bekannte Volkshymne, von tausend Stimmen begleitet. Mag nun die Wirkung dieses Aktes für die Zukunft eine bald erlöschende oder lang nachhaltige sein: jedenfalls gereicht es unfern Herrn Vorstehern zum verdienstvollen Ruhme, die Feierlichkeit so eingeleitet zu haben, daß das heilige Unternehmen unsere ganze Judenschaft begeistert hat, so daß, wenn diese gefühlvolle Theilnahme eines jeden Einzelnen nicht erkalten möchte, wir uns nach wenigen Jahren am Ziele unsers Unternehmens sehen möchten. Nur noch ein Umstand möge schließlich erwähnt werden, der wie eine unheilbringende Wetterwolke, den friedlichen Horizont unserer Gemeinde schon beim Beginne des Baues trübte. Es entstanden nämlich getheilte Meinungen über das Postiren des sogenannten Almemors Die eine Partei will um keinen Preis von dem Hergebrachten weichen und behaupten, daß er seine Stelle, wie vor alten Zeiten in der Mitte der Synagoge haben muß, während die Gebildeteren vergebens Vorstellungen machten, dieses, so wie den ganzen Bau mehr dem heutigen Zeitgeiste anzupassen. Zu bedauern ist es, daß Herr Samuel Diner^ dem die Leitung des ganzen Baues anvertraut wurde, und dem es weder an praktischer Erfahrung und Uebersicht, die sammtlichen Zurichtungen in neuem Style einzukleiden, noch an Willen und Autorität, manche thunliche Mißbräuche unseres Kultus, die die Andacht nur stören, zu beseitigen, mangelt, bei dem ersten Anfalle seiner Gegner die Waffen streckte, und die ganze Direktion niederlegte. Dies geschah weniger aus Mangel aus Gemeinsinn, als aus einer unverzeihlichen Schwäche, der oft die fähigsten Männer unterliegen, wo es gilt, mit ausdauernder Beharrlichkeit für die Wahrheit der guten Sache in offene Schranken zu treten. B .... r. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen I^Ngr. (l(55gr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Bei mir ist zu haben: Die Pessaclt - Hagada oder Erzählung von Israels Auszug aus Mizrajim nebst Einleitung über Bestimmung und Gesetze des Festes genannt Atercs Z’wi entnommen aus dem Werke: Chorew von Samson Raphael Hirsch, Großherzogl. Oldenburg. Land-Rabbiner mit Commentar von Abudrham und deutscher Uebersetzung. In 8. Preis 8 Ngr. — <8 Sgr.) Wollstein i>» Januar 1841. Alexander'fthe Commissions-Buchhandlung auch in Frankfurt a. d. £>., während der Meßzeit.

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