Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1840)
- Date
- 1840-04-25
- Page
- Seite 243 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225119-3225137--02667-3312160- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
243 gendwo, eine frische Regsamkeit gegenwärtig auf dem Gebiete unsres Glaubens und Lebens herrscht. Von äußeren Verhältnissen gar nicht, zu reden, von den Nachtheilen, die wir, emancipirt, bringen sollen, von der Unverbesserlichkeit, Unbildsamkeit, Zähigkeit, von der geringen Anhänglichkeit an Vaterland und Bürgerthum: sie sind alle aufgelöset, oder in der Auflösung begriffen, ja man sieht, die Fäulniß ist nur in allen diesen Ansichten, der Tod und die Unverbesserlichkeit in solchen stereotypen Anschuldigungen. Darum, Gleichgesinnte, gerade darum laßt uns den Ernst immerfort mehren, die Kraft concentriren, den Willen ermächtigen, und das Bewußtsein, was wir wollen und thun, immer mehr erhellen. So nur erst Freudigkeit an unserm Bestreben wieder in uns gekommen, werden die freudigen Resultate nimmer ausbleiben! Belletristik. Die Wanderung durch's Leben. Eine Zeit-Novelle. (Fortsetzung.) Die letzten Hasmonäer. (Zwischcnnooclle. Fortsetzung). Auch hier standen schwere Prüfungstage bevor und die sonderbare Verknüpfung der jetzigen Umstände verwirrte alle Neigungen ihres Herzens und zerriß ihr Jnnres. Aber bald fand sie sich wieder und behauptete in ihrem äußern Erscheinen jene Würde, die Alles in gebührender Entfernung von ihr hielt und die selbst für das Unglück Achtung gebot. Sie dankte dem Tetrarchen in herzlichen Worten für ihre Rettung, der im Taumel der Freude dies als Beweis ihrer Liebe annahm. Als er sich aber nach Phasael und Hyrkan erkundigte, als er den Tod seines Bruders und das Schicksal des Hohenpriesters vernahm, da stand er mit fürchterlichen, starren Blicken da, blasses Entsetzen verzerrte die Züge seines Gesichtes, die Brust kochte vor gewaltigem Schmerz, die Zimmer der Burg dröhnten vom Wehgeschrei, welches er über Antigonus und die Parther rief und mit schrecklichen Eiden gelobte er, den Willen des theuren Bruders zu erfüllen und seine Feinde den Tod dieses Mannes büßen zu lassen. Er ließ seine Treuen zusammenrufen und übergab ihnen die Seinen, er ermahnte sie, eingedenk zu sein der Wohlthaten, die sich ein jeder von ihm zu erfreuen hatte, eingedenk der ruhmvollen Thaten, zu denen er sie geführt, bis auf's Aeußerste sollten sie Mesada vertheidigen und eher sich unter den Trümmern der Feste begraben, als sich den Feinden ergeben. Bald würde er wieder unter ihnen sein und was bis jetzt im tiefen Schacht seines Gemüths verborgen lag, das sollte zu Tage kommen und die Elenden schrecken, die es gewagt, dem Herodes zu widerstehen. So, von weniger Mannschaft begleitet, zog er in der Stille der Nacht der Wüste zu und suchte den Araberfürsten in Petraa auf. Der wichtigste Gegner des Königs Antigonus war entfernt und Hoffnung vorhanden, von ihm nicht wieder beunruhigt zu werden. Nur Mesada blieb noch in der Gewalt seiner wenigen Anhänger, an deren Spitze Joseph, der Bruder des Tetrarchen, stand, mit dem festen Willen, das Schloß auf's äußerste zu vertheidigen und dem Herodes diesen Anhaltpunkt zu neuen Unternehmungen zu erhalten. Außerdem enthielten ja die Mauern Mesada's die dem Tetrarchen theuersten Personen, seine Mutter und Mariamne. Antigonus Macht wurde indeß von den Parthern immer mehr befestigt, und so verhaßt auch den Judaern diese Hülfe war, so mußte doch der Einsichtsvollere erkennen, daß ohne äußere Hülfe das kleine Land nicht vermögend wäre, seine Selbstständigkeit zu erhalten. Ja, der Gedanke des Königs, aus dem mit Parthien verbundenen Judäa eine wichtige Vormauer gegen die Macht und die Eingriffe der Römer zu bilden und so den Verhältnissen von Asien eine neue Gestaltung zu geben, war ‘ keinesweges bei der jetzigen Schwache der Römer in Asien zu phantastisch zu nennen und ohne politische Berechnung, nur daß ihm der höhere Wille der Nation und gerade der Parlhei, die ibn aus den Thron erhoben hatte, entgegen stand, die die längst verschwundene Aeit wieder herbeigeführt wünschten, wo Judäa, von seinen alten Gesetzen beglückt und von seiner eignen Kraft in geistiger Höhe gehalten, das Land einer heiligen Jsolirung war und die aus allen Propheten diese Zeit für ganz nahe lasen. — (Fortsetzung folgt.)