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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-01-25 · Heft 4 (25.1.1840) · p. Seite 58

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 4 (25.1.1840)
Date
1840-01-25
Page
Seite 58 (sequence 14)
Language
German
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58 daß Israel die Bestimmung hatte und hat, die reine Erkenntniß des einigen Gottes zu empfangen, zu besitzen und zu bekennen für alle Völker und alle Zeiten, bis die ganze Menschheit sich einst zu ihr versammeln werde: und in diesem Sinne ist es ein gottgeheiligtes und eigenthümliches Volk. Aber, m. F., das ist nicht eine Aufgabe, die von einem Geschlecht gelöst, nicht ein Werk, das von einem Jahrhundert vollendet werden kann, daran haben zu lösen und zu vollenden alle Geschlechter, alle Jahrhunderte Israels, Eines überträgt es dem andern. Das ist eine Aufgabe, die durch die ganze Geschichte Israels reicht, die noch heute, selbst unbewußt, uns inne hat, und unsere spätesten Enkel noch inne haben wird, so lange noch Einör den Namen Israel trägt. Und so ist es wol eine höchst wichtige Frage für uns, was haben wir in unfern Tagen, unseren Verhältnissen noch daran zu lösen, zu schaffen, zu tragen? — Um die wahrhaften Güter des Lebens, mit welchen Waffen sollen wir kämpfen? Welches sei unser Schild, welches unsere Lanze, welches unser Schwerdt? Wenn wir verzagen wollen vor den Täuschungen unseres Lebens, verzagen vor den Hindernissen der Verhältnisse, verzagen vor den Querstrichen des Geschickes, was soll uns immer wieder wie vom Anfänge unserer Bahn begeistern, erfrischen und zum Siege verhelfen? Die erste Waffe, die wir gebrauchen sollen im Kampfe des Lebens, das Schild, hinter dem wir uns beugen sollen, ist das Gebet; ja, das Gebet, dieses Zwiegespräch unserer Seele mit Gott, diese Erhebung über den Raum der Erde zu Gott, dieses Anschwellen aller Sehnen unseres Herzens hin auf zu Gott! Das Gebet ist die Weihe des Kämpfers, ist die Heiligung des Streiters. Wer nicht beten kann, der kämpfe nicht, denn mitten im Streite wird die Kraft ihn verlassen. Warum doch wollen die jetzigen Menschen so wenig beten? Warum ist es einer der Jrrthümer unserer Zeit, daß man nicht betet, daß man den frommen, kindlichen Sinn für Gott, der unsere Väter auf die Scheiterhaufen begleitete, für Schwäche hält? Man stützt sich auf das Handeln, halt das Werk, die That für den höchsten Psalm. Aber das Gebet stählet, das Gebet erfrischt, das Gebet schützt, das Gebet hält aufrecht. Darum betete Jakob, als er vor Esau zagte, betete Moses, als das Volk ihn bestürmte, betete Josua im Gewühls der Schlacht, betete David, als er vor seinem Vater Saul und seinem Sohne Absalon floh, und alle die großen und heiligen Männer, denen Großes und Heiliges gelang, sie hatten gebetet. Das Gebet ist das wahrhafte Schild im Kampfe des Lebens. Die zweite Waffe, die Lanze, mit der wir den Kampfplatz des Lebens muthig betreten sollen, ist: der reine, fromme Wille. Wo der Wille rein und gut ist, da kämpft es sich sicher und fest. Wo der Wille rein und gut ist, ist die That desgleichen und gelingt. Nicht aus irgend einem Winkel unserer Brust, wo die Leidenschaft, wo ein geheimes Laster weilet, muß der Wille entspringen, nicht aus Neid mußt du etwas unternehmen, nicht aus Mißgunst, nicht aus Haß und Feindschaft, nicht Zorn und Ungeduld, nicht Tücke und Bosheit, nicht aus Wollust und Ueppigkeit, nicht aus Habgier und Gewinnsucht muß dein Wille entspringen, sondern rein, fromm und gut muß dein Wille sein, mit dem du an die Entwürfe und Thaten, an die Pläne und Handlungen deines Lebens gehest: denn hast du ein gutes Streben, einen rechten Kampfplatz, eine gespitzte Lanze, vor der die Gegner deines reinen Willens im Staub versinken werden. Und die dritte Waffe, das gute Schwerdt, das du in deiner Faust führest: däs sei die gottbegeisterte Kraft! Dein Herz schlage für die Tugend, die dein Gott dir eingepflanzt, für die Wahrheit, die dein Gott dich lehrte, deine Seele erhebe sich für das Recht, das dein Gott will, für das Schöne, das dein Gott schafft, deine Pulse schlagen männlich für das Gesetz deines Gottes, und du wirst jegliches ausrichten, jeden Kampf zu Ende führen, er sei zwischen deinen vier Pfählen, aber im Getreide der Welt, er sei mit der Sünde deines Herzens, mit der Tücke des Bösen, oder mit den Prüfungen des Geschickes. (Werden fortgesetzt.)

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