Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1840)
- Date
- 1840-04-18
- Page
- Seite 228 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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223 fett, bezahlt werden, da doch der dahin handelnde Jude anderswo nicht essen durste; — so sohlte kein Christ beim Juden, und kein Jude beim Christen in einem und demselben Hause wohnen. — Höchst traurig war die Lage der sehr großen Anzahl in ritterschastlichen, unmittelbaren freien Ortschaften und Schlössern sich befindenden Juden, die sich allein in dem einzigen Canton Röhn und Werra auf 1200 belief. Mehr auf eigenen Gewinn, als an Nachbarschaft und Menschheit denkende freie Reichsritter, trugen kein Bedenken, in ihre Ortschaften und einzelne freie Besitzungen, die sie in fremden Ortschaften hatten, so viele Juden aufzunehmen, als der Raum nur immer zuließ, wo sodann zahlreiche Familien so enge beisammen wohnten, daß es ein Wunder war, wenn nicht mehrere Krankheiten von solchen Hütten des Elendes ausbrachen, und weit herum Verwüstungen anrichteten. Der Gutsherr war zufrieden, wenn er Schutzgeld bekam, und überließ es seinen Schützlingen, wo und wie sie das Geld, welches sie ihm entrichten mußten, und was sie sonst noch für ihre eigene Familie bedurften, auftreiben mochten. Hierzu kam noch, daß viele einzelne Juden, und ganze jüdische Familien, ohne Heimath, ohne Vaterland, ohne Gewerbe von einem Orte zum andern herumirrten, der angesessenen Judenschaft als Bettler von Profession höchst lästig wurden, das Land mit Taugenichtsen bevölkerten, da sie Kinder zeugten, ohne sie zu etwas anderm erziehen zu können, als zu eben dieser herumstreistnden Lebensart. Alle diese materiellen Lasten und Beschwerden denke man sich mit der zum Theil daraus resultirenden geistigen Hindernisse, wie sie zum Theil schon aus dem Mangel an Erziehungs - und Bildungsanstalten hervorgehen mußten, verbunden, und man kann sich ziemlich genau ein Bild von der Lage der Juden in Franken im Anfang des Jahrhunderts machen. Interessant wäre es uns, wenn wir einen ausführlichen Bericht aus dortiger Gegend bekämen, welche der oben angeführten Lasten jetzt, nach 40 Jahren und unter der humanen baierischen Regierung, der Judenschaft entnommen sind und wie ihr jetziges Verhältniß in Bezug auf die oben angegebenen Data sich gestaltet. (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 ,Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. . 0, Dre Verlagshandlung. So eben ist bei mir 'erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Die Aufnahme Israels in den Bürgerverband. Gottesdienstlicher Bortrag zur Erinnerung an das Königl. Edikt vom II. März 1812, gehalten am Sabbathe Pekude, 2. Adar scheni 5600, den 7. Marz 1840 von vr. Abraham Geiger, zweitem Rabbiner in Breslau. Preis 4 Gr. Breslau, im Marz 1840. Buchhandlung von M. Friedländev. Bei L. Fernbach jun. jn Berlin ist so eben erschienen: Melo Chofnajim. Deutsch und Hebr. Biographie Josef Salomo bei Medigo's dessen Brief an Serach den Nathan, enthalt einen kurzen Leitfaden der hebräisch-jüdischen Literaturgeschichte, nach dem hier zum ersten Male herausgegebenen Originale übersetzt und durch Anmerkungen erweitert, nebst einzelnen Anmerkungen zu andern hebräischen hier zum ersten Male gedruckten Schriften, von Dr. Abr. Geiger. Preis 1 Thlr._ <£*sT Erklär»rrg. Obgleich ein Feind jeder Oeffentlichkeit sehe ich mich in Folge einer zu dem bereits mehreremals verbreiteten grundlosen Gerüchte von einer meinerseits stattgehabten Wirksamkeit bei der Opposition gegen die Anstellung des Rabbinen Herrn vr. Geiger hinzugekommenen Erdichtung, als wäre ich bei einer neuern Gelegenheit ebenfalls thatig gewesen, zu der öffentlichen Erklärung ein für allemal veranlaßt, daß meinerseits.bei diesen Veranlassungen weder „mittel" noch unmittelbar irgend eine Einmischung statt gefunden, und daß ich die Urheber solcher Verunglimpfungen auf dem geeigneten Wege zur Raison zu bringen wissen werde. Breslau, im Marz 1840. Saul. „Ein Lehrer, welcher deutsch, gemeinnützige Kenntnisse, alle Zweige des Hebräischen mit Einschluß des Talmuds gründlich zu unterrichten versteht, und auch im erforderlichen Falle als Schächter fungiren kann, sucht sogleich oder zu bevorstehendem Michaelis ein Unterkommen. Näheres hierüber theilt die Nedakt. dieser Zeitung mit, unter Chiffre L. B." Druck von Z. B. Hirfchfelk