Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 43 (20.10.1885)
- Date
- 1885-10-20
- Page
- Seite 695 (sequence 15)
- Language
- German
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695 Militärärzten nur ein gewisser Prozentsatz Juden sein dürsten. Zwar sind diese Bestimmungen nach russischer Manier theilweise wieder rückgängig gemacht, theilweise umgangen worden; doch war für die Juden immerhin die Frucht wisienschaftlicher eines Warschauer Juden, der selber schon in der Chirurgie eine sehr bedeutende Stellung eingenommen hatte. Und nun mustere man die Namen unserer akademischen Lehrer, unserer hervorragenden Aerzte und Advocaten, ja Studien unsicher geworden. Aber auch abgesehen von dem j selbst der höheren Beamten bis zu den Ministern hinauf! materiellen Erträgniß ist ja bei den Juden das Streben nach l Ich mag nicht Namen lebender Personen nennen, aber jederhöherer Bildung und die Hochachtung vor der Wisienschaft mann wird selbst nicht wenige von unverkennbar jüdischem eine ungemein lebhafte. Hat man doch von gegnerischer Klange in allen jenen Kategorien herausfinden. Soll man Seite nicht gesäumt, diesen Wisiensdrang auf das Conto ihrerj deswegen über die „Verjudung" Deutschlands schreien? Das Untugendenzu setzen! Aber mir scheint vielmehr, unsere braven j ist Thorheit oder Neid! Wer ohne Borurtheil diese Verhält- Urgerwanen sollten sich daran ein Muster nehmen. Wir haben den allgemeinen Schulzwang und in jeder größeren Stadt freiwillige Fortbildungsschulen; wir haben eine große Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung und eine Unzahl von Bildungsvereinen und Bolksbibliotheken und doch — wie langsam schreitet die Volksbildung fort! Nicht zehn Prozent aller Lehrlinge und Gesellen, für welche die Fortbildungsschulen bestimmt sind, nehmen wirklich an deren Unterricht Theil und die Zahl der Hütekinder, welche ihre lieben Eltern mit Erlaubniß des Herrn Schulinspectors draußen bei Gänsen und Schweinen laffcn. anstatt ihnen die karge Mitgabe der elementaren Schulkenntniffe zu sichern, ist noch immer eine erschreckend große. Man sage nicht, daß die Armuth der Eltern daran schuld sei; der bettelarme Jude weiß den Werth geistiger Güter bester zu schätzen: er darbt lieber, um seinen Kindern einen besteren Unterricht zu verniste betrachtet, wird darin nichts anderes finden, als eine Theilerscheinung des allgemeinen Kampfes ums Dasein, in dem der Thätigere, Gewandtere dem Trägen, Indolenten den Rang abläuft und als Ergebniß dieses Wettstreites eine Mischung persönlicher Eigenschaften, welche eine Veredlung des Ganzen darstellt. Ist doch Treitschke aufrichtig genug, zuzugestehen, „daß unsere Sorglosigkeit und Schwerfälligkeit von den wirthschaftlichen Tugenden des jüdischen Stammes manches lernen könne". Warum soll das nur auf dem wirthschaftlichen Gebiete gelten? Warum wollen wir nicht anerkennen, daß überhaupt etwas orientalisches Feuer, südliche Lebhaftigkeit, quecksilberne Beweglichkeit eine glückliche Ergänzung unserer schwerflüssigen Gediegenheit bildet? Giebt doch ein Zusatz von etwas Phosphor zur Bronce eine doppelt werthvolle Legirung! Man wird doch nicht etwa einwenden wollen, die edle schaffen und diese zeigen sich in der großen Mehrzahl der teutonische Raste werde durch solche Beimischung verunreinigt. Fälle solcher Aufopferung durch den regsten Fleiß würdig. Bei dem echten Germanen ist dagegen der Bildungstrieb im Durchschnitt gering; er liebt es noch heute, geistig auf der Bärenhaut zu liegen, wie seine Ahnen einst körperlich thaten; die Bildung muß ihm eingetrichtert werden. So sehen wir denn aus den jüdischen Einwanderern und deren Nachkommen, großgesäugt an den Brüsten deutscher Wo sind denn heutzutage unter den Culturvölkern die reinen,! ungemischten? Bestehen nicht die Engländer aus einem Amalgam von Kelten, Sachsen und Normannen, die Franzosen aus Kelten, Römern, Franken, Burgunden und wer weiß was i sonst noch für Stämmen? Bon Spaniern und Italienern garnicht zu reden! Wir Deutschen haben in früheren Jahrhunderten bei unserm Vordringen nach Osten Wenden, Obotriten, Wisienschaft. alsbald eine ganze Reihe verdienstvoller Männer! polnische unb littauische Elemente ausgenommen, wir haben hervorgehen, die sich in allen Zweigen der Wisienschaft selbst 1 später die französischen Hugenotten und Refugiss assimilirt sowohl, wie in den auf praktischer Anwendung derselben bei und ich finde wahrlich nicht, daß nnsere nationalen Eigcnruhenden Fächern geachtete Namen erwerben. Ich kann nickt! schäften dadurch gelitten haben. Im Gegentheil, jedermann sagen, daß es Geister ersten Ranges darunter giebt; wenigstens find mir weltbewegende Ideen, epochemachende Entdeckungen ihrerseits nicht erinnerlich. An Tiefe kommen sie wohl dem rein germanischen Geiste, wenn dieser sich einmal an die Arbeit macht, nicht gleich. Aber die Feldherrn vermögen nichts ohne Unterbefehlshaber und Offiziere und so leisten denn auch die Geister zweiten und dritten Ranges ihr erklecklich Theil an der allgemeinen Culturarbeit. Helmholtz ersanv den Augenspiegel und hat sich damit unsterblich gemacht; aber wer seine Erfindung zuerst zu einer Wohlthal der Menschheit zu machen wußte, das war Albrecht v. Graefe, der Sohn wird zahlreiche Beispiele zum Beweise anführen können, daß gerade aus solcher Mischung des Blutes und des Geistes besonders tüchtige Persönlichkeiten hervorgegangen sind. Und gegenüber solchen geschichtlichen Erfahrungen sollten wir uns gegen die Aufnahme des jüdischen Elementes ängstlich oder widerwillig sträuben? (Fortsetzung folgt.)