Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 51 (15.12.1885)
- Date
- 1885-12-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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"Allgemeine Zeitung -es Zu-enlhums. Ein unparteiisches Organ für altes Diese Zeitung erscheint wöchentlich.! Herausgegeben V0N! Preis vierteljährig » Marl. Wonnej i “mWSKStrS i Rabbiner Dr. L«i>wi, Mippson Postämtern, außerdem durch den Buch- . . Handel.! ernzusenden.!-1 gxpeditio«: Leipzig, Woßprcrh 18.- indische Interesse. in Bonn. (In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die I! Derlagshandlung. Beilagen (Gebühr > 12 ünd aleiLiallS an lebtere 49. ZahrgLNg. Leipzig, den 15. December 1885. 51. lakstt. Leitende Artikel: Eine Königliche Botschaft. — Vom Rechtsstaat und den „Urrechten". — Das galizische Werl. III. — Literari'cher Wochenbericht.— Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Frankfurt a. M., Dresden, Bückebucg. — Oesterreichngain: Wien, Pest. — Bulgarien: Lophia. — Großbritannien: London. — Amerika: New-Aork, Bonn. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Aus der Briefmappe eines Rabbiners. ZTIit dem Januar }886 beginnt die „Allgemeine Zeitung des Iudenthums" ihren fünfzigsten Jahrgang, wir ersuchen um baldige Bestellung bei allen Postämtern (Deutsche Postzeitungsliste Nr. 92) und Buchhandlungen, um jede Störung in der Zusendung zu vermeiden. Zaumgärtners Huchhandlung in Leipzig. Bonn, 9. Dezember 1885. Eine Königliche Botschaft. Nach dem Tode des Sir Moses Montefiore richtete die Königin Victoria ein Beileidsschreiben an den Neffen desselben, Herrn Sebag, dem jetzt auch den Namen Montefiore zu führen gewährt worden. Die Schlußworte dieses Königlichen Schreibens sind so merkwürdig, daß sie dauernder Ueberlieferung Werth sind. Sie lauten: „Mein Herr! In dem Obigen versuchte Ich Ihnen Trost zu spenden über den Tod Ihres Oheims, des Auserwählten der Menschheit; es ist Mir aber auch Bedürfniß, daß die Welt Mir und Meiner Seele Trost Spende über den Verlust Montefiore's, des größten Mannes in Meinem Königreiche. Große Männer hat England stets gehabt; aber solche Männer, wie der Verewigte, deffen Herz von der Gluth der Liebe zu allen Menschen mit einer heiligen Flamme sein ganzes Leben lang entzündet war, solche Menschen giebt eS nur wenige, und der Erste dieser Wenigen war der große Montefiore. Durch die Wirkung seiner Wohlthaten bleibt er für ewige Zeiten ein mustergültiger Mensch." — Diese Worte geben nicht blos für Sir Moses, sondern auch nach anderen Beziehungen hin ein beredtes Zeugniß. Die Königin erklärt Sir Moses für den größten Mann in England. Nun war Sir Moses weder Politiker noch Gelehrter und Schriftsteller. Seine Größe bestand also in seiner unerschütterlichen Humanität, in seiner unermüdlichen Wohlthätigkeit. Hieraus geht hervor, daß man in England Humanität höher schätzt als Politik und literarisches Verdienst. Die Königin Viktoria hat während ihrer langen Regierung so viele politische und literarische Größen an sich vorübergehen sehen, hat deren Vorzüge nnd Schwächen zu beobachten Gelegenheit gehabt, ihr ist das Partei- und Coteriewesen in der Politik und Literatur zu oft fühlbar geworden, daß ihr zuletzt das wahre Streben und Wirken auf dem Gebiete der Humanität allein groß und verehrungswürdig erscheint. Die Königin würde wohl schwerlich dies so unumwunden ausgesprochen haben, wenn sie sich dabei im Gegensatz znm Geiste und der öffentlichen Meinung Englands gewußt hätte. Aber daß sic zugleich dieses Urtheil über einen Juden kundthut, stellt Engllrnd wiederum im Gegensatz zu vielen kontinentalen Länder'.: dar. Man erinnert sich dabei unwillkürlich an die Vorgänge nach dem Tode Laskers in Amerika und Deutschland. 61