Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1840)
- Date
- 1840-10-24
- Page
- Seite 610 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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das geheimnißvolle Dunkel gelichtet zu sehen, welches noch über diesen ganzen Vorfall verbreitet ist." Magdeburg, 11. Okt. Das große, unsterbliche Verdienst, welches sich Mose Montefiore und Adolph Crömieux um die ganze israelitische Glaubensgenvssenschast erworben haben, wir brauchen es nicht erst allen fühlenden Glaubensgenossen zuin Bewußtsein zu bringen. Die Berichte, die wir vom Beginne an unfern Lesern in allen Details unterbreitet haben, waren am geeignetsten, die ganze Großherzigkeit dieser Männer in's hellste Licht zu stellen., Es ist ein Vorzug unsrer Zeit demnach auch, während seit undenklicher Zeit die Opfer der Israeliten für ihre Religion nur in den vier Pfählen deS Hauses, oder in dem verschlossenen Brustkasten, in dem das unruhige Herz schlägt, gebracht werden: daß einmal mit heller, klingender, in die Oeffentlichkeit der Welt gedrungener That die Männer unsres Glaubens die Beharrlichkeit unsres Kampfes für Recht, Wahrheit und Gewissensfreiheit erwiesen haben. Erst hierdurch wird das ganze Ereigniß ein großes und vielbedeutendes, und wir, als eifrige Verfechter, haben wol vorzusehen, daß wir alle seine Folgen und Wirkungen durch das Bewußtsein zur Frucht bringen. — Zunächst fehlt es auch diesen Männern an der schuloigcn Anerkennung in den israelitischen Kreisen nicht, und alle Parteien fühlen das große Interesse, diese Anerkennung auch zur Aussprache zu bringen. So berichteten wir früher von dem ra, welches der Rabbine zu Breslau, Tiktin, sabbatlich für M. und Cr. spricht, und es möchte wol kein Redner in einer israelitischen Gemeinde in Europa sein, der seine Wünsche und Begeisterung für dieselben nicht bereits ausgesprochen hätte. So wurde uns früher ein tüchtiges Redestück von Arnheim in G log au zugesandt, das auch dem Begleiter derselben, Herrn Munk, den schuldigen Dank brachte. Selbst in kleinen Gemeinden, wie Stavenhagen in Meklemburg-Schwerin wird seit mehreren Wochen ein ‘pao ’a dieses Inhalts gesprochen. Am verflossenen Neujahrsfeste hat der alte Rabbine zu Frankfurt am Main in der Synagoge selbst ein solches Gebet gehalten. Auch der 0r. Philipp so n allhier sprach zwischen Schacharit und Mussaf am verflossenen Versöhnungstage ein Gebet, worin er, wie von der Sündenreinigung des Tages vor Gott, so von der Reinigung von aller Schuld vor den Augen der Völker sprach, wie jene Männer ibre Namen in das Buch der Geschichte eingetragen, so trage sie der Herr in das Buch des Lebens und Segens ein. Insbesondere erwähnte er auch dankend des englischen Volkes, das sich wie ein Mann für das Recht und die gekränkte Unschuld erhoben. Er schloß: „Ueber jene im Dunkeln schleichenden Ankläger aber bringe nicht das Maaß ihres Frevels, und wir beten für ihre Strafe nicht — mögen sie wandeln schuldbeladen auf Erden, ihre Schaam von der Sonne beschienen. Wir aber wollen immerfort beten, bestehen und kämpfen für die Erkenntnißmnd Heiligung Deines einigen Namens ff." Auch der Herr 0r. Weil in Frankfurt am Main theilt uns den Schluß seiner Rede in der Andachtsstunde mit, der diesen Gegenstand betraf, und der so lautete: „Gedenke Deines Schöpfers!") das sagen wir Dir o Mensch, in jeder Lage des Lebens. Du, o Reicher, die Zeit lehrt Dich erkennen auf welchem hohlen Grunde Dein Neichthum ruht und wie wenig Du auf dessen Bestand zählen kannst. Aber ein Reicher lebt in Israel — und er werde genannt zum Segen, wo fühlende Herzen sich vereinigen in unserer Mitte. Moses Montefiore ist sein Name, der hat einen Reichthum gesammelt, den der Rost nicht frißt und der Tod nicht raubt. Willig vertauschte er ein Leben in des Reichthums Genüssen, mit den Mühseligkeiten unter des Orients glühender Sonne, mit den schweren Gefahren in dem Vaterlande der Pest, mit den schwereren in dem Kampfe mit den niedrigsten Leidenschaften, aufgeregt von der nichtswürdigsten Lüge. Wie jene edle Königin warf er kühn dem Despoten sich entgegen bis er den goldenen Zepter ihm reichte und seinen Würgegeistern gebot abzulaffen. Der hat seines Schöpfers gedacht, dessen Reichthum wird nicht vergehen. Jüngling hat Gott Dir Schätze beschieden, verwende sie wie er, gedenke Deines Schöpfers wie er. Gedenke Deines Schöpfers, Du, der Du Dich der Wissenschaft widmest. Dein Wissen ist schön, *) Gegenstand und Text der Predigt. (Pred. Sal. 12, 1.) Corr.