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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-11-29 · Heft 143 (29.11.1838) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 143 (29.11.1838)
Date
1838-11-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ii. z°hrg°°g. Allgemeine R». 143. Zeitung -es Judenthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Concession.) Leipjig, den 29. November 1838. Zeitungsnachrichten. Athen, 1. Nov. (Privatmitth.). Indem ich Ihnen nächstens eine ausführliche Mittheilung über die Verhältnisse sowol der eingeborenen, als auch der eingesiedelten Juden in Griechenland übersenden werde, theile ich Ihnen zuvor ein Schreiben eines baierschen Israeliten hier mit, das als Genrebild gewiß nicht ohne Interesse ist. Athen, 27. Okt. 1838. — Hört, ich will euch den Eingang des Laubhüttenfestes in Negroponte*) erzählen. Nachdem ich an Ereb Sukot Abend die Synagoge, eine alte, türkische, unansehnliche Schule besuchte, nahm mich nach geendigtem Gottesdienste der Rabbine -bei der Hand und führte mich in Kahal's Sukah. Hier lief ein langes, weißbekleidetes Brett, nur einen Fuß hoch von der Erde entfernt, und nicht breiter, als zwei Spannen, der Lange nach hinab. An diesen orientaiischen Tisch setzte sich der Rabbi obenan, ich als GaÜ neben ihm, und sechzig bärtige Juden, lauter interessante Gesichter, alle in rothe Kaftans gekleidet, machten die übrige, mit übereinandergekreuzten Beinen am Boden sitzende Gesellschaft aus. Von dem Schooße des Rabbinen aus lief ein schmales Handtuch über die.Beine der ganzen Versammlung, gleichsam als allgemeine Serviette, rund herum, so daß die beiden Enden dieses Tuchs auf den Knieen des Rabbinen lagen. Man sieht selbes häufig auf dem Bilde der zwölf tafelnden Apostel, und Ihr könnt Euch dadurch die beste Vorstellung machen. Nachdem nun ein feierliches Kidusch gesprochen war, aß man Fische und Trauben nebst schwarzem Brodt. Die Frömmsten aus der Gemeinde servirten. Von Bestekken war natürlich keine Rede, und nur Ein Becher war zum Gebrauch für jeden Mund bestimmt. Nach dieser kurz gebürsteten Malzeit wurde Bekol Ram gebenscht, und dann erst jeder in seiner Familie von den Frauen ordentlich bewirthet. Der Rabbi schleppte mich mit in seine Behausung, und hier erst blühte mir ein glanzendes Nachtessen. Das Zimmer dieses frommen Mannes hat nur drei Mauern, die vierte ist, wie bei den meisten dieser Wohnungen, ganz hinweggelassen, und bildet einen freien, offenen Platz, eine Art Terrasse, gegen den Hof. Eine magische Beleuchtung befchien höchst anziehend zwei orientalisch-gekleidete Jüdinnen, *) Hauptst. auf der griech. Insel gl. N., das frühere Chatces aus Euböa. Redact. wovon eine die Schwiegertochter des Rabbi, alle Ueppkgkeit des Orients verrieth, und viele Anmuth in ihren Bewegungen kund gab. Ich setzte mich in Mitte dieser wackern Famili-e, die mich als Bekannten empfingen, da derselbe Rabbine unfern Max zum Juden stempelte,^) zu Tisch. Mein Sitz war ein rothes, gut gepolstertes Kissen; der Tisch ebenfalls ein Zwerg, aber rund, ward durch eine Art Kaffeebrett ganz bedeckt, und nach abermaligen Kidusch begann die Tafel. Ich als Gast hatte eine Gabel, sonst nichts; alle andern Tischgenossen, das uns von Gott verliehene Besteck, die Finger. Nun kam als erstes Gerücht, Büloff mit Rettig; hierauf Lämpchen mit Füllung, sodann ein Gemüse, Namens Melinzanien mit Fleisch; diesem folgten Bamien, ebenfalls ein Gemüse; hierauf erschienen Trauben, und endlich gebratene Fische, die Stelle des Barchut vertrat sehr schlechtes, schwarzes Brodtt Zwischen jeder Speise wird ein Gläschen Brandtewein genommen. Die Weiber bedienen sich eines Stückchen Brodtes als Löffel, wechseln jedoch nicht damit, sondern fahren immer mit demselben Stückchen, nachdem sie es abgeleckt, wieder in die Schüssel. Doch schmeckte mir alles recht gut; schon der Seltenheit wegen. —' L. F. Prag, 9. Nov. (Privatmitth.). Es geschieht nicht ohne faktische Absicht, daß ich Ihnen hiermit den Bericht eines Augenzeugen, über die lebten Momente unsers verewigten Peter Beer's, vorlege. Am 7. d., Mittwoch, da der Kranke seinem Ende sich nahe fühlte, wurde ec. gefragt, ob er das in solchen Fallen übliche Psalmenablesen von den 10 Männern in allen Synagogen verlange. Nach einer strengen Verneinung äußerte er, blos seine Schüler, die ganze Jugend der israelitischen Hauptschule, in Anwesenheit des ganzen Lehrerkörpers, mögen in dem neuen Bethause in einer von ihm selbst angeordneten Formwenn es verlangt wird, ihm „eine Aeußerung ihrer Liebe und jihres Mitgefühls geben," waS auch in seiner ganzen Würde vollzogen ward. Kurz nachher diktirte er dem Herrn I. Hirsch, Vorsteher des hiesigen israelitischen Spitals, in hebräischer Sprache, seme Grabschrist selbst. Zwei Stunden vor seinem Hinscheiden ließ er Herrn M. I. Landau zu sich bitten, und, nach einem mit dem« •) Der Rabbi hatte an dem gedachten Knäblein, dem ersten griechischen Juden von baierschen Eltern, die Beschneidung vollzogen. Corr.

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