Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 144 (1.12.1838)
- Date
- 1838-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 144. II. Ii-l-rgaug. Zcitung des Zu-enthums. impartheiisches Organ für alles jüdische Interesse, in Betreff von Politik, Religion, Literatur?, Geschichte, Sprachkun-e und Belletristik. Redacteur: Ds'. Ludwig Philippforr, israelitischer Prediger iu Magdeburg. Vertag von Baumgartners Buchhandlung zu Leipzig. (Mit Königs. Sächsischer allergnädigster Concession.) Leipzig, dm 1. December 1838. Tiefe .Zeitung erscheint wöchentlich 3 Mal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in O.uart incl. des Titels, Neglsters u. s.w. umfassen. Jic Geuraßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis einserft niedrig : mit 3 Tblr. für den Jahrgang — 1 Tblr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postänrrer und ZeitnngSe.rpeditionen nehmen Bestellungen au; der Hauplspedilwn für beide Letztere hat sich die Königl. Sachs, wohllöbl. ZeittmgS - Expedition alltzier unterzogen. Zeitungsnachrichten. 2f 61; fft n t e n °). Obwol nicht lauter neue, doch bestätigende Nachrichten über die schwarzen Juden in Abyssinien. gibt der Herr A. von Katte in seiner Reise im gedachten Lande, in Folgendem: „Die Juden oder Falaschas, wie sie genannt werden, wohnen in der Provinz (Sinnen, am Tzana-See, in der nähern Umgegend von Gondclr und in den nördlichen Gebirgen der Provinz Dembea. In Tigre gibt es durchaus keine; zuweilen kommen sie nach Adua, um sich daselbst durch Arbeit etwas zu verdienen. Vor fünfzig Jahren bildeten sie unter eigenen Fürsten einen Staat in Simien. Die hohe Felsenburg Ainba Eideon war der Hauptsitz ihrer Fürsten. Seitdent ward aber diesem Staat durch den christlichen Beherrscher von Sinnen ein Ende gemacht, und nun leben sie von diesem in gewisser Abhängigkeit. Ihre Zurückgezogenheit jedoch und der Ruf der Zauberei schützt sie besser als alle Waffen gegen willkürliche Bedrückungen. Man laßt sie gern in Ruhe, sobald sie den unbedeutenden Tribut zahlen, der ihnen auferlegt ist. Von ihren Sitten, Gebräuchen und ihrer innern Verfassung weiß man wenig.' Jedoch sind sie weit arbeitsamer als die übrigen Abyssinier; man kann sagen, sie sind die nützlichsten Einwohner des Landes. Sie bauen die Häuser in Gondar, schmieden das Eisen und sollen sogar einige Mctallcompositionen, so wie chemische Praparationcn kennen. Ihre Hauser sollen die besten sein, die man in Abyssinien findet; sie halten sie sehr reinlich, erlauben aber niemals einem Christen den Eintritt. Uebn'gcns sind sie in Bezug auf-die Bibel sehr unwissend und kennen kaum die fünf Bücher Mose. Es würde sehr interessant sein, wenn man historisch Nachweisen könnte, daß diese Falaschas wirklich Abkömmlinge von in früherer Zeit aus Judäa eingewanderten Juden p) Im östlichen" Amka vom 4L» 48' — 55° 54' L. und 7-16° N.B. Redact. sind. Die überall die Judctt charakterisirende National-Physiognomie, die sie in allen Älimaren und unter allen Völkern sogleich wieder erkennen laßt, fehlt diesen abvssinischen Juden gänzlich. Ihr Physisches unterscheidet sie in nichts von den übrigen Abyssiniern. Sie sind schwarz, wie diese, und tragen ebenfalls den eigenen charakteristischen afrikanischen Zug um Mund und Nase, während die Juden in Ziemen, also unter gleicher geographischer Breite und in einem weit heißem Klima, sich deutlich von den Arabern unterscheiden und gar nicht als Juden zu verkennen sind. Es gibt in Abyssinien noch viele Abkömmlinge der dorr angesiedelt gewesenen Portugiesen. Diese Abkömmlinge zeichnen sich noch immer, trotz ihrer Vermischung mit den Abyssinicrn, von diesen durch eine weniger schwarze Färbung und durch eine mehr europäische Gesichtsbildung aus. Es wäre daher völlig unerttärbar, wie ein weißer, in Abyssinien eingewanderter Völkerstamm bei einem von den Eingcbernen völlig zurückgezogenen Leben und bei der Sorge, sich niemals mit ihnen zu vermischen, sich so verändern könne, daß in einem so milden und'wenig heißen Klima, wie das abyssinischc, aus der weißen Farbe die schwarze und aus einer asiatischen Race die afrikanische entstehen könne, während man sieht, daß derselbe Völkerstamm in allen andern Ländern und in jeder Zone seine Eigenthümlichkcit beibchalten hat. Aus diesen Gründen scheint cs wahrscheinlich, daß sich nur das Judentum, mit seiner ganzen schroffen Abgeschlossenheit, in Abyssinien verbreitet hat, daß aber keine förmliche Einwanderung der Juden stattgefunden habe. Gegen eine solche Einwanderung spricht auch schon die natürliche Beschaffenheit des Gebirgslandes sowot, als die spatere schnelle Verbreitung des Christenthnms selbst..." — Warschau, '5. Nov. (Privatnütth.). Es kann uns hier nicht gleichgültig sein, wie die öffentliche Meinung sich in unsrer Stadt über die neuesten Ledensbewegungen um Judrnthum gestaltet. Um so eher ersuche ich Sie, beifolgende Relation in der hiesigen Gazeta poranna vom 10. .Okt., über die letzten Predigten des Herrn Äoldschmidt, in