Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1840)
- Date
- 1840-04-04
- Page
- Seite 200 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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200 bedürstigkeit sich am meisten für die wohlthätigen Zwecke der Anstalt eignen. — T. Waisen und Knaben aus kleinen Orten, denen es an Bildungsanstalten fehlt, zumal aus der. Nähe des Instituts, werden vorzugsweise beachtet. Uebrigens giebt bei gleicher Befähigung die Anciennrtat der Anmeldung und das für die Jugendbildung zweckmäßigste Lebensalter des Aspiranten den Vorrang.— TI. Da die Anzahl der Freizöglinge nothwendig eine beschränkte ist und die Aufgenommenen in der Regel nicht vor dem Uebergange zur Berufsbildung entlassen werden: so ist es unmöglich allen oder auch nur den meisten Gesuchen um Aufnahme in das Institut, selbst wenn allen Bedingungen genügt wird, folge zu geben, und wird deshalb durch die Einzeichnung in die Exspectanten-Liste und durch die überstandene Prüfung um so weniger eine sichere Anwartschaft oder ein Recht auf die Zulassung erworben, da bei der Menge der Aspiranten nothwendig eine Anzahl derselben erst dann an die Reihe kommen wird, wann sie das für die Erziehungsanstalt sich eignende Alter bereits überschritten haben. Man halt es für nothwendig hierauf aufmerksam zu machen, um keine unbegründete Hoffnung zu veranlassen. — T1I. Die eintretende Zöglinge müssen mit Kleidung und Wasche anständig versehen sein, worüber das Nähere bei der Einberufung mirgetheilt wird, während ihres Aufenthalts in dem Institute werden dieselben jedoch mit Allem Erforderlichen versorgt. — Nun wollen Sie auch etwas'über die Einrichtung unseres Gottesdienstes wissen. Mit der Reorganisation der Schule sollte eine würdige Gestaltung des Cultus verbunden werden, denn die frühern bei diesem hier angebrachten Verbesserungen hatten allmälig wieder dem gewöhnlichen Schlendrian Platz gemacht. Alles kam nun darauf an, von bestimmten' Principien auszugehen. Obgleich der Tempel ganz als Seitenstück zu der Erziehanstatt gegründet war, um Erziehung und religiöse Cultur in Einklang zu bringen, obgleich das Gotteshaus ganz aus den Mitteln des Instituts ^erhalten wird, so sollte doch die kleine Gemeinde möglichst geschont werden, ohne dabei anderseits der Zugend die Hauptrücksicht zu ent-, ziehen. Aber eben diese Jugend soll ja für die Welt, für das praktische Leben gebildet werden, um so weniger durfte man sich erlauben, Willkürlichkeiten einzuführen oder von dem üblichen Ritus ohne Noch auszuweichen; denn die Zöglinge dürfen nicht bei dem Uebergange zu ihren bürgerlichen Berufsarten in andern Gotteshäusern als Fremdlinge dastehen. Wohl aber sollen sie den Sinn für das Bessere durch eigene Anschauung und Hebung mit sich nehmen. An eine Einführung des Hamburger Ritus, an ein Abgehen von den allgemeinen Gebetbüchern war demnach aus diesen und andern Gründen nicht zu denken. Vielmehr wurde meist an diejenigen Einrichtungen, über die man sich mehr verständigt hat und die theilweise schon bei großem achtbaren Gemeinden Eingang gefunden haben, gehalten. Daneben stand das fest, daß ein zunächst für die Jugend berechneter Gottesdienst nicht übermäßig lang sein darf, daher mußten die Nebengebete und späteren Einschiebsel um so mehr weichen, da nur dadurch Zeit gewonnen werden konnte, die Haupttheile der herkömmlichen Liturgie würdig vorzutragen. Ferner war die regelmäßige Hinzufügung eines deutschen Gebets und Chorals meist am Schluffe eines jeden Gottesdienstes hier Bedingung. Zum Predigen hat sich der Herr Dr. Wohlwill nur für die eigentlichen Feste, (wozu hier noch die Gedachtnißfeier unseres Stifters und das städtische Brandfest kommen,) verstanden. Die Wiedereinführung der hier schon früher üblich gewesenen sogenannten Portugiesischen Aussprache hielt derselbe aus vielen Gründen für rathsam, besonders weil dadurch die Benutzung vieler Hamburger Tempel-Melodien erleichtert, und die Harmonie mit dem grammatischen Unterricht im Hebräischen hergestellt wurde. Ein dritter Grund, der auch wot anderswo Beachtung verdient, war, daß die Gemeinde bei dieser ungewohnten Aussprache sich leichter des vorlauten Mitschreiers enthalt, und für's Erste den Chor gewähren läßt. Die Geschicklichkeit unseres Gemeindelehrers, des Herrn Goldberg, erleichterte sehr die neuen Einrichtungen, wie das musikalische Talent und der rühmliche Eifer des Herrn Rosenstein und der jüngern Gemeindeglieder, die den Schullehrer unterstützten. — So glaub" ich denn, daß unsere Gottesverehrung jetzt allen billigen Ansprüchen genügt, die man an die Stelle zu machen berechtigt ist, von der der erste Impuls zu vielen befferen Bestrebungen ausgegangen ist. Mit dem bevorstehenden Peßach werden wir den ersten Jahrescyklus durchgemacht haben. Auf Pfingsten ist die jährliche Consirmation angesetzt, für die diesmal 8 Knaben und 3 Mädchen vorbereitet wurden. —_ Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. Die Verlagshandlung. Durch alle Buchhandlungen Deutschlands ist zu beziehen, in Liffa auch durch Hausen, in Krotoschin durch Monasch, in Schrimm durch Reisner und in Wöllstein durch Alexander: Vollständigstes Gebetbuch der Israeliten sür das ganze Jahr. Ins Deutsche überseht und mit einigen Anmerkungen versehen von H. Arnheim. Preis 20 Gr. (25 Sgr.) Der Verleger macht auf diese neue und schöne Ausgabe wiederholt aufmerksam, die mit der größten Theilnähme überall, sowol wegen ihrer vielfachen 'Vorzüge, als ihres billigen Preisesausgenommen worden. Glogau 1839. H. Prausnitz. Druck von I. B. Hirschfeld.