Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 29 (14.7.1885)
- Date
- 1885-07-14
- Page
- Seite 471 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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471 war ein treuer Anhänger der Synagoge rn der Straße' St. Avoye, wo man ihn alle Tage mit seiner Perrücke, damals sagte man Toupet, erscheinen sah. Niemals hat ex, die Heiligkeit dcS Sabbaths verletzt. Als das Kaiserreich gefallen, hatte dieser Sturz keine schweren Folgen für Tobias. Die Politik hatte mit der Sorge für die Füße nichts zu schaffen; die Bourbons glaubten sich nicht zu entehren, wenn sie ihre Zuflucht zu Dem nahmen, der den „Usurpator Bonaparte" mit so vieler Sorgfalt behandelt hatte. Allerdings wurde der Posten unseres Tobias unterdrückt; aber sein Ruf hatte nicht darunter gelitten. Einer seiner beständigsten und großmüthigsten Klienten war der Herzog von Berry, der Neffe Ludwigs XVIII. Er kannte wie Napoleon das jüdische Bekenntniß des Tobias, kümmerte sich aber wenig darum, wenn er ihn nur in leichter Weise von seinen Fußtyrannen befreite. Am ersten Tage Rosch - Haschanah war Tobias in der Synagoge, als man ihn hinausrief. Ein Bote des Herzogs von Berry forderte ihn auf, sofort zu ihm zu kommen, um ihn zu operiren. Die Verlegenheit unseres frommen Hühneraugenarztes war sehr groß; seine Frömmigkeit auf eine harte Probe gestellt. Er eilte zum Großrabbiner Michel Seligmann, um dessen Rath zu erbitten. Ter ehrwürdige Rabbiner theilte die Gewisseusskrupel unseres Tobias, forderte ihn aber nichtsdestoweniger auf, dem Befehl des Prinzen Folge zu leisten, da in jener Zeit des höchsten Klerikalismus eine Weigerung schwere Folgen nach sich ziehen konnte, aber es so zu machen, daß er nur im äußersten Falle die Heiligkeit des Tages verletze. Tobias eilte nach den Tuilerien. „Ach: rief ihm der Herzog von Berry entgegen, ich habe große Schmerzen und muß sofort davon befreit werden!" Tobias neigte sich, untersuchte aufmerksam den Fuß und drückte mit dem Finger wiederholt die Stellen, welche die Hühneraugen einnahmen. — „Ah, schrie der Prinz, Ihr thut nnr ja weh!" — „Sehen Sie, Königliche Hoheit," erwiderte dreist unser Künstler, „ich bemerke eine heftige Entzündung und unter diesen Umständen wäre es eine Gefahr zu operiren. Gedulden Sie sich bis übermorgen, wir müssen unterdeß Compressen anlegen, und ich werde wiederkommen, um das Horn zu entfernen." — Auf diese Weife entkam er der für ihn schmerzlichen Verletzung des Rosch-Haschanah. Damals war die französische Aristokratie im höchsten Grade bigott, und gerade unter den Mitgliedern derselben hatte Tobias seine meiste Praxis. Unter diesen befand sich ein Graf von G., der unfern Tobias mit vielem Wohlwollen behandelte und ebenso oft zur Messe ging wie Tobias zur Synagoge. In dem Vorsaal vor dem Schlafzimmer des Grafen war ein riesiges Erucistx aufgehängt aus Elfenbein und Silber. Eines Tages nach beendeter Operation wandte sich der Graf zu Tobias und sagte: „Mein Freund, ich muß Euch eine Bemerkung machen. Man hat mir gesagt, daß Ihr vor dem am Eingang aufgehängten Crucifix vorübergeht, ohne es zu grüßen. Das ist wenig achtungsvoll." — Tobias war durch diese Anrede nicht in Verwirrung gebracht, sondern erwiderte sofort: „Das kommt daher, Herr Graf, daß ich das erste Mal es wohl gegrüßt habe, aber da es nicht der Mühe werth hielt zu antworten, hielt ich es für unnütz, ihm diese Höflichkeit ferner zu bezeugen." — Der Graf, durch diese Antwort entwaffnet, lachte gutmüthig und zeigte unscrm Künstler nicht den geringsten Unwillen. Tobias übte seine Kunst lange Jahre mit immer wachsendem Erfolge aus. Er sammelte sich ein ganz rundes Vermögen. Den muntern Greis sah man häufig in seinem 85. Lebensjahre noch in reu Champs Elysees spazieren gehen, gestützt auf einen Stock, und er kehrte zu Fuß nach seiner Wohnung nie Chapon int quartier du temple zurück. Ben-Mosche. Anzeigen. Tvto/\iafi 4./^ werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächsti11S6raiu6 folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschiiessüch an die Annoncen-Expedition von Rudolf Müsse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Rettgionslehrer gesucht. Die iir. Gemeinde in Frechen sucht einen Lehrer mit einem jährlichen Gehalt von «00 Mark und freie Wohnung. Nebenverdienst gesichert. Offerten erbittet der Vorstand der isr. Gemeinde Frechen d. Cöln. Pensionat und Höhere Töchterschule von!>-. *■'''•> Frau Dr. Leverson in Hannover, Thiergartenstraße 3 und 4. . Aufnahme von Zöglingen jeder Zeit. ——* (»ine Stelle als 471 Vorsänger in dem Jj: aelitischen Tempel in «lraßbnrg :,l vakant. Sich an H. L. Bauer, Prästdenr des Vorstandes zu wenden. -isra Hotel Neinsberg, Ostende. Coinfortable Einrichtung, 40 Zimmer. Ausjichl auf das Meer. Feinste Weine und streng rituelle Küche. Außer der Hoch-Saison Preisermäßigung. [M.29:>