Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1840)
- Date
- 1840-05-09
- Page
- Seite 266 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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266 hielten andere Israeliten, ehrbare Kaufleute und Fabrikanten, um ihre Aufnahme an, ihre Bitte ist Ihnen verweigert worden, eine Verweigerung, die sich nur durch den Glauben erklären läßt, den sie bekennen, nach dem Beispiel der vortrefflichen freien Stadt Frankfurt, welche nicht einmal einem Rothschild die Thüren ihres Kasino's öffnete. Was den hohen Grad von Sicherheit betrifft, welche die Israeliten im Elsaß« genießen, braucht man nur an die erneuerten Austritte aus dem Mittelalter zurückzudenken, welche in der Gemeinde von Berckheim, einige Jahre sogar nach der glorreichen Revolution von 1830 sich zutrugen. Wurden nicht die Israeliten dieser Ortschaft die Opfer eines schändlichen Angriffs? Wurden nicht ihre Papiere, ihre kostbarsten Gegenstände geplündert? ihre Wohnungen zerstört? ihr Wein in die Keller ausgegossen? Sind dieß nicht, wie Hr. Crömieux sich ausdrückt, Tätlichkeiten von 1539. Ganz gewiß, ist es nicht der Schutz des Gesetzes, der den Israeliten im Elsaße fehlt, seine heilsame Einwirkung beschirmt sie wie die übrigen Bürger; was aber der berühmte Advokat brandmarken wollte, dieß sind die stets lebendigen Anfeindungen und Vorurtheile, die noch gegen sie in diesem Theile Frankreichs bestehen, der an das intolerante Deutschland granzt. Wahr ist es, daß die Juden von Schiltigheim sich sehr wohlwollend gegen die Juden von Bischheim bewiesen haben, bei Gelegenheit der Erbauung ihrer Synagoge, doch ist auch bekannt, daß die Christen von Bischheim sich bei dieser Gelegenheit ganz entfernt gehalten haben. Es muß erinnert werden, daß bei einer Verlehnung von Gemeindegütern die Juden aus Bischheim gewaltsamerweise aus dem Saale verjagt und außer Stand gesetzt wurden zu steigern. Es wäre mir ein leichtes, die Liste dieser Beispiele zu vermehren, wenn ich nicht befürchtete, die Spalten Ihres Journals zu mißbrauchen. Ganz gewiß bildet Straßburg, so wie mehrere andere Gemeinden des Elsaßes, eine ehrenvolle Ausnahme. Die wohlwollenden Gesinnungen, welche ohne Unterschied der Religion ihre Einwohner mit einander verbinden, sind bekannt, und haben sich bei mehr als einer Gelegenheit zu erkennen gegeben. Jedoch darf nicht unberücksichtigt bleiben, daß Hr. Godschaux erst nach seiner Absetzung, und nachdem er bereits von der Stimmenmehrheit verworfen worden, Kapitän der Nationalgarde ernannt wurde; seine Erwählung war eher eine politische Demonstration, als eine Huldigung des Prinzips der Gleichheit der Eulten. Die Wohnungsentschädigung, die der Herr Großrabbine jedes Jahr auf das Budget der Stadt erhält, ist keine Begünstigung, wie Sie zu sagen belieben. Sie wissen gar wohl, Hr. Redakttur, daß dies eine von den Bewilligungen ist, die das Gesetz unter die obligatorischen Ausgaben rechnet, auch würde der Municipalrath dieselbe um so weniger verweigern, als er in seiner hohen Sorgfalt für alles was gut und nützlich ist, freiwillig die Gesellschaft der Aufmunterung der Arbeit und die israelitische Communalschule unterstützt. Warum sollten auch übrigens die Rabbinen die Wohnungsentschädigung nicht erhalten, da die Israeliten die der Pfarrer und Pastoren bezahlen helfen?" „Von allen Beschuldigungen aber, welche die Rede des Hrn. Crömieur Ihnen gegen die Israeliten einflößt, ist keine ungegründeter, als ihre vorgebliche Sorglosigkeit für den Unterricht und die Erziehung ihrer Kinder. Wenn Sie die Opfer kennten, die sie sich in dieser Hinsicht auserlegen, würden Sie es bedauern, eine solche Beschuldigung ausgesprochen zu haben. Jeder Israelit, der nur einigermaßen die Mittel dazu besitzt, beeilt sich, diese heilige Pflicht zu erfüllen. Sie würdigen allzu sehr die Vortheile, die der Unterricht und die Erziehung gewähren, als daß sie ihre Kinder von einer so großen Wohlthat berauben sollten. Man kann sich nicht leicht einen Begriff von ihren fortwährenden Bemühungen machen, um Moralität und Verbesserung zu verbreiten. Auch scheuen sie keine Opfer, wenn es sich darum handelt, die Achtung ihrer Mitbürger der übrigen Kulten zu erwerben, und sich immer mehr der Rechte würdig zu machen, die ihnen aus diesem edlen Boden Frankreichs, ihrem vielgeliebten Varerlande, gesichert werden. Wenn der Erfolg nicht immer ihren Eifer krönt, wenn, der Fortschritt zuweilen nur langsam in Erfüllung geht, so werde ich durch jene Worte des Hrn. Crömieur antworten: „Die Wiedergeburt der Juden schreibt sich erst von 2» Jahren her. Nun haben dieselben, meine Herren, in diesem kurzen Zeitraum wahre Wunder bewirkt..." „Ich wage es von Ihrer Gefälligkeit und Ihrer Unparcheilichkeit zu hoffen, daß Sie diesen verspätetrnBemerkungen einen Raum in der nächsten Num- > mrr Ihres schätzmswerthen Journals gönnen werden.