Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 9 (29.2.1840)
- Date
- 1840-02-28
- Page
- Seite 125 (sequence 9)
- Language
- German
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125 deren Patriotismus doch ganz Feuer, deren Liberalismus ganz Gluth ist, wo die beiden christlichen Kulte ihren Gottesdienst in denselben Tempeln feiern, der israelitische Kultus so zu sagen, nur geduldet ist. In Ihren Geistern, meine Herren, leben noch die traurigen Vorurtheile, deren selbst das Genie Napoleon's sich nicht entschlagen konnte: die Juden von 1839 sind für Sie noch die Juden von 1539. Man berücksichtigt keine Anstrengung unsrerseits." — „Wohlan, meine Herren, diese eingewurzelten Vorurtheile, ich will sie bekämpfen; Ihre feste Ansicht, ich will sie zerstören. Ich habe mit Absicht ein Tribunal erster Instanz, das in letzter entscheidet sjuAeaot en dernier ressort), gewählt, damit ich einen Akt der Freisinnigkeit reklamiren kann, der keiner Controls unterworfen werde, damit die größte Freiheit in der Entscheidung vorwalte; ich reklamire ihn in einer Oertlichkeit, wo die Bevölkerung, weil sie in einem engern Kreise lebt, sich schwerer von den Ideen befreit, in denen sie ausgewachsen." — „Ihre Gerichtsbarkeit, meine Herren, wird sich als die erste in diesen Departements aussprechen, ich hoffe es; und diese Hoffnung werden Alle wohl verstehen, Alle, die mich hier hören, denn ich werde die Sprache der Moral, der Religion, des Gesetzes sprechen; ich werde mich an Ihr Gewissen als Menschen, Christen und Gerichtsbehörden wenden. In diesem für Sie neuen Kampfe werde ich vor keinem Einwurfe zurückschrecken, ich werde solche selbst aufsuchen. Es ist in der That, Sie verstehen mich, nicht ein elender Sieg um eine Privatsache, es ist der Sieg um ein Prinzip, den ich erstrebe. Und in diesem Bezüge, meine Herren, lassen Sie es mich sagen, wird Ihre konstante Gerichtsordnung, den Juden einen besondern Eid aufzulegen, in meinen Augen kein reelles Hinderniß sein. Im Jahre 1827, als ich vor dem königl. Gerichtshöfe zu Nimes zum ersten Male die Frage erhob, die ich heute besprechen werde, war die Gerichtsordnung der königl. Gerichtshöfe dieselbe, wie die Ihrige. Wie konnte sie auch anders sein? Man forderte den Eid more judaico, der israelitische Bürger, von dem man ihn verlangte, setzte sich nicht dagegen, der Eid more judaico erhielt sich daher durch die stillschweigende Zustimmung der französischen Juden. Aber am Tage der Diskussion änderte sich Alles; vor den beiden großen Prinzipien, der Grundlage unsres Staates, Gleichheit vor dem Gesetze, Freiheit der Kulte," verschwanden wie eitele Phantome, die Gründe, welche sich auf alte Vorurtheile, auf religiöse Unterscheidungen gründeten. Warum sollten Sie nicht auch bis heute den Eid moro judaico gefordert haben? Die Juden selbst verlangten ihn unter sich von Ihnen! Aber jetzt schließt ein junger Rabbine die Pforte der Synagoge, und verweigert seine Anwesenheit einem tempelschänderischen Akte: zum ersten Male entspinnt sich die Diskussion, sie wird sich Bahn brechen durch alle Finsterniß." „Was mich anbetrifft, meine Herren, der cs sich zur Mission gemacht, den absurden Eid more judaico bis in den letzten Winkel zu verfolgen, ich verlange von den Behörden nur die wohlwollende Aufmerksamkeit, welche die Ermunterung und Belohnung unsrer Anstrengungen, unsres Eifers ist. Am Ende der Bahn, die ich durchschreiten will, sehen Sieden glänzendsten Preis: Emancipation der Israeliten des Elsaß! Diese Worte sind verzeichnet in dem Urtheile, welches ich erstrebe. Sie begreifen leicht, meine Herren, welche Kraft und welchen Muth mir ein so edler Zweck reichen muß!" Nach diesem Eingang, welchen das Auditorium mit Beifallmurmeln ausgenommen, ging Herr Cr. auf die Untersuchung der Rechtsfragen in dieser Sache ein. Nachdem er daran erinnert, wie sehr die Heiligkeit des Schwures bei den Hebräern tief und aufrichtig ist, nachdem er erwiesen, daß der Eid mors judaico eine Entheiligung für die Bekenner des mosaischen Eides ist, ruft er aus: „Ich vernehme einen Einwurf, der unseren Gegnern sehr bedeutend scheint. Eine Entheiligung, sagt man; aber es sind nun mehr als drei Jahrhunderte, daß die Juden sie begehen, und noch jetzt schieben sie sich vor den Gerichtshöfen diesen durch ihr Gesetz untersagten Eid zu!" „Was ist da zu sagen? Aber, was waren denn die Juden in Eurer Mitte in den drei Jahrhunderten, welche 1789 vorangingen? Sie hatten bereits zehn Jahrhunderte schrecklicher Verfolgung erlitten. Alle christlichen Völker, belebt von dem blindesten Hasse gegen sie, behandelten sie mit der bittersten Verachtung, mit der rohesten Gewaltsame. Sehet jenen König, der einen Juden in seinen Pallast kommen ließ und ihn anredete: „Elender Ungläubiger, 9«