Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1840)
- Date
- 1840-10-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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iv. Jahrgang. Allgemeine No. 44. Zeitung des Ziidcnthnms. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redacteur: Verlag von »r. Ludwig Philipps»», BaumgärM'rs Buchhandlung israelitischer Prediger in Magdeburg. Leipzig. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Concession) Leipzig, den 31. October 1840. Diese Aeitüng erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u.s.w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Seitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptfpeditron für beide Letztere hat sich die König!. Sächs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Zeitungsnachrichten. Aegypten. Das Journal des Dobats enthält nachstehendes Schreiben des Hrn. Cremieux aus Alexandrien vom 15. September: „Ich bin in.der lebhaftesten Freude! Es schien mir nicht möglich, daß das unglückliche Ereigniß in Damaskus noch eine Quelle wahrhafter Freude für mich werden sollte; aber wie kann ich anders, als mich der angenehmsten Bewegung hingeben, wenn ich das Schreiben von Merlato und das von Seid- Ali-Aga lese? Lesen Sie dieselben, mein theurer Freund und freuen Sie sich mit mir. Die großen Verbrecher sind unter dem einstimmigen Beifall der Muselmänner in Freiheit gesetzt worden. Die Muselmänner, welche durch falsche Berichte in Europa als Wüthende dargestellt wurden, die bereit seien, I das Quartier der Juden, der -„Mörder" des PaterS; Thomas, zu demoliren, dieselben Muselmänner be-! gleiteten in Masse die armenOFreigelaffenen. Sie! folgten ihnen bis zum Tempels wo sie in dankbarer! Frömmigkeit für Mehnled-Äli und für alle ihre Be-! schützer beteten, ehe sie sich in ihren Wohnussgm und! in die Arme ihrer sie nicht erwartenden Fammen zu- 1 rückkehrten. Und diese Barbaren, die das Blut eines bejahrten und .wohh^hüligen Priesters trinhey, wollten, denken vor Allem^z^erst an Gott'und den ihre mörderischen Hände gen ^^mel^. Diese^ Ungeheuer, die zwei wehrlose Menschen zerstückelt und sich mit der abscheulichsten Schandthat befleckt hatten, werden von einer großen Volksmenge wie im Triumphe begleitet, die mit ihnen die höchste Gewalt segnet, die Gerechtigkeit gegen sie geübt und ihre Fesseln zerbrochen hat. „„Es ist dies ein Tag der Freude für edle Seelen,"" heißt es in dem Schreiben Mrrlato's. Wissen Sie wol, mein Freund, daß hier fünfzehn Personen sind, die einem schimpflichen Tode durch Henkershand oder dem unseligen Tode im Gefängnisse entgangen sind? Urtheilen Sie, die Sie oft Zeuge waren von meiner unermeßlichen Freude, wenn es meinem Worte gelang, einen Unglücklichen, der eines Kapital-Verbrechens angeklagt worden, vor den Gcschwornm zu retten — urtheilen Sie' von meiner Freude bei einem so ergreifenden, so volksthümlichen Schauspiel! Es waren da sieben Menschen, welche die Tortur verstümmelt hatte, zwei, die verschont geblieben, und sechs, die sich der Verhaftung durch die Flucht entzogen hatten, und Alle sind heute frei, umgeben vo«) Ihren Frauen, ihren Kindern, ihren Brüdern, von denen sie seit sechs Monaten beweint wurden! Welch ein Wunder ist diese Rückkehr ins Leben! Wenigstens wird man doch nun nach dem Urtheile in Rhodus nach der triumphirenden Befreiung der Jude» in Damaskus nicht mehr die abgeschmackte und barbarische Blut-Anklage gegen die Juden erheben. Leider hat die Tortur vier Schlächtopfer zwei Ange-