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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-06-27 · Heft 26 (27.6.1840) · p. Seite 374

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 26 (27.6.1840)
Date
1840-06-27
Page
Seite 374 (sequence 6)
Language
German
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574 der Gcmüther sich gewaltig bemächtiget hat, wo alle die Angesehenen und Auserlesenen, die da an die Spitz: sich zu stellen und das Gute und wahrhaft Nützliche zu üben und zu fördern berufen sind, aber in den starren Mantel des Egoismus gehüllt, alles bessern Gefühls theils unfähig, theils sich dessen schlau enthebend, dem gewaltigen Rufe des fortschreitenden Zeitgeistes, der in allen Landen und in allen Herzen starken Anklang und mächtigen Wiederhall findet, ihr Ohr verschließen, und ihre von Armuth und Elend und Unglauben gleich gedrückten Brüder gerne zur mittelalterlichen Zeit zurückführen möchten, in der der jüdische Clerus die Geißel handhabend, das Anathema über jeden aussprach, der dem Lichte der Vernunft nur von ferne folgte; in einer solchen Gemeinde ist es wahrlich ein großes Problem, daS Unkraut des Aberglaubens zu jäten und die Saat des Guten zu befördern. Und doch haben diese Männer sich nicht unbesonnen dem Fanatismus, der in vielen und an irdischen Gütern sehr reichen Familien eine Stätte gefunden, trotzig entgegengestellt, sondern vielmehr klug und mit Vorsicht, besonnen, ernst und unermüdlich den Sturm des Mißbrauches beschworen, um die leicht entzündlichen Gemüther auf die Redlichkeit ihres Strebens hinzuweiscn, um dann mit vollem Vertrauen der Gemeinde ausgerüstet, die geblendeten Geister an das erquickende und beseligende Licht der Bildung und Aufklärung zu gewöhnen. Sie haben das schon Bestandene unter ihrer Leitung nach Kräften mit Aufopferung des Eigenen noch besser bedacht. So z. B. das israel. Spital allda erreichte sonst früher die höchste Ziffer der Einnahme 8000 fl. E. M., nun liegt uns der dießjährige gedruckte Ausweis vor, der die bei weitem größere Ziffer von I3,200fl. E.M. Einnahme zeigt, also einen Ueberschuß von 5000 fl. C. M., welches die jetzige mit Biedersinn und Rechtschaffenheit an's Werk gehende Spital-Verwaltung in den Stand setzte, das unentbehrliche Institut zu erweitern, und es fanden auch in diesem Jahre schon einige Hundert Leidende mehr Zuflucht darin. Eine andere Thatsache ist die Stellung des betreffenden Contingentes, die.sonst der Gemeinde durch die verzögerte Dauer in vieler Hinsicht sehr beschwerlich und lästig warf nun ist schon zweimal die alljährliche Stellung pünktlich in einer erstaunlich kurzen Zeit geschehen. Und dieses Alles verdanken wir dem thätigen und unermüdlichen Fleiße und Eifer des Hrn. Leib Sternklar, *) einem Manne, der für alles Gerechte und wahrhaft Gute mit jugendlichem Eifer erglüht, dem nicht nur eine durch langjährige Erfahrung gereiste Sachkenntniß, sondern auch ein unerschütterlicher und redlicher Wille zu Gebote stehen, womit er das Heil seiner Brüder so oft, und besonders zur Cholera-Zeit gefördert, welches auch von der betreffenden Behörde geziemend gewürdiget wurde. Herr Meier Rachmiel Mieses hat die Besorgung des Gemeindesieuerwesens übernommen, und mit welcher Rechtlichkeit und wohlerwogenem Rathe übt er seine Pflicht, daß keine Klage über ungleiche Repetition laut werde, welches auch von einem Manne zu erwarten war, der an echter Herzens-wie Geistesbildung, Humanität und Biedersinn gleich ausgezeichnet der höchsten Achtung in unserer Gemeinde schon lange sich zu erfreuen hat. Der helldenkende Hr. Fischel Dubs besorgt das Armenwescn und verschiedene kleinere Funktionen mit gewohntem rechtlichem Sinne. Hr. Osias Meier Goldbaum haben wir gar Manches zu verdanken, und besonders die Minjauim betreffend, welches wir nur stillschweigend hier leise andeuten, um dem fernem Wirken nicht ein Hindcrniß zu verursachen; ebenso dem in literarischer Beziehung ausgezeichneten Hrn. Meier Münz, der leider durch viele eigene Beschäftigung dem Gemcindewesen nicht noch mehr Muße schenken kann, und dem Hrn. Dawid Herz Sokal") Männer, die nach Kräften alle» zum Wohle der Gemeinde anwenden. Möge unsere weise und milde Regierung, der wir so vieles Gute und Edle schulden, uns auch ferner ihren Schutz und ihre Gnade angedeihen lassen, und diese Männer noch fürder an unserer Spitze be- *) Die Hrn. Vorsteher kheilten unter sich bei Uebernahme die Verwaltung der Gemeindegeschäfte, jeder hat sein Fach zu besorgen und bei der einmaligen wöchentlichen Sitzung wurde jedes Gesuch nach Stimmenmehrheit entschieden; und so ist Spitalwesen und Rekrutirung das Fach des Genannten. Eorresp. *’“) Es wäre großes Unrecht, wenn wir des Vaters dieses Vorstehers Hrn. Nathan Sokal nicht rühmlich hier erwähnen; er ist einer der sechs vom löbl. Kreisamte ernannten Spital- Ehcenkuratoren und mit gewohnter Humanität widmet er mit Eifer trotz seiner vielen Geschäfte und seines vorgerückten Alters einen großen Theil seiner Zeit diesem edlen Berufe. Corresp.

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