Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 29 (14.7.1885)
- Date
- 1885-07-14
- Page
- Seite 470 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3227555-3227585--42779-3311367- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
470_ welcher Gedanke Anklang gefunden hat und hoffentlich auch j auf schon vielfach bearbeitete Gegenstände wiederum ihren Fleiß bald realisirt werden wird. > zu verwenden. In jenen Papyri läge ihnen ein interessanter -j Stoff vor, da die Sammlung vom ersten bis zum neunten Bonn, 3. Juli. (Literarische Notizen.) Im Egypti-! Jahrhundert der gew. Zeitr. reicht.— Das von ber Societe schen Museum zu Berlin bessndet sich auch eine Sammlung I des Ütuäes .juives herausgegebene Amnuaire ist in seinem von Papyri aus dem merkwürdigen Papyruslager von Fayum, -1. Jahrgange erschienen. Es ist diesmal von geringerem aus welchem auch die vielbesprochenen Papyri des Erzherzogs Umfange und enthält, außer dem Berichte über die General- Rainer im österreichischen Museum stammen. Unter diesen Versammlung des Benins, ein ausführliches Referat über die befinden sich auch 22 hebräische, und es wäre sehr zu wün>; bisher in der Rsvus erschienenen Arbeiten und eine Borschen, daß ein Sachkundiger diese hebräischen genau unterlesung über die jüdischen apokalyptischen Schriften, namentlich suche und davon öffentliche Kunde gebe. Unsere jüngeren das Buch Henoch in populärer Weise. — jüdischen Gelehrten sehen sich aus Mangel an Stoff oft genöthigt. Aeuilleton. Der Hühneraugenarzt Napoleons I?) Unter den zahlreichen Functionären jeden Ranges und jeden Berufes, die dem Hause Napoleon I. zugehörten, be-! fand sich nur ein Jude, Tobias Cohen, Vater Tobias ge-! nannt. Sein Amt war ein sehr bescheidenes, aber dennoch! nützliches, ja unter Umständen unentbehrliches, so daß selbst der größte Feldherr, der begünstigste Krieger seiner nicht ent-! rathen konnte. Mutter Natur hatte den großen Corsen mit! Hühneraugen versehen, die ihn oft belästigten. Und man! weiß, diese Belästigung artet oft in Schmerz aus. Tobias! nun, dessen Geschicklichkeit sprichwörtlich geworden, war es. der in seiner Eigenschaft als Hof-Hühneraugenarzt die Pflicht zu erfüllen hatte, die kaiserliche Person von diesen ungebetenen Gästen, von diesen lästigen Schmarotzern zu befreien. Die Natur dieses Amtes brachte unfern Glaubensgenossen in die rchlagfertigkeit. Führen mir wissen Grad von Geist und , hier einige Züge an. Nach der Rückkehr von dem Feldzuge des Jahres 1805. wo Napoleon so viele Lorbeern gepflückt und sich rüstete neue I zu gewinnen, ließ er Tobias nach den Tuilerien rufen, um die Hühneraugen auszuschneiden. Unser Künstler operirte! mit einer solchen Schnelligkeit, daß Napoleon ihm erschreckt zurief: „Ihr werdet mich verwunden, wenn Ihr so schnell vorgeht!" Tobias, ohne sich unterbrechen zu lassen, antwortete: „Sire, ich werde niemals so schnell gehen wie Ew. Majestät zum Siege von Austerlitz eilte!" Napoleon war solchen geschickt angebrachten Schmeicheleien nicht unzugänglich. Als Hühneraugenoperateur des Kaisers genoß er eines fixen Gehaltes von 6000 Frcs. und trug die Uniform, Kleid _ ..... « t * , ... . . a, la francaise, Claque-Dut und Degen. An der Thur fernes Jntrnntat des Kaisers. Napoleon er;chren ihm nicht in dem . " — ........ . T., - . , ... . .. vauies — er wohnte rue Cliapon — glanzte ein kancrlrches Glanze ieurer Maiestat, nicht stolz aus wrnein L-chlachtroste, . ' , ... , . . . . . , . ’ . . ' ® 3 .. Wappen. Auster Napoleon gehörten zu lernen Klienten die auch nrcht rn einer poetychen Haltung, londern ausgcstreckt . . . ..... .... .... . ’ ' r ’ * ö Mitglieder der kcn; erlichen Famrlre, die Würdenträger und auf dem Kanapee, donnernd gegen diese verdammten Hühneraugen, die ihm jeden Schritt aus seinem Kabinett schmerzhaft machten. Tie Ankunft des Tobias glättete seine gefurchte Stirn, und je mehr der neue Cäsar im Laufe der Operation sich erleichtert fühlte, ließ er sich mit seinem Hof- Hühucraugenarzt in ein vertrauliches Gespräch ein, und dieser, dreist gemacht durch die gute Laune seines Herrn und Kaisers, gab offenmüthige Antworten, und da er einen gesunden Sinn und etwas Witz besaß, amüsirte sich Napoleon über ihn. Tobias war kein glänzender Kopf; sein Beruf forderte dies auch keineswegs; seine Erziehung hatte viel zu wünschen übrig gelassen; aber da ihn seine Kunst mit vielen großen Persönlichkeiten in Verbindung brachte, gewann er einen geil Nach Jahr 2646. dem Annuaires des Archives Israelites für ba3 die Aristokratie. Im Jahre 1-dll, als der Papst Pius VII. in das Schloß von Fontainebleau internirt worden, schickte der Kaiser den Tobias, um seine Heiligkeit zu operiren. Der Papst war so entzückt über die Geschicklichkeit des Tobias, daß er ihm ein prächtiges Honorar gab. Als dieser einige Tage später sich nach den Tuilerien begab, und Napoleon ihn bemerkte, ries dieser aus: „He, Tobias, Ihr habt den heiligen Vater operirt, ich habe ihn seitdem gesehen, und er hat mir Eure Geschicklichkeit gerühmt; aber als ich, um ihn etwas aufzuziehen, ihm bemerkte, daß Ihr ein Jude seid, o! da hättet Ihr seine gestörte Miene sehen sollen!" Und Napoleon brach in ein helles Gelächter aus. Die Gunst des Kaisers und seine officielle Stellung hatten die tiefe Frömmigkeit unseres Tobias nicht verändert.