Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1841)
- Date
- 1841-01-02
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 Neligionsschulen der Bekenner des mosaischen Glaubens, und zwar befinden sich diese größtentheils in heu westlichen Provinzen des Reichs, in Beffarabien, der Krimm und in den Ländern jenseit des Kaukasus, und stehen, so wie die davon abhängenden Schulen, unter 93» Rabbinen, 2097 Aeltesten und 1698 Schatzmeistern. (Pr. St. Z.) Algerien. Algier, 21., Dezember. (Fortsetzung des Art. in No. 52 vor. Jahres.) Diesem Bilde der hiesigen jüdischen Zustände der Vergangenheit gegenüber stellen die Herren Pharaon und Goldschcider ein sehr trauriges Gemälde der Gegenwart auf. Wir machen nur noch einmal darauf aufmerksam, daß diese Herren ganz vom Standpunkte europäischer Civilisation ausgehen, daß wir aber nicht berechtigt sein können, diesen Forderungen schon jetzt genügt zu sehen, noch dazu, da die Regierung fast gar Nichts dafür thut, mnd die französische Besitznahme selbst noch wenig -Sicherheit und Erfreuliches bietet. — „Dringen wir, heißt es in dem Berichte, in ihre Quartiere, -so werden wir fast von einer miasmatischen Atmosphäre erstickt, hervorgebracht durch die ausüerorchentliche Unreinlichkeit, in die sie versunken sind. Die Augen wenden sich von den Uebeln ab, mit deinen sie behaftet sind, von Nebeln, die durch die Vernachlässigung aller häuslichen Sorgfalt bewirkt sind, und die sie den Blicken der Vorübergehenden unter den Lumpen des Elends aussetzen. Man besuche das Innere ihrer Wohnungen, man stelle sich ein Zimmer von 10 bis 15 Fuß Länge, 5 — 7 Fuß Breite vor, die zwei oder drei Wirthschaften enthalten; Nichts gleicht der Unordnung, die man hier findet; Alles ist hier sich selbst überlassen, bis auf die Kinder im zartesten Alter, die ihre dürftige Existenz auf dem Boden verbringen, den zu beschmutzen sie beitragen. Die einzige Ausnahme macht der Sabbat, denn nur während dieser 24 Stunden herrscht etwas Reinlichkeit im Innern der Häuser, in den Anzügen und der Nahrung. Nicht im Geringsten hat aber hieran die Religion oder die Geburt schuld — wir allein sind die Urheber dieses Zustandes, die wir sie immer wieder zurückstoßen, wenn sie sich uns nahen, und einer schlechten Erziehung überlassen. Wie anders, als daß sie sich darum auf sich selbst zurückziehen, und unserm Stolze ihren Trotz entgegenstellen. Sie huldigen unsrer Regierung, weil diese sie der Tyrannei der Mauren entzieht, aber nicht um der Civilisation willen, deren Genuß sie ihnen versagt. — Sie sind treue Beobachter des Sabbats, der zahlreichen Feste, die sie mit Gebeten, Besuchen, und Gastmählern verbringen. Um dieses zu bewerkstelligen, sieht man am Tage vorher die Jüdinnen die Pfandleihen bestürmen, um die wenigen werthvollen Gegenstände, die sie aus besserer Zeit gerettet haben, zu versilbern, ganz wie man es in Paris am Tage vor Weihnachten, dem Karneval und Ostern sieht. Doch muß man den Vorzug den Juden zugestehen, daß diese wenigstens die Früchte dessen zu Hause mit ihrer Familie verzehren, wogegen der französische Arbeitsam nn sie auswärts verjubelt. Diese ewige Armseligkeit bringt aber unter die Juden in ihre Häuslich, keit einen ewigen Unfrieden, dessen lärmende Aeußerungen man zu oft auf den Straßen vernimmt. — Die hiesigen Juden sind voller Aberglauben, glauben an Zauberei, und schreiben Unglücksfälle meist der geheimen Macht irgend eines Neidischen zu. Hingegen haben die jüngeren Juden, die in den letzten 10 Jahren sich den Franzosen genähert, und mit einem großen Fonds von Verstand die europäischen Magazine, Etablissemens überschwemmt, sich zu den Instrumenten der Advokaten, Notare, Huissiers ff., zu Dienern der Kaufleute, zu Ladenburfchen ff. .mit großer Gewandtheit gemacht haben, mit unserm Kostüm auch die ganze Liederlichkeit unsrer unteren Stände angenommen. Es sind dies die einzigen Früchte, welche sie unsrer Civilisation verdanken, und die von ihnen abzulenken, durch Unterricht, moralische Bildung und Erziehung, unsrerseits kein Schrittgeschehen-ist, wenn nicht im Gegentheil.^ Zwar hat die Administration 1832 eine Schule für die Juden, eine für die Mauren gegründet. Die erstere ward bald von 200 Schülörn besucht, während die letztere nie mehr als 6 Zöglinge zählte. Sobald aber die Kinder aller Konfessionen in eine Anstalt des gegenseitigen Unterrichts zusammengezogen wurden, hörte der Besuch von Seiten der Israeliten auf. — Die Juden sprechen arabisch, aber sehr verdorben und ungrammatikalifch, höchstens zehn schreiben es richtig." Dies find die Hauptzüge aus dem Berichte der oben genannten Herren.