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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-12-11 · Heft 148 (11.12.1838) · p. Seite 598

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 148 (11.12.1838)
Date
1838-12-11
Page
Seite 598 (sequence 4)
Language
German
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398 mutigen über Apostasie, gemischte Ehen u. s. w. eine bedeutende Ungleichheit zwischen den Bekennem der Landesreligion und anderer auch christlicher Religionen. Unter, den mehreren noch geltenden Gesetzen, die auf ein geringeres Vertrauen zu den mosaischen Glaubensbekennern gebaut sind, will Commissarius blos die Verordnung vom 15. September 1747 und namentlich den § 8 nennen, welcher vorschreibt , daß besondere Ermahnungen angewendet werden sollen, um einen Juden, der einen Eid in einer Sache ablegen soll, die einen Christen betrifft, zur Erkenntniß zu bringen, daß er ein Unrecht begeht, wenn er falsch schwört. Es wird gern eingeraumt, daß die jetzigen Verhältnisse eine solche Vorsicht weniger nöthig machen, als sie zu jener Zeit angesehen wurde; so lange aber Gesetze dieser Art noch in Kraft sind, kann es doch immer zweifelhaft sein, ob man ohne Jnconsequenz den Bekennern der mosaischen Religion das eminente Bürgerrecht zugesiehen kann, wovon hier die Rede ist. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Kleine Bücherschau. (Fortsetzung.) 26) Gottesdienstlicher Vortrag, gehalten in der Synagoge zu Breslau, von Dr. A. G eiger. Eingesandt von Dr. M. Heß °). Es liegt Hiersein öffentlicher Vortrag vor uns, der schon durch die Veranlagung, welche ihn hervorrief, unsere Aufmerksamkeit verdient. Es gewährt nämlich ein freudiges Interesse, daß selbst an den Grenzen Deutschland, selbst in Gemeinden, wo wegen der Nachbarschaft von Polen das starr rabbinische Element vor noch nicht langer Zeit vorherrschend war, das Bedürfniß nach einem wissenschaftlich gebildeten Volkslehrer jetzt so mäch- . tig hervortritt. Eine Folge hievon war die Berufung des würdi- * gen Rabbines Dr. Geiger nach Breslau und feie große Auszeichnung welche ihm dost von Seiten aller Denkgläubigen zu Theil ward. Mag nun auch die Gegenpartei den Sieg davon tragen und die Anstellung des Hrn. Geiger vielleicht wegen ^Rücksichten, •) Wie muffen uns wundern, daß obige Rede bis jetzt unS weder durch Buchhandlung, noch anderweitig zugekommen ist. Obgleich wir uun die Recension keiner Schrift aufnehmen können, die uns nicht vorher vorlag, so lag doch hier die Ausnahme von der Regel am Tage. N e d a c t. die die obwaltenden politischen Grundsätze zu gebieten scheinen, sich nicht verwirklichen; — so wird doch die durch seine Wahl sich bekundende fortgeschrittene Gesinnung einer so großen Gemeinde darum nicht minder ein bleibendes und erhebendes Denkmal in der israelitischen Geschichte bilden. Gehen wir nun zu dem fraglichen Vortrage selbst über, der in dreifacher Hinficht sich auszelchnet: durch die treffliche Idee, welche ihm zu Grunde liegt; durch die geschickte Weise, mit welcher sie ausgeführt ist und durch die Gewandtheit, mit welcher der Versager sinnige Stellen aus dem Talmud und Midrasch so ansprechend, seinem Vortrage einzuverleiben weiß. — Den Grundgedanken desselben bildet die aus Predig. 1, 4. abgeleitete Wahrheit, daß überall (ich Wechsel und Veränderung zeige, überall aber auch im Wechsel ein unvertilgbareS und ewiges Gesetz sich kund gebe. Dieses weist der Verf. zuvörderst im Reiche der Natur nach und geht dann auf das Leben des einzelnen Menschen, wie das ganzer Völker über. Sehr treffend sagt er u. a. „Und wie im Leben des einzelnen Menschen, so auch in dem der Menschheit, in dem großen Gemälde der Geschichte, welches vor unseren Augen sich ent- ,,rollt. Seitdem, so sprechen unsere Weisen, nach ihrer sinnigen „Art, sich auszudrücken, seitdem der Herr der Welt die Schöpfung „beendigt, was unternimmt er?" nrablö „Er laßt die Leiter besteigen und wieder herab- „gehen." Auch hier überall Wechsel, aber auch ein Bleibendes." Hieran knüpft der Verfasser die ergreifende Mahnung: „Wenn du nun so dasiündest, o Mensch, in diesem ewigen Wechsel „des Vergehens und Werdens, immer umspület von den Fluchen „der Vergänglichkeit, und du hättest keinen Stützpunkt und du 7,kenntest nicht die ordnende Kraft, die Alles erhält und du verspürtest nicht auch in dir den ewigen einen Geist, der die Zeiten „überdauert, dein göttlich Th eil, müßtest du da nicht zagen und „an dir selbst verzweifeln. Gleich Adam, der beim ersten Wechsel „der Tageszeiten ausrief: Wehe um meiner Sünde willen, wird „es düster um mich, so müßtest auch du, unbündig deS leitenden „Gesetzes, in zagender Bangigkeit vergehen." Eben so ergreifend ist der Schluß dieser Betrachtung: „Eine jede That, welche du „zur Verherrlichung des göttlichen Namens, zur Kräftigung im „Glauben und in der Wahrheit vollziehest, eine jede Freude, „welche du deinen Brüdern bereitest, eine jede Thräne, welche du „trocknest, ein jeder Trost, den du spendest, ein jedes freundliche „Wort, mit dem du die Gedrückten aufrichtest, das ist ein Dauerndes, dem du dich zugewandt. Und sei dein Kreis noch so „klein und beschränkt, du findest Gelegenheit genug, dir bleibende „Verdienste zu erwerben. Wenn du sorgest, Vater, für dein „Haus und deine Kinder zu frommen und treuen Menschen und „Bürgern erziehest, du bist ein rtf b^S NPN2'712)12, der „Wohlthat beständig übt; die zarte Sorgfalt, mit der d«, o Mut- „ter, über da6 schwache Kindlein wachest, die Innigkeit, welche du „seinem Gedeihen spendest, da gründest du eine Stätte der Liebe, „die nimmer zerstört wird." Tief durchdacht und höchst überraschend ist nun der Uebergang, welchen der Versager von jener Idee aus die Religion überhaupt und das Jsraelittntbum besonders macht. Hier ist jeder Gedanke eine Perle; hier tönt jedes Wort aus dem begeisterten Innern hervor. Wir möchten gern den ganzen Theil dieser Rede abschreiben, wenn es der Raum dieser Blätter gestattete. Doch werden auch schon -einige Stellen die Wahrheit unserer Behauptung beurkunden. (Schluß folgt.) Redacteur: vr. L. Philippson. —• Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirschseld.

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