Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 50 (8.12.1885)
- Date
- 1885-12-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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^Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches OrgM für alles indische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. . Preis vierteljährig Mark. Abonne-! ment in Deutschland lPostzeitungSliste I Nr. Hl) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buch- Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. KXpeöiLiorr: Leipzig, Voßptcrß 18. In redaktionellen Angelegenheiten 1 «ende man sich an vr. Philippson in i! Bonn direct, in allen übrigen an die; Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr j | 12 M.) find gleichfalls an letztere , j einzusenden. | 49. Jahrgang. Leipzig, den 8. December 7885. 50. rvdstt. Leitende Artikel: Ein Versuch de» ÄntisemitismuS in Italien. — Ter Messiasglaube bei den Samaritanern. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Leipzig. Frankfurt a.M-, Bielefeld, Srraßburg, Cöslin. — Sesterreich- Ungarn. — Frankreich: Paris. — Rußland: Warschau. — Großbritannien: London. — Feuilleton: MoseS Benedict und Christian Gotilieb Schick. — Vermischtes. Mit dem J. Januar 1886 beginnt die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" ihren fünfzigsten Jahrgang, wir ersuchen um baldige Bestellung bei allen Postämtern (Deutsche postzeitungs-Liste Nr. 92) und Buchhandlungen, um jede Störung in der Zusendung zu vermeiden. tzaumgärlner^s ßuchhandlung in Leipzig. jCet-te-nT?« 0.1-ti.kct' Brüssel, 23. November 1885. Li« Versuch des Antisemitismus in Italien. Italien ist eines der Länder, in denen die Israeliten sich nicht allein in der Theorie, nicht ausschließlich aus dem Papier, sondern in Wirklichkeit vollständiger Gleichberechtigung erfreuen. Sie bilden auf der Apenninenhalbinsel nur eine kleine Schaar, eine verschwindende Minorität — aber in . allen Sphären der Kunst, der Wissenschaft, der Literatur,! der Politik, des Handels haben sie sich eine geachtete Stel-! lung zu erringen verstanden. Unter den Professoren der Universitäten, unter den Arbeitern an dem großen Werke der Befreiung und Einigung des Vaterlandes, unter den Förderern der materiellen Größe Italiens, unter den Staatsmännern des Parlamentes und der Regierung zählt man israelitische Namen mit Genugthuung auf. Aber selbst in dieses gelobte Land der Gewissensfreiheit hat der rohe Schwindel des Antisemitismus sich Eingang zu verschaffen gewußt. Im Mittelalter konnte derselbe sich wenigstens mit dem vergleichsweise noch achtbaren Mantel des religiösen Fanatismus und Glaubensvorurtheiles decken, so oft auch sein wahres Wesen nur in gemeinem Neid, in Habgier und Haß bestand. Heute darf man mit jener Verhüllung sich nicht mehr bekleiden, und nackt und abschreckend treten uns die niedrigen Beweggründe der Judenhetze entgegen. Was aber vorzüglich beschämend und betrübend wirkt, das ist der Umstand, daß gerade Gebildete, ja Gelehrte sich zu deren Trägern und Schirmern hergeben und mit Sophismen und offenbaren Lügen ihre verderbliche Thätigkeit ausschmücken und begründen. So hat auch ein in Italien wohlbekannter Mediziner, Pros. PaulMantegazza in dem weit verbreiteten Blatte „Fansulla" (Sonntagsbeilage vom 27. September 1885) einen Artikel veröffentlicht, in dem er den Antisemitismus in Schutz nimmt und seine Berechtigung nachzuweisen sich bemüht. Es fehlt dabei nicht an den gewöhnlichen Argumenten: die Juden sind häufig Wucherer, Geldtyrannen, grob, nevrotisch und hypochondrisch; sie sind als „Knollen, Auswüchse, Geschwüre über den socialen Körper verbreitet, um den freien Umlauf unserer Leute und unserer Kräfte zu behindern"; sie sind „schlimme und lästige Parasiten des europäischen Lebens:" denn „zu zähester Kette religiöser, moralischer und sozialer Freimaurerei verbunden, haben sie keine Nationalität;" sic I schließen sich von ihrer Geburt au — durch die Beschneidung > — und während ihres ganzen Lebens von den Völkern aus, unter denen sie wohnen. Man sicht, der Mann hat nicht j ohne Nutzen seine deutschen Vorbilder studirt. Dieselben 50