Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 51 (15.12.1885)
- Date
- 1885-12-15
- Page
- Seite 823 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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823 Den dritten Sohn konnte er bei seinem Meister nur gegen Zahlung eines Lehrgeldes von je 75 M die beiden ersten Jahre und die Zuficherung, daß der Knabe die beiden nächsten Jahre gegen einen mäßigen Lohn bei ihm verbleiben werde, unterbringen: Woher dieses Lehrgeld nehmen? Glücklicherweise wußte der Rabbiner auch hier Rath. Er wandte fich an einen Verein zur Förderung der Handwerke unter den Juden und erhielt die beiden Jahrgelder gegen das Zeugniß tüchtiger Schulkenntniffe und nach dem ersten Jahre ein Zeugniß des Meisters über die Fortschritte und das Wohlverhatten des Knaben. Dies war wieder ein Lichtstrahl, der in die Hütte des armen Lehrers fiel, welcher nun drei Söhne vorläufig untergebracht und in ihre zukünftige Laufbahn eingeführt sah. Zwei Jahre später finden wir die Notiz hinzugefügt, daß die Dinge doch nicht ganz nach Wunsch verliefen. Zwar war der Student fleißig in seinen Studien, zu denen er außer den Collegien die Früh- und die Nachtstunden benutzte, so daß er am Schluß des dritten Semesters das sogenannte Physikum mit „Auszeichnung" absolvirte; auch hatte er verstanden, fich die Gunst seines Prinzipals zu erwerben und seinen Zögling ebenso durch Liebe wie durch Ernst auf eine gute Bahn zu bringen. In der letzten Hälfte des zweiten Jahres war die einzige Tochter des Hauses, ein siebzehnjähriges Mädchen, aus der Pension nach Hause gekommen, und die für die Ausbildung ihrer Tochter sehr bedachten Eltern ersuchten den jungen Mann, ihr Lectionen zu geben, damit sie die erworbenen Kenntnisse nicht vergefie, sondern! möglichst vermehre. Dies ward zu einer Klippe, an welcher , das Schifflein unseres Studenten zu scheitern drohte. Die jungen j Leute ließen fich in ein Liebesverhältniß zu einander ein, die! Mutter bemerkte es und unser Student ward sofort aus dem! Hause entlaffen. Was nun? Erspart hatte er sich nichts, . denn das kleine Gehalt war für seine Nebenbedürfniffe, Klei-! düng, Bücher, Instrumente, aufgegangen. Er nahm natürlich j seine Zuflucht zu seinem Gönner, der ihm den leichtsinnigen jugendlichen Streich wegen seiner sonstigen guten Eigenschaften! verzieh. Er wußte ihm nichts Anderes zu rathen, als jetzt sein Militärjahr abzumachen. Er begab sich zu deffen früherem - Prinzipal und wußte diesen wegen der guten Dienste, die der Student dem Sohne des Hauses geleistet, dahin zu bringen, daß er die Kosten sür deffen Eintritt als Einjährig-Freiwilliger trug, und unser Rabbiner bewilligte dem jungen Manne ein Stübchen und die Kost bei ihm selbst. Es war das Jahr 1864, und kaum war der junge Mann ausexercirt, so brach : der Krieg gegen die Dänen aus, und gerade das Regiment, j bei welchem er stand, wurde nach Schleswig-Holstein gesandt.! Bedrohlich schien der Krieg nicht zu werden, denn die vereinigte Macht Preußens und Oesterreichs konnte bei dem kleinen! Dänemark keinen dauernden Widerstand erwarten. Doch wer kann die Chancen eines Krieges sür den einzelnen Soldaten! voraussehen? Wie es dem jungen Manne in diesem Feldzuge , erging, und welche entscheidenden Folgen er für ihn hatte, erfahren wir aus einem Briefe desselben an seinen Beschützer und väterlichen Freund. (Fortsetzung folgt.) Anzeigen. T„ cqy*Q werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die näehst- XLLOwl dl“ folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Unter coulanten Bedingungen suche zum möglich baldigen Eintritt [B.55H 1 Bolontair und 1 Lehrling. pasewalk. 3. Frie-iaeuder. Tuchu. Mode-Manufactur. ReellesHeirathsgesuch. 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