Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1885)
- Date
- 1885-07-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227555-3227587--42800-3311390- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
'Allgemeine Zeitung des Iudencthums. Ein impartrnschcs Organ für alles indische Interesse. DieseZeitung erscheint wöchentlich. ■ Preis vierteljährig 3 Mark. Abonne- : ment in Deutschland (Postzeitungsliste I Rr. 111) und Oesterreich bei allen j I Postämtern, außerdem durch den Buch- Handel. { Herausgegeben, von Rabbiner Dr. Ludwig Wlippson in Bonn. KXpeöitiorr: Leipzig, Hroßptcrh 18. l In redaktionelle» Angelegenheiten! wende man sich an 1>r. Vhilippfon in! > Bonn direct, in allen übrigen an die! . Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr >; 12 M.i sind gleichfalls an letztere! einzusenden. 49. Jahrgang. Leipzig, dm 28. Juli 1885. pVo. 31. Inhalt. Leitende Artikel: Das Ziel im jüdischen Religionsunterrichte. — Symbolische Gestalten. IV. — Der Bankerutt des Antisemitismus. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Liegnitz.— Oesterreich-Ungarn: Wien. Pest. - Rumänien: Bukarest. — Frankreich: Paris. — Rußland: Petersburg. — Amerika: Chicago. — Afrika.- Capstadl. — Bonn: Notizen. — Bonn: Literarische Notizen.— Feuilleton: Tscherni und die kaukasischen Juten. (.Schluß.) LsU-'tO- CUr;Gcf. trieben, ohne einen wesentlichen Erfolg zu haben. Nichts ist {nothwendiger, als daß schon dem jungen Israeliten der Aus- Bonn, 23. v»nh.! hau des Judenthums aut den Fundamenten der h. Schrift Das Ziel im jüdischen Keligionsnuterrichte. Wir hatten in der letzten Zeit oft genug Veranlassung, über Verhandlungen in Lehrer- und Rabbinerkreisen betreffs des Religionsunterrichtes zn berichten, als daß nicht in unseren Lesern die Frage entstehen sollte: was must denn eigentlich als das Ziel im jüdischen Religionsunterrichte betrachtet werden? Man verhandelt über den Unterricht in der Geschichte. Sehr gut. Ueber den Unterricht im Hebräischen, im Ueber- ’ setzen der Gebete und auserwähltcn Stücke der heiligen Schrift, im Urtexte. Gewiß, sehr gut. Schade ist cs nur, daß, wir sprechen offen, viele Lehrer diese biblische Geschichte als ein Ruhekissen behandeln, auf welches sic jahrein, jahraus ihr müdes Haupt niederlegen. Ta werden die biblischen Erzählungen ausführlich und immer wiederholt vorgetragen, weil dies sehr bequem ist, und nicht daran gedacht, daß die nachdiblische Geschichte, von den Makkabäischen Kämpfen, dem Kriege gegen die Römer, dem Aufstande des Bar Kochba und besonders den providentiellen Mitteln zur Erhaltung des Judenthums, der Auswanderung und dem Entstehen der Synagogen und Lehrhäuser, dem mittelalterlichen Martyrium und der geistigen Entwickelung bis zu unseren Tagen vicl wichtiger und viel interessanter, als z. B. die Geschichte aller nachsalomonischen Könige von Juda und Israel ist. Ebenso wird das Uebersetzen der Gebete und auserwählten Stücke der h. Schrift in ganz mechanischer Weise Jahre lang ge- und des späteren jüdischen Schriftthums, aus den geschichtlichen Grundlagen des alten Israels und des späteren jüdischen Stammes zum Bewußtsein gebracht wird, nur daß dies eben in der rechten Weise geschehen muß. Aber alles Dies ist doch nur Mittel zum Zweck. Fragt man nun nach dem eigentlichen Ziele, so kann dieses nur in dem Ziele des Judenthums überhaupt gelegen sein. Das Ziel des Judenthums und darum auch des jüdischen Religionsunterrichtes ist: die Begeisterung für die Gotteserkenntniß, für die Erkenntniß des einig-einzigen Gottes, welche die ganze Seele erfüllen, welche der verstandsmäßigen Einsicht genügen, dem Herze.: Befriedigung schaffen und alle geistigen Fähigkeiten in Anspruch nehmen soll. Dieses Ziel wird in der Thora ausgestellt: „So erkenne es heute und nimm es wohl zu Herzen, daß der ewige Gott ist im Himmel droben und auf Erden drunten. Keiner mehr!" (5. Mos. 4, 39.) „Dir ist es gezeigt worden, um zu erkennen, daß der ewige Gott ist. Keiner außer ihm." (B. 35.) Um diesen Preis kämpften die Propheten, von Elijah an, daß das Volk bekenne von ganzem Herzen: „Der Ewige ist Gott!" Wo Israel mit anderen Völkern in Berührung kam, waltete die Absicht vor, diese Gotteserkenntniß auch den übrigen Nationen zu übergeben. So schon bei Moses, der, wenn er 2. Mos. 6. 7 den Auszug aus Egypten dazu dienen läßt, daß Israel erkenne, daß der Ewige Gott ist, dock» schon 7,5 die Strafgerichte über Egypten kommen läßt: „Auf daß erkennen die Egypter, daß ich der 31