Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 35 (25.8.1885)
- Date
- 1885-08-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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"Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Cm unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich.! Preis vierteljährig » Mark. Slbonne- > ' ment in Deutschland (Postzeitungsliste :! Nr. Ul) und Oesterreich bei allen! , Postämtern, außerdem durch den Buch-! Handel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Bonn. GXpeörtiorr: Leipzig, Wotzpkcrh 18. In redaktionellen Angeleyenheiten ] wende man sich an vr. Philippson in! I Bonn direct, in allen übrigen an die j! Berlagshandlung. Beilagen (Gebühr; 12 M.) find gleichfalls an letztere j; einzusenden. j 49. Jahrgang. Leipzig, den 25. August 1885. JNfo. 35. Inhalt. Leitende Artikel: Jerusalem und Rom. — Aus studentischem Kreise. — Kol-Nidre. IV. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Stuttgart, Breslau. Karlsruhe, Aus Schlesien, Homburg v. d. H., Myslowitz. Aus Mecklenburg-Schwerin. — Rumänien: Bukarest. — Rußland: Odessa, Turek. — Großbritannien: London. — Amerika: Newyork. — Marokko: Aus Marokko. — Bonn: Notizen. — Bonn: Literarische Notizen. — Feuilleton: Erinnerungen III. ZcitcwDe ClztlüeC. | Bonn, 19. August.! Jerusalem an) Rom. Die beiden geschichtlich interessantesten Punkte des ganzen Erdballs sind unbestritten: Jerusalem und Rom. Drei Weltreligionen blicken auf jenes als die geheiligte Geburtsstatte ihres Glaubens; fast zweihundert Millionen Menschen auf dieses als den Mittelpunkt ihres Bekenntnisses. Wenn man Rom das Beiwort „die ewige Stadt" gegeben, so gebührt dieses Epitheton Jerusalem viel mehr, denn es hatte bei der Gründung Roms (752 vor der gew. Ztr.) schon mehr als IV2 Jahrtausende bestanden. Als Abraham von der Besiegung der eingedrungenen Könige zurückkehrte, und im „Königsthal" am rechten Jordansufer lagerte, kam Malki-Zedek, König von Schalem, zu ihm und „brachte heraus Brod und Wein" (1. Mos. 14, 17.). Also um ungefähr 2000 vor d^ gew. Ztr. war Jerusalem — das auch noch später poetisch den Namen Schalem führte (Psalm 76, 3.) — eine Stadt und Beste, Residenz eines Königs, hatte also jedenfalls schon einige Jahrhunderte hinter sich. Was aber noch bedeutsamer,! dieser Malki-Zedek war „Priester des höchsten Gottes." Da! segnete er ihn und sprach: „Gesegnet sei Abram dem höchsten! Gotte, rer Himmel und Erde geschaffen; und gesegnet sei der höchste Gott, der gegeben deine Feinde in deine Hand! Da gab ihm Abraham Zehnten von Allem (der Beute)". Das war typisch für Jerusalem, daß es also in der ältesten Zeit schon der Sitz der Verehrung „des höchsten Gottes, der Himmel und Erde geschaffen, also des aus der Natur erkannten allmächtigen Schöpfers derselben war. Auch zu Josua s Zeit trat der König von Jerusalem, das damals schon so benannt war, Adoni-Zedek, als Gegner der Israeliten auf und wurde von Josua geschlagen. Obschon nun diese das Land ringsum einnahmen, hielten sich doch die Jesubiter darin fest, bis David die Stadt eroberte und durch Erbauung einer Burg und eines Heiligthums zum nationalen und religiösen Mittelpunkt Israels machte. Salomvn erbaute darin den prächtigen Tempel, welcher nach mehrmaliger Wiederherstellung noch von dem feindlich gesinnten römischen Historiker der Glanzpunkt von ganz Asien genannt wird, und Paläste, und Jerusalem erweiterte sich und erhielt mächtige Mauern. Dann eroberte und zerstörte sie Nebuchadnezar, aber die heimgekehrten Judäer erbauten sie von Neuem. Aegypter und Syrer erstürmten sie nach einander und wurden wieder vertrieben. Da kamen die römischen Legionen und zertrümmerten sie von Neuem. Die Pflugschaar führten sie über sic hinweg und streueten Salz darüber zum Zeichen ewiger Verwüstung. Und doch war es der römische Kaiser Hadrian, der Feind der Juden, der sie wieder ausbaute und ^elin Capitolina benannte. Der Name verschwand wieder, aber Jerusalem erhob sich unter dem Schutze des Christenthums, das seine zahlreichen Pilger dahin sandte, wieder zu einer gewissen Blüthe. Doch der Bölkersturm raste immer von Neuem über die heilige Stadt hinweg. Im Juni 614 n. d. gew. Ztr. nahmen die Perser die Stadt mit Sturm, richteten ein großes Blutbad an und zerstörten die Kirchen und Kapellen. 628 fiel es wieder in die Gewalt des griechischen Kaisers. Doch S5