Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 146 (6.12.1838)
- Date
- 1838-12-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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II. Jahrgang. Allgemeine N°. 14«. Zeitung des Zudenthums. Gin uuparcherisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Aonigl. Sächsischer a«erg»ädlgster Conceffisn.) Leipzig, den 6. December 1834. Zeitungsnachrichten. Libochowitz,^) 16. Novbr. (Privatmitth.). Unter dem 10. Oktbr. hatte ich Ihnen die neue Kultuseinrichtung der hiesigen Gemeinde zu melden und den ^.Wunsch auszusprechen, daß dieselbe durch die Anstellung eines tüchtigen Lehrers des göttlichen Wortes befestigt und recht segensreich gemacht werde. Allerdings standen dem sowol Hindernisse pecumäcer Art als auch insonders die verschiedenen Wünsche der Gemeinde-Mitglieder entgegen, von denen die eine Parthei einen in Realien tüchtig bewanderten Mann wünschte, um der Schule seine Wirksamkeit zuwenden zu können, die andere, einen Mann, der von acht religiösen Gefühlen beseelt, dem talmudischen und rituellen Fache vollkommen vorzustehen vermöge, um dem frivolen Sinne der Zeit die Schranken der Mäßigung entgegen zu stellen. Jetzt kann ich Ihnen mit wahrer Freude anzekgen, daß unsere Wünsche ihrer baldigen Erledigung entgegen gehen. Die Vorsehung führte uns in dem Rabbinats-Kandidaten Hrn. A. Günzburg einen würdigen jungen Mann zu, der eben seine philosophischen und theologischen Studien vollendet hat, im homiletischen Fache sich rasch practisch ausbildet, dem rituellen Bedeutung abzugewinnen, sowie durch religiösen ^Sinn die allgemeine Achtung sich zu sichern versteht und besonders zur Bildung unserer Jugend zu tüchtigen Weltbürgern und frommen Israeliten seine größte Kraft verwenden wird. Möge dies Beispiel einer für das Gute enthusiastischen Gemeinde auf unsere Umgebung recht tiefe Wirkungen haben, und sowol unsere Glaubensbrüder zur Nacheiferung anspornen, als auch die Achtung der christlichen Welt unserer Gemeinde immer mehr zusi'chern. r. L. Wiedenbrück, 15. Novbr. (Privatmktth.). Sie wissen, daß die Königl. Preuß. Regierung sich mehrere Male gegen Eonft'rmationen israelitischer Kinder, als eine Neuerung im Judenthume, ausgesprochen. Der Name thut Nichts zur Sache; es kommt nur darauf an, unsere bisherige Form der Bar-Mizwa durch Predigt, Religionsprüfung und Ablegung des Glaubensbekenntnisses eine tiefere Weihe und Wirkung für das Leben zu geben. Daß eine hohe Königl. Regierung eine solche Bestrebung wol würdigt und sie durchaus begünstigt, mag folgendes Königl. Regierungs-Rescript erweisen, das nur zu dem obgedachten Zwecke hier mitgetheilt wird. Der Lehrer Liepmannssohn zu Neukirchen hat in diesem Jahre-ein Heftchen hcrausgegeben, unter dem Titel: „Den sogenannten Bar-Mizwatag durch Predigt, Religionsprüfung und Ablegen des Glaubensbekenntnisses recht gesegnet und ersprießlich zu machen. Ein vollständiger Eonfirmationsact von S. L. Liepmannssohn." Nach Einsendung dieses Merkchens erhielt er folgende Schreiben: „Wir haben die, mittelst Berichts vom 26. Mai, eingereichte Schrift des jüdischen Lehrers Liepmannssohn in Neukirchen über die Bar-Mizwa, als einen Beweis, wie sehr derselbe bemüht ist, gelauterte Religionsbegriffe unter seinen Schülern zu verbreiten und sie in guten Gesinnungen zu befestigen, entgegen genommen, und ermächtige Sie, ihm unsere Zufriedenheit in seinen bisherigen Leistungen irnLehrfache zu erkennen zu geben. Minden, den 27. August 1838. Königl» Regierung, Abtheilung l. An den Herrn Landrath v. Trzebiatowski Hochwohlgeboren Wiedenbrück. Dem Herrn Lehrer Liepmannssohn zu Neukkrchen wird vorstehendes abschriftliches Regierungs-Rescript zu erfreulicher Kenntnißnahme der darin ausgesprochenen Belobung überantwortet, und indem ich mich derselben gern anschließe, benutze ich zugleich diese angenehme Veranlassung zur Verlautbarung meines verbindlichsten Dankes für die mehrfaltigen Mittheilungen der Beweise sehr sorgsamer Einwirkung zur Befestigung religiöser und patriotischer Gesinnungen. Wiedenbrück, den 3. Septbr. 1838. Der Landrath gez. v. Trzebiatowski. •) So ist der Name der Stadt auch in No. 128. zu lesen. Redact.