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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-10-27 · Heft 44 (27.10.1885) · p. Seite 711

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 44 (27.10.1885)
Date
1885-10-27
Page
Seite 711 (sequence 15)
Language
German
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711 sucht nicht mehr völlig so kindisch, wie zu Zeiten der „Frau! Bize-Ober-Floß- und Fischmeisterin", die Kotzebue in seinen I „Deutschen Kleinstädtern" verherrlicht hat. Aber warum | müssen denn die Oberbürgermeister unserer großen Städte,! die durch die Wahl ihrer Mitbürger zu ihrem ehrenvollen! Amte berufen sind, noch den Geheimrathstitel als besonderes Auszeichnung bekommen? Warum werden Profesioren, die^ nie etwas anderes regiert haben, als den lateinischen und! griechischen Dativ und Accusativ, Geheime Regierungsräthe?! Warum lassen sich die Koryphäen der Wissenschaft das „Bon" | vorsetzen, das doch ihren Namen wahrlich nicht berühmter! machen kann? Also wenn wir unfern jüdischen Mitbürgern j den Spiegel ihrer Thorheit Vorhalten, mögen wir es nicht versäumen, gelegentlich auch selbst hineinzublicken! Man hat sich noch beklagt über den Zudrang der Juden! zur Advocatur, der eine Ueberfüllung dieses Standes mit allen Gefahren einer solchen für das Publikum und die Rechtspflege zur Folge habe. Hauptsächlich rührt nun wohl der starke Zuzug zur Advocatur von den schlechten Aussichten her, welche gegenwärtig die jungen Juristen für ihre Anstellung und Beförderung in Richterstellen haben. Mag j immerhin eine gewisse dialektische Gewandtheit und Rede-! fertigkeit, wie sie den Juden meistens eigen ist, ihnen den Beruf des Advocaten besonders annehmbar machen, so ist doch andererseits nicht aus der Acht zu lassen, daß für diejenigen Juden, welche überhaupt Neigung zum juristischen Studium haben, der allgemeinen Aussichtslosigkeit in der richterlichen Laufbahn noch ein erschwerender Umstand hinzutcitt. So lange lutherische Pastoren sich weigern, vor einem jüdischen Richter einen Eid abzulegen; so lange ein solches durchaus gesetzwidriges Benehmen mit einer gewissen Nachsicht behandelt wird; so lange ein sehr einflußreicher Theil der Presse die gesetzlich unanfechtbare Anstellung jüdischer Richter doch als eine Art von Attentat gegen den christlichen Staat betrachtet, so lange kann für den jüdischen Juristen eine Richterstelle unmöglich ein lockendes Ziel bilden. Die Lehrerstellen an höheren Schulen aber gönnt man den Juden auch nicht; aus welchem vernünftigen Grunde, ist mir freilich unerfindlich. Mediziner können doch nicht alle werden, Theologen nun gar nicht — was bleibt ihnen denn am Ende übrig? (Schluß folgt.) Vermischtes. Bon Zeit zu Zeit bringen die öffentlichen Blätter Angaben über die gesammte jüdische Bevölkerung, die aber alle kein zuverlässiges Resultat geben. Die vielen runden Zahlen beweisen dies schon. In vielen Staaten giebt es keine Volkszählungen; in anderen keine nach den confessionellen Rubriken, und so bleiben nur Vermuthungen übrig. So giebt das jüngste Bulletin der geographischen Gesellschaft zu Marseille für den Monat Juni d. I. über die jüdische Bevölkerung der Erde folgende Zahlen an: Im Ganzen existiren 6,377,602 Juden, und zwar 5.407,602 in Europa, 245,000 in Asien, 413,000 in Afrika, 300,0JQ in Amerika, 12,000 in Oceanien. In Europa zählt man: in Oesterreich-Ungarn 1,643,708, in Deutschland 561,612, in England 600,000, in Belgien 30( 0, in Dänemark 3946, in Spanien 1900, in Frankreich 70,000, in Griechenland 2652, in der Schweiz 7373, in Holland 81,693, in Italien 36,289, in Luxemburg 600, in Portugal 200, in Rumänien 260,000, in Rußland 2,552,145, in Serbien 3492, in Schweden und Norj wegen 3000, in der europäischen Türkei 116,000. — In Asien: Türkei »Palästina, Syrien, Klein-Asien, Arabien)! 150,000, Persien 15,000, Asiatisches Rußland 47,000, Turkestan, Afghanistan 14,000, Indien und China 19,000. In Afrika: Algerien 35,000, Marokko 100,000, Sahara 8000,! Tunis 55,000. Tripolis 6000, Abeffynien 200,000, Cap der guten Hoffnung 1000, Egypten 8000. Anzeigen. Tv» 4-p werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die näclist- O, folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingeben. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Ludolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Ein gebilvetes Fräulein wünscht Stelle zur Das Bezirksrabbinat Wertheim, mit welchem die Verwaltung des Bezirksrabbinates Leitung eines kleinen Hauswesens oder als Merchingen verbunden ist, soll neu besetzt werden. Die festen Bezüge betragen t800 bis Stütze u Gesellschafterin der Hausfrau. Off. .'000 M. neben freier Dienstwohnung. Die Accidentien in dem umfasienden Dienstbezirke sub C. 346 an Rudolf Moffe, Düsseldorf.! (29 Gemeindensind nicht unerheblich. Die Bestallung erfolgt mit der Bedingung, daß der —'——-~ — -. - - . i Inhaber der Stelle im Falle einer organisatorischen Aenderung auf Verlangen der zu- In fclner;ud. r^am . wo Lehrerin im Haute/ständigen Behörde seinen Wohnsitz von Wertheim nach Mosbach zu verlegen hätte. Befinvet ein iiung.Mädchen, welches sich in Berlin! nierbungsgeiuchc sind unter Beifügung einer Darlegung des seitherigen Lebensganges, ferner ausbild, will, gute P^ision. BestcRef. Näheres > Nachweise über die allgemeine wissenschaftliche und fachliche Ausbildung, sowie über erbei Lewy, Berlin, Beuthstr. 10, II Tr. langte Autorisation zur Ausübung von Rabbin^tsfunktionen und über die seitherige Berufsthätigkeit binnen ß Wochen bei der Unterzeichneten Behörde einzureichen. Reue n-,17! '-ed und n--:o mit vor- Karlsruhe, den 15. Oktober 1885. zügl.Schrift u.gut.Pergam.sind billigst zu Großherzogl. Bad. Oberrath der Israeliten. haben beiZ8olfHrnnebanm2NOi^l2,Fnlila^ Ter Miuisierial-Kommisiär: Joos.

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