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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-03-28 · Heft 13 (28.3.1840) · p. Seite 181

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 13 (28.3.1840)
Date
1840-03-28
Page
Seite 181 (sequence 9)
Language
German
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181 gen näher vertraut machen mögen. Offenbar haben die Sefardim so viel Eigenthümliches, daß sie sich von ihren deutschen Brüdern wesentlich unterscheiden. Auch der Verfasser des „Spinoza" scheint hierin einen Mißgriff gethan zu haben, daß er bei Schilderung sesardischer Sitten und Anschauungsweisen deutsche Juden zu copiren gestrebt hat, was hier durch fpecielle Beispiele nicht nachgewiesen werden kann. Schon die Betrachtung der rabbinischen Literatur der letzten Jahrhundert zeigt, daß die deutschen Juden den sefardischen an Intelligenz und Dialektik bei weitem überlegen sind. Es zeigt sich nemlich bei Ersteren auch auf diesem Gebiete Fortschritt und Entwikkelung, welche in Jonathan Eibeschützer ihren Culminationspunkt haben, während sich bei den Sefardim nur Wenige über die gewöhnliche Flachheit erheben. In neuerer Zeit führte die allerdings löblich« Verwerfung des Pilpulwesens zur Verkennung und Geringschätzung jenes dialektischen Fortschrittes auf rabbinischem Gebiete; aber kein Unbefangener wird verkennen, daß die Art und Weise, wie der Talmud in den altern rabbinischen Kollegien betrieben wurde, der Geist mächtig geweckt und angeregt, und also zur neuern Gestaltung der Dinge mitgewirkt habe. Manchem unserer modernen Schriftsteller würde die moderne „literär - historische" Wortklauberei in ihrem wahren Werthe erscheinen, wenn er etwas Pilpul getrieben hätte. Betrachten wir nur die Reihe noch lebender jüdischer Gelehrter, welche aus der Talmudschule hervorgegangen, so überzeugen wir uns leicht, daß es mit der „Talmud-Tretmühle" gar nicht so arg sei, wie manche Leute glauben, denen der Talmud freilich ganz fremd ist. Die Weise, wie die Sefardim diesen betrieben, war ohne Zweifel Mitursache ihrer Stagnation. Anverer Seits zeichnen sich diese durch einen frömmer» Sinn, durch größere Ordnungsliebe beim Gottesdienste von den deutschen vortheilhaft aus. Dies tritt namentlich bei den häuslichen Andachtsübungen hervor, an welchen, wie ich mich selbst zu überzeugen Gelegenheit hatte, das weibliche Geschlecht mit einer gewissen Innigkeit Theil nimmt, die an die patriarchalische Zeit erinnert. Es wäre mir, bemerke ich nur noch schließlich, sehr angenehm, wenn diese Zeilen eine umständliche und treue Zeichnung der sefardischen Sitten und Zustände veranlassen würden. Preßburg, 1. März. (Privatmitth.) Die Petition der Israeliten ist bereits gedruckt den Mitgliedern der Stände - und Magnatentafel vertheilt worden. Es wird darin nicht, wie ursprünglich beabsichtigt war, um das Staatsbürgerrecht, sondern um das Heimathsrecht — honfiusag jogai — gebeten. Noch läßt sich nicht vorherbestimmen, ob die Judensrage während dieses Reichstages nochmals zur Sprache kommt. Kommt sie aber zur Sprache, so läßt sich der gerechte und gute Erfolg mit ziemlicher Gewißheit vorher verkünden. So viel ist gewiß, daß sich die verständigen und humanen magyarischen Gesetzgeber von dem verschrobenen und hyperklugen Raisonnement mancher deutschen Correspondenten in der Augsb. allg. Zeitung nicht irre machen lassen. Und dies um so weniger, da diese Correspondenten ihre Unkenntniß der vorwaltenden Verhältnisse und Umstände oft genug an den Tag legen. Wir Eingebornen müssen oft über die Zuversicht staunen, mit welcher Leute über ungarische Zustände absprechen, sobald sie nur eine äußerst oberflächliche Kenntniß der Dinge erlangt haben, wie dies neulich ein vielgereister Corr. eines vielgelesenen deutschen Journals gethan. Hier ist der Ort nicht, diese Bemerkung weiter zu verfolgen; aber unbemerkt kann ich nicht lassen, daß es sich bei uns durchaus nicht um commercielle Erweiterung handle, wie ein märkischer Correspondent in der Augs. allg. Zeitung vielleicht a priori construirte, sondern daß die Juden einzig und allein aus dem schmählichen Zustande der Duldung in die Reihe der berechtigten Söhne des Vaterlandes treten wollen, dessen Lasten sie tragen, dessen Industrie sie heben, das sie mit vertheidigen, wofür sie leben, und — wofür sie auch zu sterben wissen. Daß die Stimmung des Adels im Allgemeinen den Juden günstiger sei, als die des Bürgers, kann allerdings nicht in Abrede gestellt werden; aber die Ursache dieser Erscheinung ist nicht weit zu suchen. Der Adel hat sich seit einer Reihe von Jahren durch mannigfaltige Bildungsmittel, durch zeitgemäßen Unterricht, durch Umgang, Lectüre und Reisen zu einer höhern Weltanschauung erhoben, während dem Bürger, — viele ehrenvolle Ausnahmen giebt es auch in diesem Stande, — noch viele mittelalterliche Vorurtheile ankleben. Nicht selten trägt auch der Brodneid das Seinige bei, diese Vorurtheile bleibender, hartnäckiger, unüberwindlicher zu machen. Indessen hat der m Ungarn vorherrschende 13°

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