Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1840)
- Date
- 1840-12-05
- Page
- Seite 710 (sequence 18)
- Language
- German
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710 Predigt und die eigene Herzensergießung. So sehen wir in neuerer Zeit das bestimmte, gegebene Gebet immer mehr beschneiden, nur noch Vorbereitung zur Predigt werden, so daß die Gotteshäuser nur noch Versammlungsörter zur religiösen Anregung, Unterhaltung, Belehrung sind. — Während nun alle Religionen des Merthums zuerst jene unmittelbare Mystik der Gefühlswelt, dann Mythik der Phantasie waren, war es die Offenbarung, welche die Erkenntniß aus der Gefühlswelt hervorrief, und zur Entwickelung und zum Loslösen führte, indem sie ihr zugleich die ersten abstrakten Satze, vom einigen, unkörperlichen Gotte und von der Heiligung des Menschen übergab. Indem die Offenbarung aber dies bewirkte, mußte sie zugleich der, die Offenbarung empfangenden Menschheit einen bestimmten Ausdruck geben, der nichts Anderes als die bisherige Form im Allgemeinen, der Opferdienst, sein konnte, in den sie aber nur. die gegebenen Begriffe übertragen, verarbeiten mußte. War demnach der Opferritus selbst allerdings nur eine zeitliche, aber doch durch eine große Periode hindurch genügende Institution, so hing er doch mit dem ganzen Wesen der Offenbarung, welche die menschengeschichtliche Entwickelung nicht wie im Treibhause erzwingen, sondern normal weiterführen sollte, zusammen, aber so, daß dieser zu einem vollständigen Kultus verarbeitet, und auf die streng konsequenteste Weise mit den Ideen der Offenbarung durchwirkt wurde. Allerdings ist demnächst der Ritus symbolisch zu fassen, indeß ist hierbei zu unterscheiden, daß die Spezialitäten nicht sowol Zeichen, als vielmehr Hüllen der Ideen der Offenbarung sind.- (Fortsetzung folgt.) Literaturgeschichte. Biographische Notizen von jüdischen Gelehrten mid Künstlern, von vr. C a r m o l y zu Brüssel. (Fortsetzung.) 37. Luzzato (Ephraim), berühmter Dichter, geboren 1729 in St. Daniel in der Landschaft Friaul, vier Meilen von Udine. Er studirte Medizin auf der Universität zu Padua, und promovirte daselbst den 27. Mai 1751. Später widmete er sich der Theologie, die er wieder um der Dichtkunst willen verließ, zu der ihn sein Genie drängte. Seine Produktionen, besonders seine Sonnette verschafften ihm einen hohen Ruf und bedeutenden Rang unter den hebräischen Dichtern. 1763 begab er sich nach London, wo er die Heilkunst mit gutem Erfolge ausübte. Nachdem er 36 Jahre in England verbracht, konnte er der Sehnsucht, sein Vaterland wieder zu sehen, nicht widerstehen, aber bei seiner Ankunft in Lausanne starb er am Blutbrechen, im Jahre 1793. Man hat von ihm: eine Sammlung flüchtiger Poesien, die er zu London unter dem Titel: ä"nw:n ^2 herausgab, und mehrere Stücke in der sogenannten Maccaroni-Art, gemischt aus italienischen, englischen und hebräischen. Seine hebräische Uebersetzung der?rim»voru von Metastasio wird als ein Meisterwerk bewundert. 38. Luzzato (Jsaac), Sohn des Vorigen, Doktor der Medizin. Er übte seine Kunst in St. Daniel aus, wo er 1803 starb, und verfaßte verschiedene hebräische Gedichte, unter denen man die Uebersetzung von 1-iberta ü Nie« von Metastasio auszeichnet. 39. Luzzato (Raphael), Sohn des Vorigen, erster Arzt zu Görz in Jllyrien, zeichnet sich ebenso als Arzt, wie als hebräischer Dichter aus. 40. Yzidro (Abraham Gabay), war Mitglied der Akademie Etz - Chaim zu Amsterdam während einiger Jahre; nachher ging er nach Amerika, und wurde zum Rabbinen in Surinam erwählt. Später begab er sich in gleicher Eigenschaft nach Barbadoes, von wo er nach langer Abwesenheit nach Europa zurückkehrte. Er starb in London 1757, und hinterließ in den Händen seiner Gattin, Sara Pzidro, die sich nach Bayonne zurückgezogen hatte, ein didaktisches Gedicht über die 613 Vorschriften (rn-inrer,) das sie in Amsterdam 1758. 8. unter dem Titel VN228 veröffentlichte. 41. Rachby (David), indischer Mathematiker, geboren zu Cochin, wo sein Vater Ezechiel Rachby, einer der reichsten Kaufleute war. Als