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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-01-18 · Heft 3 (18.1.1840) · p. Seite 34

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 3 (18.1.1840)
Date
1840-01-18
Page
Seite 34 (sequence 6)
Language
German
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34 Die Gesetzgebung hat bei den Bestimmungen, wie Ehen vollzogen werden sollen, unleugbar immer nur Ehen zwischen Christen im Auge gehabt. Wie will man bei solcher Lücke gegen mißwillige Geistliche und Synagogen-Vorsteher Aufgebot und Trauung durchsetzen? Aus denselben Gründen würden Beschwerden bei den Behörden nichts nützen, weil sie es zu bedenklich finden würden da einzuschrciten, wo offenbar nur der Gesetzgeber abhclfen kann. Er muß folgerecht entweder den §. 36. II. 1. A. L. R. oder den §. 136. II. I. A. L. R. aufheben, oder endlich die Form naher bestimmen, welche bei der Vollziehung der Ehen zwischen Christen und Nichtchrisien beobachtet werden sollen. So weit unser Vcrf. Ich habe Ihnen nun den ganzen Werlaus dargelegt. Sie werden dafür sorgen, daß der Inhalt desselben näher beleuchtet wird. *) Saarlouis, 31. Dez. (Privatmitth.) Seit zwei Jahren ist an der hiesigen Garnison- und Civilschule als öffentlicher Lehrer der französischen Sprache ein Israelit angcstcllt, ein Mann, der übrigens bereits 21 Jahre hier als Sprachlehrer fungirt. Desterreich. Won der Donau, 25. Dezember. (Privatmitth.) Das Testament des verstorbenen Preßburger Rabbinen, welches theils in Abschriften des hebräischen Originals, theils in deutschen Uebersetzungen cirkulirt, erregt unendlich viele Debatten, die, in so ferne sich die verschiedenen Grundrichtungen der Zeit darin aussprechen, und in so ferne sie ein Barometer für den Culturstand der heutigen ungarischen Israeliten abgeben können , das öffentliche Interesse wol in Anspruch zu nehmen verdienen. Die Vorschriften der Uneigennützigkeit, Unpartheilichkeit und Bescheidenheit, die er seinen Kindern giebt, verrathen eine fromme, höchst achtenswerthe Gesinnung, was von der einen Seite auch mit allem Nachdrucke hervorgehoben wird. Die andere Seite urgirt hingegen unaufhörlich die rücksichtslose Strenge gegen deutsche Bibelübersetzungen, deutsche Predigt und gottesdienstliche Ordnung, gegen Dinge also, deren Heilsamkeit und Nothwendigkcit sich bereits aus eine, über jeden Zweifel erhabene, Weise bewährt hat, und die dem Testator Gräul und Abfall waren. Was nun den Punkt der Predigt und des modernen Gottesdienstes betrifft, so sind unter den Freunden und Verehrern des Seligen noch sehr Wiele, die sich von der Nützlichkeit dieser Institute noch nicht überzeugt haben, und sich also in ihrer Ansicht hierüber der Ansicht ihres Lehrers und Meisters mehr oder weniger nähern; ich sage nähern, — denn in ihrer Entschiedenheit und Herbe theilen dieselben nur die Allerwenigsten. Ganz anders verhält es sich mit der deutschen Bibelübersetzung, deren Unentbehrlichkeit nicht mehr bestritten werden kann, und auch nicht bestritten wird. Nun wird aber in dem Testamente das Jnterdict über die ■’-.sd ausgesprochen, und die Mendelssohn'sche Uebersetzung, die hier übrigens als spccies pro genere steht, wird also hiermit feierlichst verworfen. Die Anhänger des seligen Rabbi haben nun, theils um ihrem Lehrer nicht ein, auch ihnen absurd scheinendes, Verbot zu vindiciren, theils um sich vor dessen Verdammung zu bewahren, zu einem hermeneutischcn Kunststück ihre Zuflucht genommen, und geben vor, daß in dem Testamente nicht “an ■’is.o sondern -ran inso stehe, und daß nicht die Mcndelsohn'sche Uebersetzung, sondern Romane gemeint sei, was übrigens ganz gegen den Context ist, und mit dem nächst Darauffolgenden durchaus in keinem Zusammenhänge steht. Wer die Hermeneutik Sopher's kennt, und nun die verschrobene Conjccturalkritik, mit welcher diese Stelle, sowie die Geschraubtheit betrachtet, mit welcher andere Ausdrücke in dessen Testamente ausgelegt und gedeutet werden, — fühlt sich versucht, auch hier eine vergeltende Nemesis, ein ma nras ma zu erblicken. Die Freunde des seligen Rabbi sollten bedenken, daß sie den Ruhm ihres Meisters nicht vermehren, wenn sie ihm seine Consequenz rauben, die leider so weit ging, daß er Frauen in der Entbindungsnoth einen Stein, wenn ich nicht irre aus -ix, mit dem frommen Glauben zuschickte, daß dessen Nähe die Niederkunst zu befördern und zu erleichtern geeignet sei. Es ist dies eine Thatsache, die kein jüdischer Einwohner Preßburgs in Abrede stellen wird, und die denjenigen, der den Rabbi näher kannte, gar nicht befremden kann. Der gute Mann hatte das ganze Jahr hindurch peinliche Skrupel über seine Träume, wie denn überhaupt ängstliches Superstition ein Grundzug im Charakter dieses Rabbi war. Darum sind *-) Im nachnachsten Blatte. Redakt.

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