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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-12-01 · Heft 49 (1.12.1885) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 49 (1.12.1885)
Date
1885-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein mMteiischcs Organ für alles indische Interesse. Diese Zeitung «scheint «Schenllich. Preis vierteljährig » Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste > Nr. III) und Oesterreich bei allen Postämtern» außerdem durch de» Buch- Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Bonn. GZepeöitiorr: Leipzig, Woßpkcrh 18. In redactionellcn Angelegenheiten ■ mende man sich an l)r. Dhilippson in! Bonn direct, in allen übrigen an die! - Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr! j 12 M.) sind gleichfalls an letztere ' einzusendcn. , 49. Jahrgang. Leipzig, den 1. DecemSer 1885. .Nö. 49. Inhalt. Leitende Artikel: Was hat den Antisemitismus gefördert und was ihn abgeschwächt? — Wohlthätige Werke. V. — Das deutsche Lied im synagogalen Kultus. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Dessau, Bonn. Berlin, Leipzig, Metz, Bielefeld, Hildesheim, Schleswig-Holstein. — Oesterreich- Ungarn: Pest. — Italien: Rom. — Bulgarien: Makedonien: Komanova — Großbritannien: London. — Rußland: Petersburg. — Bonn: Notizen, Vorträge. — Feuilleton: Correspondenz. — Vermischtes. £cttcvu)e Öfcti&cl. Bonn, 25. November. Was hat -eu Autifemilismus gefördert und was rhu abgefchwacht? Es wird, hoffen wir, nicht allzulange währen, bis man die Frage aufwirft: wodurch kam es, daß die antisemitische Agitation so plötzlich hervortrat und so schnell an Ausdehnung und Heftigkeit gewann? und wodurch kam es» daß sie dennoch in verhältnißmäßig kurzer Zeit an Energie verlor und in den Hintergrund trat? Zn der Beantwortung dieser Frage hat man bis jetzt ein Moment nicht genügend berückfichtigt, das nach unserer Ansicht äußerst wirksam war. Wir meinen nämlich die allgemein verbreitete übermäßige Meinung von der Macht und dem Einfluß der Juden. Diese Meinung hatte sich zu einem Wahngebilde heraufgebildet und flößte deshalb überall eine gewisse Furcht und einen heftigen Widerwillen ein. Die antisemitischen Agitatoren wußten dieses ausznbeuten. Ihre ersten und heftigsten Angriffe stellten Deutschland und die deutsche Nation von der Macht und dem Einfluß der Juden erdrückt, in der Gefahr geknechtet zu werden und ganz und gar zu „verjuden" dar. Sie waren frech und unpatriotisch genug, von einem .Firns Germaniae!“ zu reden und nahmen diesen Zustand zum Borwand und zur Rechtfertigung aller ihrer Gehässigkeiten. Gingen sie doch in ihrem Furor so weit, den Juden eine allgemeine Verschwörung unterzuschieben, um — die Weltherrschaft zu erlangen'.! Und je mehr sie schrieen, desto mehr und in desto weiteren Kreisen fanden sie Glauben. Ganz besonders declamirten sie gegen die Kapitalmacht der Inden und gegen die Herrschaft derselben in der Literatur und Publizistik. So sollte sowohl das geistige wie das materielle Leben der Nation von den Juden beherrscht werden. Man fand nun in dem Umstande, daß die Börsenmänner zu einem bedeutenden Theile Juden waren, daß cs einige Inden in den Redactionen und unter den Mitarbeitern und Correspondenten von Zeitungen und Zeitschriften sich befanden, überall eine Bestätigung, ebenso wie darin, daß einige akademische Lehrstühle von jüdischen Gelehrten besetzt und hier und da jüdische Juristen Richter waren. Bekanntlich glaubt man nicht allein an das» was man wünscht» sondern auch an das, was man fürchtet. Aber eine Machtfrage verlangt doch mehr als eine bloße Versicherung mit Worten. War etwas Wahres an der Fülle von Macht und Einfluß, welche die „Semiten" besitzen sollten: so mußte sich dies in dem heraufbeschworenen und immer drohender werdenden Kampfe tatsächlich erweisen. Es mußte sofort ein heftiger Widerstand erstehen, es mußten jene Macht und jener Einfluß alle ihnen zu Gebote stehenden Mitte! auswenden, um die Agitation niederzuwersen und womöglich zu erdrücken; es mußte jene Herrschaft alle ihre Truppen und Waffen aufrufen, um der Bewegung Schranken zu setzen und die Wege in das Herz des Volkes abzuschneiden; die herannahcndc Strömung mußte überfluthet werden. Von allen, dem keine Spur. Die Juden verhielten sich überall passiv, weil sie es mußten, weil sie in ihrer Schwäche garnicht anders konnten. Es zeigte sich, daß das Capital, das stürmisch angesoch'.ene.

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