Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1840)
- Date
- 1840-03-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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IV. Jahrgang. Allgemeine N». 11 Zeitung des Zudenthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redacteur: Verlag von Dr. Ludwig Philippfon, Baumgärtners Buchhandlung israelitischer Prediger in Magdeburg. 8$ipjfo. (flit Königl. Sächsischer allergnadigster Concessi'on) Leipzig, den 14. März 1840. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungserpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sachs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Zeitungsnachrichten. Frankreich. Metz, 26. Febr. (Privatmitth.) Der jüngste Tfarphati'sche Brief, der zwanzigste an der Zahl, ist der Gegenwart abgewandt; er beschäftigt sich mit der Institution der Priester im Leben deS israelitischen Volkes. Da Sie gern jede originelle Idee Ihren Lesern mittheilen, so mag eine kurze Skizze von der Tsarphati'schen Ansicht hier Platz finden. Nachdem, Ts. dargestellt, wie Moses, als der weiseste Gesetzgeber des Alterthums, das Gesetz für das israelitische Volk auf eine unumstößliche Fundamental- Wahrheit gestützt, auf die Lehre vom einigen Gotte, findet er in den Opfer-ff. Gesetzen eine Akkomodation an die damaligen Begriffe, und beruft sich dabei auf Maimuni, (wobei er nebenbei die Konsistorien auffordert, die neue Ausgabe des M. Neb. von Munk zu unterstützen.) Nun habe Moses, nach dem Vorbilde Egyptens, die Pricsterkaste eingerichtet, und sie in Cohanim und Levijim getrennt, zugleich sie auf's beste durch die Zehenten ff. versorgt. Auch hatte diese Kaste den größten moralischen Einfluß erlangt, der durch das Orakel der Urim vetumim erhöht wurde. So sehr aber der Lehre Gottes hierdurch eine Grundlage und Stütze geschaffen wurde, so ging doch daraus ein Strom von Neid, Haß, Herrschsucht .und allen staatenzerreißenden Leidenschaften hervor, die sich schon in Korach's Aufstand bewährten. Aber mit Korach starben die priesterfeindlichen Ideen nicht aus, und die ganze israelitische Geschichte zeugt von dem Widerstreben des Volkes. Neben dieser Kaste entstand nun durch und seit Samuel der Stand der Seher und Propheten. Diese glichen den Volkstribunen der Römer, nur daß diese gewählt wurden, jene aber nur durch Tugend, Talent und Beredtsamkeit sich zu Propheten bildeten. Die Propheten wahrten die Rechte des Volks gegen die Priester, nur zwei von ihnen gehörten dem Priestergeschlechte an, Jeremija und Ezechiel. Ihre Lehre entfernt von der Lehre der Priester, und stützt sich aus den Grundsatz, daß nicht im äußerlichen Gottesdienste die wahrhafte Religiosität enthalten sei. Den weitern Verlauf der geschichtlichen Erscheinungen zu besprechen, verheißt Ts. in einem folgenden Briefe. Er fügt noch einige Sarkasmen gegen den von ihm früher so hoch gestellten Cahen hinzu, die Sie Ihren Lesern gern erlaffen werden. —. 27. Febr. Indem ich diesen Brief auf die Post legen will, erhalte ich eine neue Nummer des Oourr. de la Mosellc, die einen neuen Brief Tsarphati's enthält, und ich referire sofort darüber« Der Hauptgegenstand ist abermals die Vertheidigung seiner Bitterkeit im Ausdrucke, die Schmähung auf die heutigen Pharisäer, wobei er eine Anekdote von Mendelssohn erzählt, die ihn wieder die hiesigen Beerdigungsgesellschaften mit ihren Mißbräuchen zu zeich-