Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1840)
- Date
- 1840-12-19
- Page
- Seite 730 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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730 Syrien, hatte diese Sache aufgehört, eine ägyptische zu sein. Diese Angelegenheit, welche die öffentliche Aufmerksamkeit in Europa auf sich gezogen, wegen des Interesses, das jene Opfer religiöser Vorurtheile, glücklicherweise von unseren Sitten und Gewohnheiten so weit entfernt, eingeflößt,' hat in der Hauptstadt des Islam eine Lösung erlangt, welche vom philosophischen und politischen Gesichtspunkte aus, von der höchsten Bedeutsamkeit ist. Sobald die von den Angeklagten, welche nicht unter den Torturen gestorben waren, in Freiheit gesetzt, und gegen jede neue Verfolgung gesichert waren, beeilte sich Sir Moses Montesiore, sich nach Konstantinopel zu begeben, um vom Sultan, nicht blos einfach ein individuelles Verdict, sondern eine glänzende Rechtfertigung zu erlangen, die die absurden Anklagen vernichten mußte, welche zum Vorwände für Verfolgungen gedient hatten, -gegen welche sich die Israeliten aller Länder so lebhaft erhoben haben. Folgendes ist der Bericht der uns über die Schritte zugekommen, die der Erlangung des von Sr. Kaiserl. Hoheit Abdul-Medschid erlassenen Fermans vorangegangen sind. Dieser Ferman hat zu Konstantinopel ein solches Aussehen gemacht, daß man ihn als die Charte der Religionsfreiheit im Oriente betrachtet. Sir Moses Montesiore hatte nach seiner Ankunft bei Sr. Excellenz Reschid-Pascha, Minister des Auswärtigen, um eine Audienz beim Sultan nachgesucht, um Se. Herrlichkeit für die den Israeliten von Rhodus geübte Gerechtigkeit zu danken, und um einen gleichen Ferman zu Gunsten der Juden von Damaskus, denen es ebenso, wie den ersteren, Nothwendigkeit geworden, sich von der Anschuldigung jenes gehässigen Vorurtheils zu reinigen, zu erbitten. Se. Excellenz antwortete günstig auf diese Gesuche, und bemerkte, daß, wenn Damaskus in der Gewalr des Sultans gewesen wäre, den Opfern die weiteste Gerechtigkeit geschehen wäre. Das Fest des Ramasan hatte indeß angcfangen, bevor die Audienz bewilligt war; man dachte allgemein, daß sie erst nach dem Ende der Fasten, die dreißig Tage dauern, statt finden würde. Sir Moses Montesiore wurde demungcachtet den dritten Ramasan 1256 (28. Oktober) zum Pallaft von Bahick-Tasch gefordert. Er begab sich dahin mit Herrn Georg Samuel, Herrn Dr. W. Vire, Herrn Löwe, und Hrn. F. Pisani, erstem Dragomatt der englischen Gesandschafr. Bei ihrer Ankunft wurden sie von einer Ehrenwache begrüßte Sie wurden hernach mit ganz orientalischem Pompe eingeführt, und von einer militärischen Musik begleitet, in eine Abtheilung des Pallastes, wo sie Reschid-Pascha und Rizza-Pascha erwarteten. Hier wartete man ihnen mit Pfeifen und Kaffee auf. Einige Augenblicke nachher zeigte ihnen ein Offizier an, daß Sr. Kaiserl. Hoheit sie zu empfangen bereit wäre. Von einer großen Anzahl Offiziere wurden sie durch einen prächtigen Garten in den großen Audienz-Saal geführt, wo sie Se. Herrlichkeit sitzend fanden. Sir Moses verlas eine Rede, um seinen Zweck auseinander zu setzen, welche von dem Dragoman in's Türkische übersetzt ward. Abdul-Medschid sprach folgende Antwort, welche von einem Offiziere sofort niedergeschrieben, und dem Sir Moses von Reschid-Pascha übergeben wurde: „Ich bin vollkommen befriedigt durch die Mitthei- „lung, welche die Deputation mir gemacht, und „durch die Gesinnungen, die sie gegen mich ausge- „sprochen hat. Ich habe die Nachricht von den Er- „eignissen in Damaskus mit großer Betrübniß ver- „nommen, versuchte aber, der jüdischen Nation eine „Genugthuung dadurch zu geben, daß ich befahl, cs „solle in der Sache von Rhodus Gerechtigkeit ge- „schehen. Die israelitische Nation wird immer denselben Schutz und dieselben Vortheile genießen, wie „die andern Unterthanen meines Reichs. Ich werde „der Deputation bewilligen, was sie von mir ver- „langt hat. Ich weiß, meine Herren, die menschen- „freundlichen Gesinnungen zu würdigen, welche sie „in diese Hauptstadt geführt haben." Nach diesen Worten lud Se. Herrlichkeit den Sir Moses ein, sich zu nähern. Hierauf verlangte der Sultan von ihm die Vorstellung der Personen, welche ihn begleitet hatten. Die Deputation zog sich alsdann zurück, und wurde in einen benachbarten Saal geführt, wo man mit Sorbet aufwartete, und die Minister ihre Glückwünsche darbrachten. Alsdann wurde sie mit demselben Ceremoniell aus dem Pallaste geführt, unter dem sie in diesen eingetreten. Wir haben dieses etwas ausführlich gegeben , weil dadurch nach orientalischer Sitte dem folgenden Ferman ein bedeutsamerer Charakter gegeben wird.