Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1840)
- Date
- 1840-07-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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iv. Jahrgang. Allgemeine N». 29* Zeitung -es Judenthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Znteresse. Redakteur: Verlag von «r. Ludwig Philippfon, Baumgärtners Buchhandlung israelitischer Prediger in Magdeburg. u £eip$ig> (Mit Königs. Sächsischer allergnadigster Concession) Leipzig, den 18. Juli 1840. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart rncl. des Titels, Registers u. s. rv» umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 12 Gr. für sechs Monate — JS Gr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitüngsexpedjtionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Sachs. wohllöbl. Zeitung^-Expedition allhier unterzogen. Zeitungsnachrichten. Syrien. London, den 23. Juni. In der Unterhaus- Sitzung vom 22. Juni brachte Sir Robert Peel, die Anwesenheit des Lord Palmerston wahrnehmend, die vielbesprochene, schmählige Judenvers lgung in Da- >. >skus wieder zur Sprache, deren, a' schon Freitag Erwähnung gethan. Er sei, sagte er, von Personen, die der größten Achtung genessen und dem jüdischen Glauben angehörten, zum Reden aufgefordert worden, und diese hätten dem Unterhause das Compliment gemacht, daß es wol nur der Erwähnung dieser Sache bedürft, um die Erreichung des großen Zweckes der Gerechtigkeit und Menschlichkeit zu erleichtern. (Hört! Hört!) Die Umstände in der Kürze seien diese: Der Pater Thomas, ein Sardinier und katholischer Priester, dem Orden der Kapuziner angchörend, der seit 1807 in Damaskus gelebt habe, sei gegen das Ende Februars dieses Jahres nebst seinem Diener vermißt worden, und es sei allerdings Ursache zu dem Verdacht vorhanden, daß sie gewaltsam um's Leben gebracht seien. Bald nachher wurden die Juden erwähnter Stadt angeklagt, diesen Mord verübt zu haben, um sich des Blutes zur Bereitung des ungesäuerten Brodes beim Osterfest zu bedienen. Ein Jude, seines Gewerbes ein Barbier und ungefähr 20 Jahr alt, ward gefangen genommen . weil der Pater Thomas zuletzt vor seinem Hause > gesehen worden sein soll, wo derselbe einen Anschlag i an der Mauer befestigt habe. Zwei Lage lang wurde i der Angeklagte aufs Grausamste gemartert, doch standhaft behauptete er, daß er von dem verübten Morde I durchaus nichts wisse, bis er, unfähig die Folter län-! ger zu ertragen, aufs äußerste gebracht und dem j Tode nahe, sieben der reichsten Juden von Damas- I kus der That beschuldigte. Diese sieben, die nach seiner (Sir R. Peel's) Meinung unter die angesehensten und geachtetsten Einwohner von Damaskus gezählt würden, seien sofort ihrer Freiheit beraubt und Qualen unterworfen worden, durch deren Beschreibung er das Gefühl der Mitglieder des Hauses nicht empören wolle. Zwei von ihnen seien, wie er glaube, diesen Martern unterlegen, deren natürliche Folge es war, daß einige der Unglücklichen, nachdem sie Tag auf Tag und Stunde auf Stunde der schrecklichsten Tohespem ausgesetzt worden, gestanden, an dem Morde Theil genommen und das Blut des Paters zu dem oben erwähnten Zwecke verwandt zu haben. — Eine große Anzahl anderer Juden wurde darauf gleichfalls in Verwahrsam gebracht, und da die ägyptischen Behörden die Anklage unterstützten und selbst christliche Bevollmächtigte, wie ich zu meinem Leidwesen bekennen muß, sich in die Sache mischten, so war es nicht zu verwundern, daß der Haß der Bevölkerung von Damaskus und der Umgegend sich gegen die Juden richtete, deren' ganze Gemeinde mit dem Tode bedroht ist, bis ein kräftiges Mittel ergrif-