Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-03-14 · Heft 11 (14.3.1840) · p. Seite 146

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 11 (14.3.1840)
Date
1840-03-14
Page
Seite 146 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3225119-3225131--02564-3312051
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

146 Zukunft hierauf mehr Aufmerksamkeit verwenden mögen. Das Einzige, das Res. dem aufrichtigen und gerechten Lobe des geehrten Lehrers und der Anerkennung seiner ausgezeichneten Lehrmethode beifügen. zu müssen glaubt, ist die Bemerkung, daß der Gegensatz des Judcnthums zum alten Heidenthume auf eine, für unsere Zeit nicht ganz paffende Weise hervorgehoben und urgirt worden sei. Auch dürfte die ' Eintheilung, welcher zu Folge die Tora entweder a) Geschichte, oder Ir) Religionslehren, oder c) Gesetzgebung enthält, nicht ganz erschöpfend sein; denn die Weissagungen und Prophezeihungen, 5 M. 30, dann Cap. 32, sind integrirende Theile der Tora, welche die Fortdauer Jsrael's bis in die späteste Zukunft garantiren, eine göttliche Garantie, die unserer Jugend mit aller Kraft dargestellt und eingeprägt 'werden sollte. — Am 21. und 23 sind die Prüfungen der Privatschüler, welche gleichmäßig mach dem für die Schule geltenden Plane unterrichtet werden müssen. Sie sehen, welche Zweckmäßigkeit und Ordnung im Religionsunterrichte bei uns herrscht, und die Verdienste Mannheimer's um dessen Regulirung werden allgemein anerkannt. Unsere Religionsschule, deren Trefflichkeit wir gerne anerkennen, läßt indessen noch Manches zu wünschen übrig. Zunächst wäre zu wünschen, daß auch für die weibliche Jugend ein öffentlicher Cursus der Religionslehre eingerichtet werde. Gegenwärtig ist der Religionsunterricht der Mädchen Privatlehrern überlassen; die ärmere Klasse, welche nicht im Stande ist, tüchtige Privatlehrer zu halten, fährt hiebei am schlechtesten. Die Wichtigkeit der religiösen Bildung bei der weiblichen Jugend ist in neuerer Zeit oft besprochen worden,") und in der That kann deren Wichtigkeit in unseren Tagen nicht genug gewürdigt werden; gleichwol ist es nicht zu läugnen, daß bei aller Sorgfalt, mit welcher Mädchen jetzt erzogen, und in so vielen Dingen unterrichtet werden, so daß das pas trop gouverner, welches auch in der Erziehung gilt, oft *) Es ist auch hier, wie öfters anderswo, nach rabbinischcn Autoritären gehascht worden, und man hat den Ausspruch, ns ma'vb tix a^n p 'in ■jxaa N^iiri wa Sota 20, a. angeführt. (Vrgl. Johlson in der Vorr. zum *x). Liest man aber jenen Ausspruch im Zusammenhänge, so überzeugt man sich leicht, daß derselbe gar keine pädagogische Tendenz habe. ganz unbeachtet bleibt, der religiösen Bildung derselben noch immer nicht die ihr gebührende Aufmerksamkeit zu Theil geworden sei. Die Wiener Gemeinde, in welcher so viel Schönes und Gottgefälliges gediehen, und aus welcher Res. auch im Laufe des vorigen Jahres so viel Rühmenswerthes zu berichten hatte, wird gewiß das Ihrige thun, um die, dem so eben ausgesprochenen Wunsche entgegeNstehenden Hindernisse zu beseitigen. Nicht minder wünschenswerth wäre es, wenn die Religionsschule Einzelnen Gelegenheit geben könnte, sich umfassendere Kenntnisse im Gebiete jüdischer Wissenschaft und Literatur zu erwerben. Unter einigen Hundert Studirenden würden sich wol immer Einige finden, die mit Geschichte und Literatur ihres Volkes näher bekannt zu werden wünschten. Bei Manchem dürfte schon die Gelegenheit das Interesse für die Sache erregen. Preß bürg, 18. Febr. (Privatmitth.) In Baja gaben die Vorsteher der daselbst seit drei Jahren bestehenden, israelitischen Elementarschule zum Vortheile dieser Anstalt am 28. v. M. einen Ball. Die hohen Herrschaften und die Bürgerschaft daselbst unterstützten die Unternehmer zum Theil mit ihren Beiträgen, zum Theil wohnten sie dem Balle persönlich bei. Die hiesige Zeitung, welche ihre judensreundliche Gesinnung bei mehren Gelegenheiten kund gegeben, schließt die Nachricht von diesem Balle mit dem Wunsche, daß die humane, von allen Schlakken des Vorurtheils gereinigte Gesinnung sich immer mehr verbreiten möge. — Dem Vernehmen nacb ist eine der größten königlichen Freistädte so eben im Begriff, einen Act der Gerechtigkeit gegen die Juden auszuüben. Von Debreczin nämlich waren die Juden von den frühesten ausgeschlossen; ja sie durften und dürfen daselbst nicht einmal übernachten. Die, den Debrecziner Markt beziehenden Kausleute sahen sich also genöthigt, vor der Stadt, auf dem Territorium einer andern Grundobrigkeit, Gewölbe und Magazine anzulegen. Die Bürger bedachten damals nicht, welcher Vortheil ihnen die Zulassung der Juden gewährte; da ihre Häuser durch die Vermiethung der Magazine und Wohnungen um die Hälfte ihres Werthes gestiegen wären. In neuester Zeit wurden sie jedoch hierüber aufgeklärt; das Beispiel der wohlhabenden und blühenden Stadt Pest mag hiezu nicht wenig beigetragen haben. Sie sol-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.