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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-06-30 · Heft 27 (30.6.1885) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 27 (30.6.1885)
Date
1885-06-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig » Mart. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste! Nr. Ul) und Oesterreich bei allen; Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Or. LaLwig Philippsou in Bonn. Gzepeöilion: Leipzig, 'Hioßpccrh 18. | In redaktionellen Angelcgenbeiten! wende man stch an Nr. Philippson in! Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (ttedühr 12 M.) sind gleichfalls an letzter« einzusenden. 49. Jahrgang. Leipzig, den 30. Juni 1885. Mi 27. Inhalt. Leitende Artikel: Symbolische Gestalten. I. — Der Bankerutt des Antisemitismus. II. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Hamburg, Posen, Nordhamen. — Oesterreich-Ungarn: Wien. — Frau kreich: Paris. — Rußland: St. Peters bürg, Dorpat, Turek. — Marokko: Fez. — Tunesien: Tunis. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Rabbi Löw. — Vermischtes. £ei-ta-vit>e €lzti&cf. Bonn, 24. Juni. Symbolische Gestalten. i. Die heilige Schrift giebt uns eine abstracte Definition vom Wesen Gottes als dem ewigen, unveränderlichen Sein; nichts liegt ihr mehr am Herzen als die Vorstellung von der Gestaltlosigkeit, der Unkörperüchkeit Gottes, mit welcher die Unendlichkeit, also auch die Unbegrenztheit seines Wissens, Wollens und Könnens identisch ist; nichts wird öfter und strenger verpönt als die Abbildung irgend eines Gegenstandes zu götzendienerischem Gebrauche; immer wiederholt wird die Zertrümmerung aller Altäre, Haine, Bildsäulen der canaanitischen Götzen anbefohlen. Dies ist Inhalt und Zweck der monotheistischen Gotteslehre. Aber, frägt man sich unwillkürlich, konnte die nach der Verfiandesseite noch wenig entwickelte Volksseele sich mit diesen abstracten Begriffen und Vorstellungen begnügen? Drängte es fie nicht, auch der leb> hast thätigen Phantasie einen Spielraum zu geben? Die Geschichte aller anderen Religionen beweist uns dies zur "Genüge. Wenn es wahr ist, was uns allerdings noch Zweifel- Haft scheint, daß die Idee des ältesten Aegypticismus monotheistisch gewesen, so zeig! uns die Folge die äußerste Entartung bis zum niedrigsten Thierdienst. Begann der Buddhismus mit abstracten Ideen, so bedurfte es nur eines verhältnißmäßig kurzen Zeitraums, um ihn wieder mit dem Bramanismus zu verschmelzen und Götzenbildnerei mit all der abergläubischen Wirkung in ihm aufzubringen. Auch das Christenthum vermochte die Herrschaft über so viele in ihrem Wesen und ihrer Cultur so verschiedene Nationen nur dadurch zu erlangen, daß es in Dogma und Cultus den Bedürfniffen der Phantasie in reichem Maße genügte. Wenn der Islam die monotheistische Gotteslehre fester und mit größerer Strenge aufrecht erhielt, so entschädigte er seine Gläubigen durch die wunderbaren und wunderlichen Erlebnisse Mohameds auf Erden und im Himmel, und durch die Phantasmagorien des Paradieses für die Gläubigen und der Hölle für die Ungläubigen, abgesehen davon, daß er auch Dogmen heranbrachte, wie den Fatalismus, welche die Masse beschäftigen und feffeln konnten.! Wenn es deßhalb dem modernen Geiste, in welchem die , Verstandesentwickelung den weitesten Boden eiugeuouunen, 1 sehr einleuchtet, daß das Judenthum die reine monotheistische! Lehre in ihrer ganzen Abstraction festhielt und in den Geist i seiner Bekenner einsenkte, so dürfen wir doch nicht übersehen, j welch eine schwierige Aufgabe dies war, und begreifen den! harten Kampf, den Israel mit sich selbst durchsechten mußte,! bevor es die immer wieder hereinfluthenden, heidnischen Ge- ' lüste völlig überwand und niemals wieder ihnen anheimfiel. j Die Bedeutung dieses Kampfes wurde denn auch hinlänglich! gewürdigt, und mit geringer Ausnahme sind sämmtliche biblischen Bücher diesem Kampfe und den Berichten über ihn j gewidmet. Aber um so weniger dürfen wir uns wundern, wenn wir aus jenen Zeiten doch einigen symbolischen Gestalten und vielen symbolischen Ausdrucken in der heiligen Schrift begegnen. Zu jenen symbolischen Gestalten 27

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