Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1840)
- Date
- 1840-05-30
- Page
- Seite 524 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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524 Prinzip, thcils aus Bequemlichkeit! Ich habe das „theils aus Prinzip" fast ganz nur der Aollstandigkeit wegen hierhcrgcstellt. Denn wenn die Thorbeit ein Prinzip hat, darf man es so nennen? Wenn mir nun diese Leute erst nachwiesen, daß sie irgendwo die Form entbehren und entbehren können, daß der menschliche Geist überhaupt der Form ermangeln könne, so lange das Denken selbst nur eine Form ist, daß das menschliche Herz die Anregung und Aufreizung von außen nicht erfordere, dann will ich zugeben, daß sie ein Prinzip haben. Eine Tugend ohne Gott — ist Instinkt, und Beide bedürfen zu ihrem Leben im Menschen einer äußern Existenz-, einer sichtlichen Darstellung, eines Fingers, der von der Erde zum Himmel weist. ES giebt allerdings etliche Geister, die sich in ein geistiges und religiöses Leben so vollständig cingespvnnen, und Minute auf Minute darin verleben, daß sie äußere Mittel nur als eine angenehme Divergenz in .Anwendung zu bringen nöthig hatten — aber wie viele kleine Geister, die auf ihrem irdischen Kram Stunde für Stunde verbringen, wollen sich zu jenen rechnen? Diejenigen aber, welche aus Bequemlichkeit die Form von sich halten — nun, diese beweisen wie nöthig, wie unentbehrlich die Form der Religion für sie wäre! Wir haben Prediger, die, anstatt die religiöse Form für ihre Zuhörer immermehr zu beleben, nachdem sie jene veredelt hätten, gegen dieselbe zu Felde ziehen. Wenn cs mit rechten Dingen zuginge, so müßten eigentlich diese eines schönen Morgens — vor leeren Bänken predigen. Denn da ihr Amt auch zur Form der Religion gehört, zur äußern Darstellung der Religion, so fallen sie mit dieser. Nun — es mag Manchem schon so gegangen sein! Daß die jüdischen Handwerkervcreine noch lange nicht ein eigentliches Ziel erreicht haben, daß es ihnen überhaupt noch am rechten Leben fehle, diese Bemerkung drängt sich wol Jedem auf. Sie leben nur so numerisch weiter, und auf Nummern reduzirt sich ihr Resultat. Woh.r daS komme? .Um Großes zu bewirken, bedarf es großartiger Mittel. Wo diese irgend vorhanden sind, müßten sie in Anwendung gebracht werden. Diese Handwerkervereine stehen so abgerissen, so ohne lebendiges Band mit dem wirklichen Leben, da. Da sie noch dazu bloß für Arme sind, gleichen die Handwerke an vielen Orten nur noch einem Hospitale für die Juden, wo die an Gütern.Schiffbrüchige hinkommen. Die Handwerkervereine müßten Industrieschulen, polytechnische Anstalten für Alle, für die ganze jüdische Jugend gründen, wo der Knabe vom Beginne an in das industrielle Leben eingeweiht, und es ihm eingeimpft wird, wo ihm ein tüchtiges Gewerke nicht als letzter Rettungsanker, wenn alle übrigen Mittel fehl schlugen, sondern als einzige Lebensaufgabe hingeben, wo er dazu und darin erzogen würde. Hamburg, Frankfurt am Main, Breslau, Prag könnten solche Industrieschulen sicherlich aufstellen. Ich habe heute diesen Gedanken nur als ein punctum salis hinstellen.wollen, ich werde mich bemühen, ihn zur Reise zu bringen, und den Theilnehmenden mit Händen greifbar, zu machen. (Werden fortgesetzt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. Sie zgerlagshandlung. In der Lehr- und Erziehungsanstalt des Unterzeichneten können einige Knaben als Pensionäre Aufnahme finden. Kassel in Kurhessen. Mailert. Druck von I. B. Hirschfeld.