Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1840)
- Date
- 1840-11-07
- Page
- Seite 634 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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634 hat den Anforderungen des mächtigen Banquiers widerstanden, und Herrn Ratti-Menton auf seinen Posten erhalten. Daher die Erbitterung des Herrn von Rothschild. Wir wiederholen diese sehr verbreiteten Gerüchte, ohne sie zu verbürgen. Wenn ihnen wahre Thatsachen zu Grunde lägen, so würde die ihnen jetzt gegebene Oeffentlichkeit ohne Zweifel Umtriebe vereiteln, gegen welche die öffentliche Meinung sich empören dürfte; wenn sie falsch sind, so haben wir dem Herrn von Rothschild Gelegenheit gegeben, ihnen öffentlich zu widersprechen." Daß eine Verwendung Rothschild's im Sinne dieses Artikels, und eine abschlägige Antwort von Seiten Thiers' statt gefunden, haben wir schon aus früheren Berichten ersehen lassen. Wie weit sich Herr Thiers seiner Festigkeit in der Erhaltung Ratti-Menton's auf seinem Posten zu rühmen habe, nun das weiß jetzt die Welt, nachdem Thiers und Ratti- Menton ein so herrliches Dementi von Mehmed-Ali erhalten haben. Aber nur glaube Herr Thiers nicht, daß wir seiner offenherzigen Darstellung trauen mögen. Je offenherziger solch' ein Mann ist — desto mehr mißtraut man ihm. Nicht Rothschild, und nicht Thiers sind die Männer, die um jener Angelegenheit willen sich entzweit hätten. Die Motive liegen tiefer. Allein wir haben mit der Staatspolitik Nichts zu thun. Wir wollten nur aufdecken, wie man wieder hier die armen Juden vorschiebt, wo, wer weiß in welchem individuellen Interesse eine Entzweiung vorgefallen. Herr Thiers will seinen Landsleuten den Herrn von Rothschild und seine Opposition nur lächerlich und geringfügig erscheinen lassen, indem „der israelitische Banquier" nur um einiger Juden willen zürne, die ihm der Herr Thiers nicht habe schenken wollen! — Ob Herr R. „seinen Glaubensgenossen" die Absetzung Ratti-Menton's versprochen hatte? wir, auch.Glaubensgenossen, wissen Nichts davon. Daß er sie zu bewirken gesucht hat — macht ihm nur Ehre. Das Resultat? Auch in Frankreich wird der Haß gegen Juden noch erploitirt, wo er was zu ergeben scheint. Allein man kann versichern, daß er hier nur wenig ergiebig ist. Zu kämpfen werden wir wol immer, und darin gleiches Schicksal — mit der ganzen Menschheit haben. — Rothschild hat auch geantwortet, allein wol weislich darin sein Glaubensbekenntniß mit Stillschweigen übergangen. Wir können ihn nur loben deshalb. Allerdings ist aber die Opposition Rothschild's nicht ohne Wirkung, und viele hochstehende Männer haben sich gegen den nichtswürdigen Angriff im Constit. heftig ausgesprochen. (S. L. A. Z. No. 296.) Der Grient. Am 5. Oktober ist Herr Montesiore mit dem französischen Postdampfschiffe von Alexandrien hier ringetroffen. — Mehmed-Ali hat befohlen, die Nationalgarden in Kahiro, die bis jetzt nur sechs Regimenter stark waren, sofort auf 12 vollständige Regimenter zu 4999 Mann zu bringen, und dazu alle Rajas, Juden und Christen, auszuheben. Deutschland. AuS Hessen. Wir wollen unfern Lesern folgende charakteristische Anekdote nicht vorenthalten. Aus Gladenbach, im Großherzogthum Hessen, wird folgender bemerkenswerthe Vorfall gemeldet: Die Stunde der Entbindung schien für die kränkliche Ehefrau des dortigen israelitischen Einwohners O. die Stunde des Todes zu werden, als vier wackere Aerzte herbeigeeilt kamen und durch' den Kaiserschnitt Mutter sammt Kind retteten. Letztere, von heißem Danke erfüllt, trug denselben (welche zum christlichen Glauben sich bekennen) Gevatterstelle an, was diese mit Bereitwilligkeit annahmen. Im festlichen Anzuge erschienen sie am Beschneidungstage in der von Juden und Christen angefüllten Synagoge, wurden mit dem Zurufe „Willkommen im Namen des Herrn!" begrüßt und nahmen nach dem Beschneidungsakte den Knaben abwechselnd auf den Arm, der auch, was unter den Israeliten nicht gewöhnlich ist, die Namen seiner vier Gevatter erhielt. Zum Schluffe ward für das Wohl der Mutter, des Kindes und der vier Gevatter ein Gebet itz deutscher Sprache gesprochen. v Preußen. Berlin, 20. Lkt. Auch die jüdische Gemeinde der Hauptstadt hat den Tag der Huldigung unseres Allergnädigsten Königs, der ein Vater aller seiner Unterthanen ohne Unterschied des Glaubens ist, auf angemessene Weise feiern wollen. Sie beschloß daher ein neues Hospital-Gebäude für arme, alte und