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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-07-18 · Heft 29 (18.7.1840) · p. Seite 417

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 29 (18.7.1840)
Date
1840-07-18
Page
Seite 417 (sequence 5)
Language
German
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417 in moralischer Beziehung, welche der propagandistische Toulonnais ihnen macht. Den besten Beweis liefert die Kriminalstatistik des vorigen Jahres wieder; unter 119 Angeklagten befanden sich nur 4 Israeliten, in polizeilicher Beziehung fand sich kein einziger Jude angeklagt während des ganzen Jahres. Und dennoch ist die Lage der Juden jetzt sehr bcklagenswerth. Denn standen sie auch unter der mahomedanischen Herrschaft bürgerlich auf der untersten Stufe, so hatte doch die arbeitende Klasse Brod, indem sie das Waffenschmieden, Tischlerbandwerk, die Gold- und Seidestickerei betrieb, welche jetzt sämmtlich aufgehört haben. Diese Leute sind daher dem größten Elende ausgesetzt, da die Armenkasse von Schmarotzern, und nichtsthuenden, sogenannten Rabbinen geleert werden, so daß authentisch jüngst drei Individuen vor Hunger gestorben sind. Die Bemittelteren beschäftigen sich jetzt mit dem Verschleußen englischer Manufakturen -an die Araber. Die Jugend übrigens gicbt zu den besten Erfolgen Hoffnung, viele Knaben besuchen das Eo>1e§e, und sprechen das reinste Französisch. Die ganze Gemeindeverfassung ist auf's schlechteste beschaffen, und die Regierung hat noch nicht das Geringste gethan. Rußland und Pole«. Warschau, 30. Juni. (Privatmitth.) Am 23. d. M. fand in einem Stadtviertel unsrer zahlreichen Gemeinde — dem vor dem eisernen Thore, — eine Feier statt, zu der Tages früher die Mitglieder unsrer Gemeinde eingeladen worden waren. Nachdem dieselben zur bestimmten Zeit in zahlreicher Menge sich eingesunden hatten, ließ Sr. Ercellenz der Präsident der hiesigen Stadt, im Beisein aller hohen Stadtbeamten, Gemeindevorsteher und Kommissäre, ein in polnischer und hebräischer Sprache verfaßtes Protokoll von dem Sekretär des hiesigen Censur-Comitö's, Herrn I. Tugendhold, vorlesen, das so lautete: „Am heutigen Tage, dem 22. des Monats Siwan im I. d. W. 5600 und-den 11/23. Juni 1840 christl. Zeitr. wurde unter der glorreichen Regierung des Kaisers Nicolaus I., Selbstherrschers aller Reußen, Königs von Polen, unter der Leitung des K. K. Stadthalters, des General-Feldmarschalls, Fürsten von Warschau, Grafen Paskewitsch Erywanski von Sr. Ercellenz, dem Präsidenten der Stadt Warschau, im Beisein aller hohen Stadtbeamtett und der Mitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinde der Grundstein zu einem Gotteshause gelegt, welches aus -freiwilligen Spenden zur Ehre Gottes erbaut wird. Zum ewigen Andenken und zum Beweis ihres Dankes gegen den Allergnädigsten Kaiser und die hohe Landes-Regierung wird gegenwärtiges Protokoll von dem hiesigen Ober-Rabbinen und den Hauptstiftern dieses Gotteshauses eigenhändig unterschrieben." Es folgten nun auch sämmtliche Unterschriften der anwesenden hohen Personen, woraus die in einem gläsernen Cylinder verwahrte Schrift nebst einer Blechtafel mit der Jahreszahl und vielen in diesem Jahre geprägten Münzen in eine steinerne Büchse gethan, diese versiegelt an den Ort des Grundsteines gelegt wurde, worauf Sr. Ercellenz der Stadt-Präsident und die anderen hohen Anwesenden der Reihe nach die Mauerkelle ergriffen und den auf die Urkunde gelegten Stein, nach herkömmlicher Ceremonie, mit Kalk und Mörtel bewarfen. Das hierauf angestimmte Hanoten teschua limlachim beschloß die Feierlichkeit. Sie ersehen hieraus, wie diesesmal die hiesige deutsche Gemeinde, die von dem Neubau ihrer Synagoge bisher blos noch immer das Project auf dem Papiere hat, sich von einer der hiesigen Stadtviertel- Gemeinden den Borrang ablaufen ließ. 'Bedenkt man überdies, daß das Stadtrevier vor dem eisernen Thore gerade nicht, zu den an jüdischen Bewohnern zahlreicheren gezählt wird, und daß die Vorsteher derselben nm mit geringen Mitteln und Protektionen an's Werk gingen, so muß man es denselben doppelten Dank wissen, daß sie sowol dem allgemein gefühlten Bedürfnisse eines geräumigen Gotteshauses abgehvlfen und dieses in der Stille, ohne Geräusch, aber mit energischer Schnelligkeit ausgeführt haben. Das Gebäude wird, so weit man es jetzt schon merken kann, aus einem viereckigen, hohen, durch vier gothische Bogenfenster hell erleuchteten Betsaale, mit einem Balkon seitwärts, der zu der s. g. Frauenschule führt, bestehen, daneben befinden sich zwei Zimmer, eines zur Aufnahme einer Büchersammlung, das andre für 'den Schuldiener bestimmt. Dr. I. B. Deutschland. Dresden, 22.Juni. In dem Landtagsabschiede für die Ständeversammlung werden als zur Ausfüh-

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