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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-12-01 · Heft 144 (1.12.1838) · p. Seite 581

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 144 (1.12.1838)
Date
1838-12-01
Page
Seite 581 (sequence 3)
Language
German
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58i Theil noch wahrend derselben, blüheten die jüdischen Gemeinden Ln den Küstenstädten des südlichen Frankreichs, und unter ihnen Wissenschaft und Poesie, bis zu Ende des 14. Jahrhunderts die allgemeine Vertreibung aus Frankreich, zu Ende des 15. die aus der Provence, dies alles vernichtet hatte, und nur ein christlicher Staat einen gesicherten Aufenthalt den flüchtigen Juden darbot: der päpstliche. Mitten unter den Ruinen war daher eine Rettungsstelle. Avignon und die Grafschaft Venaißin, beide im Besitz des Papstes — jenes seit 1348, Idiese seit 1273 — belästigten die dortigen Juden nicht, die Gemeinden blieben, und mit ihnen erhielt sich eine alte gottesdienstliche Ordnung der Provenzalen, die, was die Grundlage betrifft, mit der spanischen (Sefardim) übereinstimmt, aber in ihrem piutischen Bestandtheile scharfer als diese den alterthümlichen Charakter bewahrt hat, und dadurch sich mehr dem germanischen Ritus nähert. Was jedoch die Piutim selber betrifft, so haben sie — Einzelnes unberücksichtigt — nichts gemein, weder mit den spanischen noch mit den germanischen, weder mit den griechischen noch mit den römischen, und bieten eine solche Fülle des Schönen, zum Theil der berühmtesten jüdischen Dichter, dar, daß schon um deßwillen dieser Ritus einer besondern Aufmerksamkeit würdig ist, böte er auch nicht sonst noch schätzbares Material dar, für unsere so lückenhafte Kenntnkß des Bestandes und der Geschichte des jüdischen Gottesdienstes. Vier jüdische Gemeinden sind es, die gegenwärtig diesem Ritus angehören: Avignon an der Rhone, Carpentras am Auzon, l'Jste an der Sorgue, Cavaillon an der Durance, welche Städte sämmtlich zu dem Departement Vaucluse gehören. Hievon ist die bedeutendste die zu Avignon, die schon im 12. Jahrhundert ansehnlich gewesen. Wegen ihres verhältnißmäßig hohen Alterthums, vergleichen diese Gemeinden, die sich mbinp 2a^K nennen, sich gern mit den vier palästinensischen: Jerusalem, Hebron, Safet, Tiberias. Im Einzelnen weichen sie jedoch auch unter einander ab, wovon weiter unten Einiges anzumerken sein wird. Zu einer Bekanntschaft mit ihrem Gottesdienste wird es aber zweckmäßig sein, denselben nach der Ordnung des jüdischen Rituals und Kalenders zu beschreiben. Wochentage. Der alltägliche Gottesdienst stimmt, zumal in den neueren Ritualien, fast ganz mit dem spanischen. Am Morgen hebt er an mit (Ps. 38,16'nbmsi ‘■fb ^), dann: Elohai Neschama, die Segenssprüche u. s. w. bis nach der Tesilla (die gleichfalls nach dem Wortlaut die span, ist), Tachanun, Aschre, Ps. 20, .•jrttb asn, Kadisch, Barchu, Alenu. Jedoch ist folgendes Eigenthümliche zu bemerken: In älteren Handschriften sind die Segenssprüche (nwa) beim Beginn der Gebete anders geordnet; sie enthalten noch das — auch in Sevilla üblich gewesene — mbötö maaa, und eine neue: LrbOi2 “pio, die entweder der Parallelstelle aus Nischmat, oder der alten mnrrj (jerus. Berachot (c. 1 f. 7. a.) entlehnt ist. Dagegen fehlt 2^12 NpiO. In dem zweiten Jehi Razon fehlt dieser Satz von mr^btt/O bis den auch Abudraham und der germanische Ritus nicht haben. Das Stück tna Km übi2b bis üam^b tammatö wird nach dem gebetet. Merkwürdiger Weise ist Baruch scheamar der germanischen, d. k. der ursprünglichen, Fassung fast ganz gleich; jedoch ist in die neuere Gebetordnung das Wort “pim (aus Maimonides und Abudraham) übergegangen, und Ln einer zweiten Columne die spanische Recension mit ausgenommen. Vor dem Aschre wurde früher auch noch Ps. 119, 1 gesagt. In der Ahaba finden sich nach den Worten tms Kb "einige Reihen, mehr von unwesentlichem Inhalt; aber in :tok vor irmaK b2 die Worte: ab •ntrb vwnb "Mn ‘■pro. Wider alle Autoritäten ist es, daß stets m DiVö (statt tnbd üra), selbst wenn ein Priestersegen Statt hat, die Tesilla schließt.— In den abendlichen Gottesdienst ist auch das übi2b'ii nebst iKm ausgenommen, welche Stücke dem spanischen Ritual fehlen. — l§o rtsetzung folgt.) Literatur. Kleine Bücherschau. (Fortsetzung.) 23) nijraai rntTTna msbn, Kasuistik des traditionellen Gesetzes über das Schachten, Visitiren und Beschauen der von MoseS in der H. Schrift für rein erklärten vierfüßigen Thiere und Vögel. Für Israelit. Schächter. Herausgegeben von I. Levisohn. Tübingen, gedruckt bei Eifert. 1837. 8. S. 16. Eine recht gute, systematische erste Anleitung, die natürlich die praktische Uebung nicht überflüssig macht und die Kasuistik des Schachtens bei weitem nicht erschöpfen kann. Mehrere von den hinten angehängten „Räthsel-Fragen" hätten wegbleiben können, wenn nicht alle. 8. 24) ^i2)bN ■mD*’, Hebräische Sprachlehre für Schulen. Als zweite Abtheilung der neuen Auflage des hebräischen Lesebuchs rna» onbin*). Von I. Iohlson. Frankfurt a. M. 1838. 8. S. XVI. und 238. Bei den vielfachen literarischen Hülfsmitteln, welche insbesondre für Schulen die neuere Zeit hervorbrachte, laßt sich eine gute Entwicklung nicht verkennen. Namentlich im grammatikalischen Felde. Es ist nicht zu leugnen, daß, seitdem das Bewußtsein der Nothwendigkeit grammatikalischer Kenntniß für die Hc- *) recenf. in No. 61. d. 3.

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