Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1840)
- Date
- 1840-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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IV. Jahrgang, Allgemeine No. S. des Audentl-umS. Ein lmpartheiischfs Organ für alles jüdische Interesse. Redacteur: Dr. Ludwig Philippfon, israelitischer Prediger in Magdeburg. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig. (Mit Königl. Sächsischer allergnadigfter Concession) Leipzig, den 1. Februar 1840. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u. s.w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. sür den Jahrgang; — 1 Thlr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Me Buchhandlungen,. Postämter und Zeitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sachs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition aUhier unterzogen. Zeitungsnachrichten. Wallachei und Moldau. London, 8. Jan. Wir geben mehrere Notizen, welche von jener öfter besprochenen Mission der schottischen Kirche mitgetheilt worden sind. Unter den 120,000Einwohnern von Bucharest leben nach der Angabe des Konsuls 2800 Juden; sie selbst schätzen sich jedoch auf 5000 Seelen. (Die Angaben der dortigen Israeliten verdienen darum mehr Glauben, weil sie es aus dem sogenannten Pardongelde, d. i. Fleischtaxe wissen können, die dort fast die einzige Einnahme der Gemeinde ist. Redakt.) Sie haben 7 Synagogen, 1 spanische und 6 polnische. Ihre Lage scheint wicht die beste zu sein. — Jeder Jude, der in das Fürstenthum kommt, muß ein Zeugniß heibringen, daß er sich durch irgend ein Geschäft seinen Lebensunterhalt verschaffen könne. Ist er dieß nicht zu thun im Stande, so weisen ihn die Behörden zurück. — Die Lebensmittel sind auffallend wohlfeil; das Pfund Rindfleisch kostet etwa 2 Pence (1 Sgr. Ä Pf.) und ein Lamm kann man für einen Piaster (2f Sgr.) kaufen: Wein und Brodt sind eben so wohlfeil. An Arbeit fehlt es nicht und die ärmern Juden hangen nicht von wohlhabenden Brüdern ab. Fast alle Zimmerleute sind Juden, und Alle werden, ohne Rücksicht auf ihren Glauben, beschäftigt"). *) Welche Toleranz, wenn fast alle Zimmerleute Juden sind! Redakt. Am 12. Sept. reisten wir nach Fokschany ab. Die Gegend ist hier schon interessanter, da sie mehr bewaldet und bewohnt ist. Das Eigenthümliche eines wallachischen Dorfs sind die weitzerstreuten Höfe, jeder mit einem lebendigen Zaun umgeben, die gefällige Dorfkirche mit ihren Glocken und verzierten Kreuzen, die hölzernen Grabzeichen, die Brunnen, neben denen eine lange Stange mit einem Kreuzbalken steht, die große Zahl der Heuschober, das tief herabgehende Strohdach, die Schweine mit den ungeheuren Borsten auf dem Rücken und die großen, schönen Hunde. Es giebt 300 Juden in Fokschany.— Am Abend erblickten wir Jassy, die Hauptstadt der Moldau, wie sie ihre weißen Arme über die wogende Ebene unter uns ausbreitete. Die zinngedeckten Thurmspitzen glänzten in der Abendsonne. Ein kleiner Bach fließt durch die! Stadt und in der Nähe befinden sich anmuthige Hügel. Als wir in die Stadt getreten waren, konnten wir uns fast dem Glauben hingeben, als befänden wir uns in der Stadt Israels in ihren besseren Tagen. In jeder Straße erblickten wir Haufen wohlgekleideter Juden, einige mit Weib und Kind, und öfters eine mit Juwelen reich geschmückte Jüdin — alle nach der Synagoge eilend. Wir besuchten zwei dieser Tempel — sie waren bis zum Ersticken voll — selbst außerhalb drängten sich die andächtigen Schaaren. Das Lärmende, Ausschweifende in ihrer Andacht erinnerte uns an die Juden von Saphet und Tiberlas.