Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 48 (24.11.1885)
- Date
- 1885-11-24
- Page
- Seite 774 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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774 Aus der Geschichte eines Klosters. In der „Nat.-Ztg." wird die Geschichte des Klosters auf dem Huy bei Halberstadt gegeben. Darin heißt es aus der Zeit Friedrichs des Großen: „Besonders charakteristisch für den Geist, der um jene Zeit unter den angeseheneren Mönchen in diesem Kloster herrschte, ist folgender Vorfall. Israel Jakob aus Halberstadt ging eines Tages hinter dem Huy mit einem jungen Handelsgehilfen. Dieser konnte nicht mehr fort und er verlangte für ihn bei den Mönchen auf der Huysburg zu trinken, da die Quelle in der Waldschlucht unterhalb des Klosters in der That schwer zu erlangen und schwer zu finden ist. Die Diener wollten ihm jedoch nur zu trinken geben, wenn er Schweinefleisch äße. Israel wollte daher schon unverrichteter Sache wieder abgehen. Da kam der Abt Arnold. Er ließ nicht allein dem Juden zu trinken reichen für fich und seinen Gefährten, sondern übertrug ihm von nun an auch eine Lieferung nach der anderen für das Kloster. Dadurch wurde der Grund zu dem Reichthum der Familie Jakobson gelegt. Der Sohn Israel Jakob's war der jüdische Consistorialpräfident Jakobson zu Kassel. Vielleicht war auch dieser ein Freund des aufgeklärten Priors van Eß, welchem ich jenen Vorfall nacherzählt." (Es bedurfte also erst des achtzehnten Jahrhunderts und der Dazmischenkunst des Abtes, um einem verschmachtenden Juden einen Trunk Wafier zu verschaffen. — Pfui über diese Bewohner eines kirchlichen Gebäudes! Und das erzählt man jetzt noch als merkwürdig nach!) Tie Deutschen in Amerika vor dreißig Jahren. Bei der Chinesenhetze, welche jetzt in Amerika, namentlich in San Francisco in Scene gesetzt wird, erinnert ein deutsch-amerikanisches Blatt des Westens daran, daß seiner Zeit die einwandernden Deutschen eine ähnliche Behandlung erfahren hätten, wie jetzt die Chinesen. Es heißt in dem Blatte: „In Hunderten amerikanischer Zeitungen konnte man da lesen, daß die Deutschen nicht bester als die Schweine lebten; daß sie ihrer geringen Bedürfniffe wegen bei halb so viel Lohn, wie der in Amerika geborene Arbeiter zum menschenwürdigen Leben gebrauchen, noch verhältnismäßig reich werden können; daß sie eine untergeordnete Menschenraffe seien, durch deren Beimischung die stolze und edle amerikanische Nationalität verschlechtert werde, u. s. w. Der „Louisviller Courier" that sich durch die abschreckende Scheußlichkeit der Bilder hervor, welche er von den „plattfüßigen, krummbuckeligen, plumpen Dutchmen mit ihren viehmäßig dummen Gesichtern" und von ihrer Lebensweise entwarf. Es gelang ihm auch, eine Hatz gegen die Deutschen ins Werk zu setzen, welche große Aehnlichkeit mit der neulichen Chinesenhetze in Rock Springs hatte und ebenso viel, oder noch mehr Opfer kostete. Man kann Denjenigen, welche diese trübste Zeit in der Geschichte der deutschen Einwanderung durchgemacht haben, nicht zumuthen, ohne Weiteres in das wüste Geschrei der blutgierigen Chinesenfeinde einzustimmen und dadurch nachträglich die Unthaten, welche vor 30 Jahren gegen deutsche Einwanderer begangen wurden, gutzuheißen. — Wir brauchen wohl kaum zu bemerken, an welches wüste Geschrei, Schilderungen u. dgl., wie sie jüngst in Deutschland gang und gebe waren, obige Erinnerung mahnt. Indische Colonien in Palästina. Der „Schwäb. Merkur" enthalt einen Artikel über die mohammedanischen, jüdischen und christlichen Colonien der Neuzeit in Palästina. Es sind nämlich von den mohammedanischen Arnauten nach dem russisch-türkischen Kriege, da sie sich in Bulgarien nicht mehr sicher fühlten, zwei Colonien im Südosten vom Merom See gegründet worden, die in zwei schmucken Dörfern einer günstigen Zukunft entgegengehen. Alsdann berichtet der Referent über die jüdischen Colonien: „Fast gleichzeitig mit diesen Ansiedelungen von Bekennern des Islam erfolgten auf die in etwas früherer Zeit durch die Alliance israelite ins Leben gerufenen, zwei neue jüdische Colonien. Die eine derselben befindet sich zwischen Cesarea und Haifa bei Samarin, das in den Namen Sachron Jakob, d. h. Denkzeichen Jakob's, umgewandelt wurde. Was diese Juden veranlaßte, ihre Zuflucht in Palästina zu suchen, waren die gegen sie ausgeführten Feindseligkeiten in Rußland und Rumänien, also eine ähnliche Veranlaffung, welche die Mohammedaner aus ihrer Heimath vertrieben hat. Diese Juden hatten aber die größten Schwierigkeiten zu überwinden und schwere Trübsale durchzumachen, da die türkische Regierung längere Zeit mit aller Strenge ihnen das Betreten des Bodens von Palästina verweigerte. Die Berhältniffe für dieselben besserten sich erst, nachdem Baron Rothschild in Paris für sie ins Mittel getreten war. In Sachron Jakob bestehen nun außer einer Anzahl von Holzhäusern, welche, zerlegt, von Galatz hergeführt wurden, 4 mit Ziegeln gedeckte Steinhäuser, von denen jedes 4 Zinimer hat. Gegenwärtig ist man an dem Bau einer Synagoge, zweier Schulgebäude,; eines Verwaltungsgebäudes und einer Wohnung für den Director. Die Zahl der Familienväter ist 60 bis 70, von welchen 15 bis 20 auch bereis ihre Familien bei sich haben. Es sollen schon Anpflanzungen von 3000 bis 4500 Olivenbäumen und gegen 30 Hektar Weinberg erfolgt sein. Es i sind den Ansiedlern die besten Pflüge aus Ulm zur Ver-! fügung gestellt und bereits sind 5 Brunnen gegraben, welche