Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1840)
- Date
- 1840-07-18
- Page
- Seite 415 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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415 Hamburg, J. Juli. (Privatmitth.) Sonntag, den 5. h. findet hier eine große Gemeindeversammlung in Betreff der Damasker Angelegenheit statt. Ich werde über den Erfolg sofort berichten. Ingolstadt, 25. Juni. (Privatmitth.) Der in Ihrem Blatte v. 23. Mai aus der Mg. Augsb. Zeitung entnommene, mit der Namens-Chiffre 6. H. v. .8. Unterzeichnete Artikel ist aus der Feder des ebenso durch sein Gemüth als seinen Geist ausgezeichneten Gelehrten Gotthils Heinrich von Schubert, Professor rc. zu München geflossen, der bekanntlich bei seiner Reise im Orient den Character der Juden zu Damaskus persönlich kennen zu lernen Gelegenheit hatte. Die competenten Urtheile eines Schubert, Lamartin und Grafen de la Borde sind wahrlich gewichtiger als tausend feindliche Artikel deutscher Zeitungsscribler. — Konstantinopel, 3. Juni. Vor einigen Lagen ward bei Mustapha Refat Bey eine öffentliche Sitzung über die Sache der kompromittirten Juden von Rhodus und Damaskus abgehalten; sie hat indessen wegen Mangelhaftigkeit der faktischen Daten kein Resultat gehabt. London, 15. Juni. (Privatmitth.) Ein bekannter englischer Religionsschwärmer, 'Joseph Hamilton, hat in Bezug auf die Damasker Begebenheiten ein Schreiben „an alle Herrscher, Prälaten und Staatsmänner der Christenheit" drucken lassen, worin er sie um Schutz für die Juden und Christen Syrien's bittet. Einige Stellen, die den Zustand derselben betreffen, und namentlich Mehmed Ali's Toleranz erweisen sollen, hebe ich Ihnen heraus: „Als im Jahre 1832 die ägyptischen Truppen Palästina und Syrien überschwemmten, richtete ich einen ehrerbietigen Brief an Mehemet-Ali, die Juden und Christen im heiligen Lande betreffend. Seitdem habe ich mit großem Vergnügen das großmüthige Betragen seiner Hoheit bemerkt; und es ist gerecht, daß die Christen erfahren Alles was er gethan hat. Im Jahre 1833 zog er und sein hochbegabter Sohn, Ibrahim, sich den Haß der Bewohner von Damascus zu, indem er 30,000 Juden und eine gleiche Anzahl Christen aus dem sclavischen Zustande, in den sie lebten, befreiete. Nach dem Siege, welchen Ibrahim über den Groß-Vezier bei Conia davontrug, als Sheriff Bey, der egyptische Statthalter von Damascus, diese Stadt verließ, bestimmte er die vorzüglichen Kaufleute, Juden, Christen, Armenier und Mühamedaner, um mit dem General der Truppen die Stadt gemeinschaftlich zu regieren. In einem Briefe von einem der brittischen Consuln der syrischen Küste, den ich 1836 erhielt, heißt es: es wird Ihnen lieb sein zu hören, daß gegenwärtig die jüdischen und christlichen Bewohner Syriens unter der Regierung des Vice-Königs sich eines Grades der Toleranz erfreuen, der in dieser Hinsicht.wenig zu wünschen übrig läßt. In der That sind seine jüdischen und christlichen Unterthanen im Allgemeinen mit der muhamedanischen Bevölkerung aus einen gleichen Fuß gestellt, sowol in bürgerlichen als kirchlichen Rechten. Mein intimer Freund, Mr. Waghorn, hat mir, mündlich und schriftlich, eine ähnliche Versicherung gegeben, und mein gelehrter Freund l)r. Löwe, erfuhr die größte Güte von Mehemet Ali während seiner langen Reise durch Egypten. Dr. Wilde sagt, der Vicekönig hat eine Toleranz der religiösen Meinungen hervorgebracht, welche sonst in mohamedanischen Staaten fremd ist, und selbst dem armen, elenden, jüdischen Volke Schutz gewähret. Syrien, sagt er, befindet sich in so ruhigem Zustande, daß eine weit größere Anzahl Israeliten nach Jerusalem wandern, als je seit dem Tage seiner Zerstörung. Die Mittheilung, welche Herr de Lamartine von der gefährlichen Lage macht, in welcher 30,000 Juden und eben so viel Christen in Damascus sich befinden, ist sehr betrübend; aber ich hoffe, daß die Zeit kommen wird, daß Consuln der christlichen Höfe in diese Stadt zugelassen werden; wo sie dann wirken können für die Entdeckung der Schuldigen und den Schutz der Unschuldigen." England. London, 27. Juni. O'Connell hat sich in einer der Sitzungen des Konvents, der jetzt hier versammelt ist, um über die Ausrottung der Sklaverei und des Sklavenhandels zu berathschlagen, unter Anderem auch mit Abscheu über die Vorfälle in Damaskus ausgesprochen, wo, wie er sagte, Borurtheil in Verbindung mit Geldsucht zur Erfindung von Anklagen geführt, von denen er kaum glauben könne, daß sie hier und da auch nur den geringsten Zweifel über ihren Ursprung erregt haben sollten. Er ver