Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 140 (22.11.1838)
- Date
- 1838-11-22
- Page
- Seite 565 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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565 Vor Kurzem wurde von dem Rabbine des Distrikts Aschaffenburg ein energisches Rundschreiben gegen die Bestrebungen der Judenbekehrungsgesellschasten erlassen, in welchem namentlich streng verboten wird, die von diesen Gesellschaften verbreiteten Bibeln und Pentateuchs in die Synagogen und Schulen zu bringen. Geschichte. Sabbathey Z w y, eine biographische Skizze. Von vr. Horschetzky. (Schluß.) Der Sultan ließ nun Sabbathey nach Adrianopel bringen, und sagte zu ihm: ich will von der Aechtheit deiner Sendung mich überzeugen. Drei vergiftete Pfeile laß ich nach dir schießen; bleibst du unverwundet, so bist du der Messias der Juden. Guido, ein jüdischer Renegat, Hofdolmetsch und Leibarzt des Großherrn, erklärte Sabbathey den Entschluß seines Beherrschers, und rieth ihm nun dem gewissen Tode zu entgehen, unverzüglich zur Lehre Mohammeds sich zu bekennen. Der bebende Messias legte seine Mütze zur Erde, nahm dem nächsten Pagen den Turban ab, setzte ihn auf, und ward Muselmann. Gegen aller Erwartung beschenkte der Großherr ihn mit einem Ehrenpelze, gab ihm den Namen Aga Mehmed Efendi, ernannte ihn zum Kapigi Bascha, beorderte den Hofdolmetsch, ihn in der türkischen Sprache, und den Mufti, ihn in der Religion zu unterrichten. Auch seine Frau Sara, oder wie einige wollen Miriam, bekannte sich zur Lehre des Propheten, und erhielt den Namen Fatima Radink. Einige Tage nach seiner Bekehrung erließ Sabbathey an feine Anhänger folgendes Schreiben: „Von mir Mehmed Kapigi Bascha, an meine Brüder in Israel! Ich mache auch hiermit bekannt, daß Gott mich von einem Israeliten in einen Jsmaeliten umwandelt habe; denrr er sprach, und es ward, er befahl und es geschah. Am neunten Tage nach meiner Erneuerung zu Folge seines geheiligten Wittens. Don mir, euerem Bruder Mehmed Kapigi Bascha."' Wie durch einen Zauberschlag verstummten auf einmal Sabbathey's Sendung verkündende Propheten und Prophetinnen, und der größte Theit seiner Anhänger zog sich beschämt in "den Hintergrund. Doch gab es noch Manche, die selbst am hellen Tage nicht sahen, und noch immer zum Erlöser pilgerten. Diesen erwies er aus der Kabbala, daß sein Schritt nothwendig war, daß der Messias vor Beendigung seines Erlösungsgeschäftes eine Zeit lang unter den Heiden weilen müsse, daß Moses bevor er die Israeliten aus Egypten geführt*) unter den Aethioprrn gelebt habe, daß nach dem Propheten Jesajas der Messias zu den Verbrechern werde gezahlt werden **). So hielten sich noch manche Verblendete an ihm, die, weil er es gut hieß, auch zur Lehre Mohammeds sich öffentlich bekannten, im Geheim aber, so wie er selbst, nach jüdischen Gebrauchen lebten. Wenn dem Klugen ein Wink genügt um zur Wahrheit zurückzukehren, so muß der Thor erst zweimal fehlen bis er seinen Jrrthum sieht. Es sammelten sich abermals, durch dieses zweideutige Betragen verleitet die alten Anhänger um des Messias Banner, und das Zuströmen war so groß, daß die Rabbinen des Judenthums gänzliche Auflösung besorgten. Sie sannen auf ein kräftiges Gegenmittel, und fanden es in der Allgewalt des Goldes, die sie dem Groß-Vezir spendeten, welcher Sabbathey unter dem Vorwände, daß er weder Jude noch Moslim sei, auf Befehl des Großherrn aufheben, und nach einer kleinen Feste unweit Belgrad absühren ließ. Der Messias, der nach dem Tode seiner Frau Fatima Radini zum viertenmale die Tochter des gelehrten Rabbi Joseph Philosophus ehelichte, der noch vor. kurzem in der ersten Stadt des osmanischen Reiches von den Reichthümern, welche Verblendete ihm zuschleppten, und im Besitze des Gcoßhecrn Gunst, ein glanzendes Leben führte, mußte sich jetzt nebst seinem Weibe, seinen Kindern, Schwiegervater, und einer kleinen Zahl der Mitgefangenen Anhänger, in dem engen Kreise eines unbedeutenden türkischen Fortes als Staatsgefangener bewegen, wo er auch am 10. September 1676 am Versöhnungstage im ein und fünfzigsten Lebensjahre seine schwärmerische Laufbahn, an den Folgen einer Kolik als Muselmann, beschloß. Das Ufer der nahen Donau verschließt Sabbathey Zwy's Gebeine. Die Welle dieses Stromes scheint ihm zuzuflüstern, daß falsche Größe nur einen Augenblick sich erhebt, um auf ewig wieder zu verrinnen. Doch hat Sabbathey unter den Osmanen den Ruf eines Heiligen sich errungen! Kein Türke zieht hier vorüber, ohne an seinem Grabe zu beten. °) Nach einer kabbalistischen Sage. **) Cap. LI1I.