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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-07-07 · Heft 28 (7.7.1885) · p. Seite 454

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 28 (7.7.1885)
Date
1885-07-07
Page
Seite 454 (sequence 14)
Language
German
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454 2. Es brüllen die Wellen und rollen In wechselnder Mächtigkeit über die Fläche. Der Himmel dunkelt, Es schäumen die Wasser. — Der Tiefe entsteigend Zerschellen die Wellen gegeneinander. Es siedet und brodelt. Es zischt und heult Und keine Macht bezwingt Die gewaltigen Massen. Doch jählings brechen sie zusammen. Es theilt sich der Gischt Zu Schlünden hie, zu Bergen dort. Das schwache Schiss Wird bald hinab, hinaufgeschleudert. Mein Auge sucht die Helfer — Wo sind sie? Da wendet sich mein zitterndes Herz zu Ihm, Der Israel durch's Meer geführt. Ich rufe zu Gott, doch fürchte ich. Daß meiner Sünden wegen Ihm mein Gebet mißfalle. 3. Und wilder tobt das Meer, Der Ostwind bricht die Masten, Der Schnabel schwankt. Der Kiel erzittert. Gleich lahmen Flügeln schlottern die Segel, Und aus den kalten Tiefen Steigt brausend empor der kochende Gischt. Da kommt Verzweiflung über die Herzen, Und Wuth erfüllet sie gegen das Schiffsvolk, Wo ist nun eure Macht? Tu armseliger Schiffsherr, Du lahmer Steuermann, Ihr stumpfen Ruderer, Ihr blinden Wächter! Wie trunken tanzt euer Schiff auf den Wellen, Und wirft die Menschen Als werthlos Gut hinaus. Der Leviathan Ruft, wie ein Bräutigam, Die Gäste sich zum Hochzeitsschmause. Mit gieriger Hand Umschließt der Ocean seine Beute, Und kein Entrinnen giebt's Und keinen Zufluchtsort. 4. Ich aber erhebe mein Auge Zu Dir, o Gott, Und bete Dich an In Ehrfurcht. Und wenn mein Herz erzittert Und bebt in tiefen Aengstcn, So fleh ich zu Dir Wie Jona der Sohn Amithai's Und denke des ewigen Schilfmeers Und singe ein fröhliches Lied Bon den Wundern am Jordan. — Da weilet sich mein Herz Wie von Edens Lust erfüllt, Denn gütig ist der Herr, Er wandelt bitteres Leid in Lust Und wendet seinen Zorn in Gnade. Ja hoffend schau ich auf Ihn, Der die wilden Meere bändigt. Der Sonnenstrahlen ausgießt Und Winde niedersendct Auf seine Erde In ewiger Ordnung. 5. Er hat seinen Zorn gewandt Bon dem niedrig Geborenen Und die Seele von Untergang befreit. Aus den Höhen ergießt sich Frieden Ueber die Tiefen. Des Sturmes Heulen verstummt. Und wie zu Oel gewandelt Fließt sanft das zornige Meer. Die Furcht entweicht. Es schweigt die Angst, Und Engelstimmen aus der Höhe Verkünden den Verzagten Erlösung! O mög' auch Israel, Dem schwerbedrängten. Auf dem die Hand des Feindes lastet, Das hin und her gejagt wird Gleich einem Schiff im Sturm, O mög' auch Israel wieder Die frohe Botschaft tönen: Erwachet, erwacht Aus trüber Nacht, Ihr Kinder der Treue. Der Herr der Ehren Will wiederkehren Zu leuchten euch auf's Neue.

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