Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1841)
- Date
- 1841-01-30
- Page
- Seite 66 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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60 „Erquicklich aber ist es, für Ihren Referenten, Ihnen berichten zu können, daß auch in diese neue Gesellschaft" (ein Concertverein) „keinen andern Morgenländern, als höchstens denjenigen, welche bereits gebeugten Hauptes den Jordan überschritten haben, der Zutritt gestattet ist. Wenn demungeachtet Einer aus besondern Gründen Aufnahme gefunden, so wird durch diese Ausnahme jene Regel nur noch mehr bestätigt. Vor unzeitiger Toleranz schützt uns nächst unserm christlichen Sinn die Ueberzeugung, daß ungleiche Akkorde nie Harmonie zu -Wege bringen. Und so nehmen Sie denn mit dem Neujahrsgruße Ihres Referenten die Versicherung, daß wir in dieser Rücksicht die reinen Sitten unserer Urahnen rein auf unsere Urenkel fortzupflanzen bemüht sein werden, und daß die unverschämte Arroganz der Nichtchristen, gleiche Menschenrechte mit den Christen zu verlangen, von uns in ächt christlichem Geiste und gebührendermaßen zurückgewiesen werden soll." Der Leser erwarte keinen Kommentar zu diesen Worten. Horaz möge ihn für mich geben, wenn er sagt: Nescio an Anticyram ratio illi destiuet oninem. — Was man abet von einem Redakteur zu halten, der sein Blatt zum Vehikel solchen Straßenkoths mit Lust und Liebe hergiebt, wird Jeder zu beurtheilen wissen. L. Berlin, 18. Januar. (Privatmitth.) Ich berichte Ihnen heute von der Konstituirung eines Vereins, nachdem dieser höheren Orts Bestätigung erhalten, eines Vereins, der von den wesentlichsten Erfolgen sein kann , und in seiner ganzen Erscheinung von höchster Bedeutung, nicht bloß für den hiesigen Platz, ist. Lassen Sie sich durch seinen sonderbaren Namen „Kultur-Verein" nicht abschrecken. Derselbe trägt in seiner Tendenz, was theils durch jenen Aufruf im , Telegraphen (No. 101 I. 1839 dies. Zeit.) angeregt, theils durch Ihre Artikel darüber, namentlich den'zweiten (No. 5. 1.1848 d. Z.) modisizirt, hier aber noch erweitert worden. Der Zweck des Vereins nämlich ist: armen Israeliten, die in irgend einer Wissenschaft oder Kunst eine bedeutendere Stufe erreicht, ohne damit ihren Lebensunterhalt erlangt zu haben, die Mittel an die Hand zu geben, ihren Studien sorgenfrei, wenn auch einfach, obzuliegen. Jnsonders wird dies durch Förderung literarischer Arbeiten bewirkt werden. Der Verein zählt bereits 150 Mitglieder, mit einem jährlichen Beitrage von 10 Thalern. Das Direktorium ist erwählt: Zunz, Veit, Bruck ff. Ich werde Ihnen alsbald zu weiterer Besprechung die Statuten senden, sobald sie in Druck erschienen. (Der Redakteur erlaubt sich zu obiger Mitthei« lung einige Worte. Wie überhaupt jetzt die Zeit der Association ist, so muß namentlich das Judenthum durch solche zu erstarken suchen. Dieser Gedanke faßt immermehr Raum. Die Verbesserung des Kultus für die Masse, Vereine für die geistige Bewegung. Wir müssen Vereine haben zur Vertheilung populärer Schriften, zur Beförderung und Verbreitung der israelitischen Bibel, zur Erforschung der jüdischen Zustände und der praktischen Mittel ihrer Besserung in der Nähe und Ferne, vor Allem aber muß dahin getrachtet werden, den kleinstädtischen Gemeindegeist, der bloß seine Gemeinde als Träger des Judenthums und als Boden seiner Bemühungen betrachtet, aber über die Mauern der Stadt hinaus auch nicht das geringste Interesse hegt, zu verbannen. Die Demonstration zu Berlin ist daher von Bedeutung, weil gerade diese Gemeinde an Engherzigkeit für das allgemeine Judenthum seit vielen Jahren sich auszeichnete. Wir stehen erst am Vorabende unsrer Entwickelung, wir thun erst fröhliche, wenn auch ernste Blicke in eine Zukunft. An Kräften fehlt es nicht, der Wille erwacht, die Einsicht wird nicht mangeln! Red.) Theologie. Religiöse Bekenntnisse und Skizzen in freier Form. lFortsetzung.) Eine ganz ähnliche Procedur findet im Hiob auf einem ganz andern Gebiete statt, indem daselbst die Unzulänglichkeit der menschlichen Art und Weisen,