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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-12-20 · Heft 152 (20.12.1838) · p. Seite 614

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 152 (20.12.1838)
Date
1838-12-20
Page
Seite 614 (sequence 4)
Language
German
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614 ich nicht unterlassen, den Lesern des Telegraphen und dieser j Zeitung des Judenthums bemerktich zu machen, daß ich j nicht diese Art des Annullirens zu retorquiren vorhabe — was ja ein Leichtes wäre! Gewiß ist es mir, daß der Telegraph „seine Mission" habe, und haben werde, eine große und folgenreiche Mission, nämlich die man jedem Gelehrten und wahrhaften Kritiker zuzumuthen hat ^gerecht zu sein, und zu leben und leben zu lassen." Und so zweifeln wir kaum daran, daß er dennoch einmal einen etwas größeren Begriff von der Mission des Judenthums gewinnen werde, als jenen „gar keine!" und vielleicht ist es dem Einsender beschieden, zu dieser Meinungsumwandlung ein Geringes beizutragen, wenigstens will er einen Versuch wagen, unbekümmert, wie er ausgenommen werde. Er muß aber wieder mit jenem Leo ansangen — jenem, der noch in seiner garstigen Raupengestalt eines Hegelingen die heiligen Palmblättec von Sinai beknupsert hat; nicht diesem, dem heutigen deh- und wehmüthigen From-' men, .dm selbst der Gevatter seiner Lanze werth hielt. — Jener also hat mit seiner Mission des jüdischen Volkes ein Urtheil gefallt, das er heute contrario abzuleugnen genöthigt ist, und in der That abgeleugnet hat. Wie, wenn nun der Kritiker im Telegraphen seine Fernschreiberei einstweilen in eine Fernseherei verwandelte, und, was damals Leo nicht konnte, nämlich sich in seiner Jetzgestalt zu schauen, zu leisten sich bemühete? So schwer, als Leo hätte er es denn doch nicht. Die Harte der Opposition gegen sich selbst, des Widerspruchs, fiele weg, und er hatte, statt seines „Nichts," ein einfältiges „Etwas" vorläufig zu setzen. Das mag immerhin schwer fallen aus einem Nichts ein Etwas zu machen; allein in der ethischen Welt gehört doch nur ein bischen Selbstüberwindung nach erlangter Ueberzeugung dazu, und diese setzt man vom Ehrenmanne voraus. — Setzen wir sohin mit Herrn vr. K. Gutzkow in Spe, baj das Judenthum irgend eine Mission habe. Nun wohl! Was hätten wir denn zu nächst zu ermitteln! — Natürlich nach ihrer Specialität hatten wir zu fragen. Weß Art ist also diese Mission? — Gut — Nun fragen wir weiter — und hoffentlich wird uns das Fragespiel zu irgend einem gedeihlichen Punkte führen, an welchem das versteckte Pfund verborgen liegt — wir fragen also weiter: aus welchen- Prämissen kann ich mir den Werth dieser Miss fion ableiten? — Am begreiflichsten, aus dem Thatsachlichen. — Wohlan denn! was ist die Bestimmung eines Volkes wie das unsere. Doch wol nicht die, des Strapazierknechts, oder jenes unsaubem Amtes, unter welchem sie ursprünglich in der freien Reichsstadt Hamburg einen Ruhepunkt fanden, als sie müde gejagt und blutig gehetzt um ein Asyl baten. Nein! ärger wie Leo und Fries will es der gerechte Kritiker gewiß nicht treiben. Nun aber ist es doch wahrlich so schwer nicht, einem Volke seine Mission anzuweisen, dem man entweder die entehrendste — versteht sich für den Anweisenden — zutheilen muß, oder einen löblichem. Etwa die der Gesetzgebung und Ordnung des Besitzes; nein, das war das Amt der Weltstürmerin Rom. Oder vielleicht der bildenden und redenden Künste und Wissenschaften; nein, diesem Berufe folgten ja die Griechen. Vielleicht des völkerverknüpfenden Handels? — Tyrus und Sidon waren seine Meister; das alte und das neue Earthago, war und ist es. Schachern ist kein Handel; der Nothhandel keine Volksbestimmung. Was bleibr denn noch übrig für den betagten „Knecht Gottes" nachdem ihm alles, was das Erdenleben lieb und freundlich macht, dahin geschwunden ist? Nichts anders als — die Mission, mit dem Blick nach oben, der hier unten so lange vergebens suchte, wo er die Ruhestätte für seinen müden, wundgeritzten Fuß fände. Die Mission — sage ich — in der ihm aufgezwungenen Armsündergestalt den höchsten Gedanken zu tragen und deß sichtbarer Ausdruck zu bleiben/ bis ihn alles gefaßt und begriffen hat, was ihn zu erfassen bestimmt ist. Diese zerlumptt Gestalt ist nicht die Vogelscheuche in dem Saatfelds umher; es ist vielmehr jenes unscheinbare Bild, an dem sich wie es auch anderswo lautet, eine höhere Kraft offenbart, und das bestimmt zu sein scheint, wie es den Glanz der schimmernden Gestalten neben sich durch eine einzige Idee aus einer andern Welt überbietet, als verachteter Schulmeister angemurrt und verhöhnt von der überklugen Jugend, noch lange das Ziel ihrer grünen Witze und ihres bösartigen Muthwillens zü bleiben. Denn das mythusbildende Geschlecht wird den Asver noch lange fort mythisch ausbilden, und sich immer noch eine Sage aneignen, die ihm von keiner Seite streitig gemacht wird, als vielleicht hie und dort von einem, „der da der Unseren müde, zu den Euren geflüchtet ist." Der Ahasver aber, der unsere, der ist lange tobt, und ruht neben seiner Wasti und Esther rc. Hamann und seine zehn Söhne verfallen nicht mehr der veralteten asiatischen Poticei — das ist alles längst und lange vorbei; aber der Asver-Mythus soll — scheint es, noch lange lange ausgesponnen werden. Redacreur: vr. L. Philippsott. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirfchfeld.

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