Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 25 (16.6.1885)
- Date
- 1885-06-16
- Page
- Seite 402 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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402 von Stöcker gepriesene talmudische Autorität die Lehre desdie französischen Sympathieen zu erhalten. Sie werden sich selben zu verherrlichen. Der um die theologische Wissenschaft vielmehr in die deutschen Verhältnisse einleben, noch dazu, hochverdiente Herr Professor vr. Hermann L. Strack, dieser da ihnen dies leicht gemacht wird; und es wird ihnen zum vorurtheilsfreie Forscher, derselbe, der erst kürzlich in einer Wohle gereichen, sich dem deutschen Vaterlande mit ganzem vernichtenden Kritik gegen Stöcker auftrat, wies durch Ver- Herzen anzuschließen.) öffentlichungen in der Kreuzzeitung und in der Post mit Sachkenntnis nach, daß Simon May aus der Missionsschrift Oesterreich-Unaarn. des Mc. Caul „Netiwoth Olam" abgeschrieben, nur daß er / v ' durch verschiedene Weglassungen den Sinn des Originals; Wien, 28 Mai. Am 13. April erstattete die beim in das völlige Gegentheil verwandelt hat. Professor Strack Kaufmann Josef Ehrlich bedienstete Marie Lischka die Antheilte ferner mit, daß er den Redactcur des „Reichsboten", zeige, daß sie in der Nacht von der Tochter des Dicnstgebers dieses stöckerschen Leiborgans, aus die Fälschung aufmerksam mit einem Messer überfallen und an der Brust leicht verletzt gemacht, daß der Redactcur aber trotz gegebenen Versprechens worden sei. Als corpus delicti wies sie ein blutbeflecktes die Erklärung des Herrn Professors nicht abgedruckt habe. Küchenmesser vor und es wurde constatirt, daß sie an der Und dieser Herr May, dessen sittlicher Gehalt an der Hand Brust eine mit einem spitzen Instrumente beigcbrachte Vervon Thatsachen öffentlich in Zeitungen gebrandmarkt worden, letzung erlitten habe. Es stellte sich alsbald als unzweifelhaft dieser Verleumder und Fälscher, er ist der „ehrliche, wahr-! heraus, daß Marie Lischka diese Anzeige blos erstattet habe, hastige Mann" und die „'Autorität" des Herrn Hofprediger, > um den Dienstplatz ohne Einhaltung der Kündigungsfrist welche ihn von dem Vorwurf der Judenhaß reinigen soll." verlassen zu können. Gleichzeitig hatte sie sich mit dem — Die Redaction bemerkte zu diesem Aufsatze: „Wir Inhaber eines Dienstboten - Vermittelungs - Bureaus. Johann haben diesen Artikel mit Freuden abgedruckt", richtet jedoch Sauermann, in Verbindung gesetzt, welcher eine Zeitungsnotiz an vr. Hulisch die Frage, warum er nicht gegen Stöcker in aussetzte, die mit der packenden Frage begann: „Brauchen der Versammlung selbst aufgetreten sei. In der „H. Z." j ^ubeii 6^1^1x61111?" Marie Lischka wurde als zweite Esther vom 4. d. weist vr. Hulisch nach, daß dies ganz unmöglich Solymosi, Ehrlich aber als Mörder von Christcnmädchen hin» gewesen sei. Denn zwar war ausdrücklich bemerkt worden, > gestellt. Es sei, hieß es in dieser stylistischen Ucbung des an den Bortrag werde sich eine Discussion anschließen — \ Sauermann, nunmehr erklärlich, warum Ehrlich alle acht als aber der erste Redner sich gegen Stöcker zu äußern an- Tage neue Dienstboten brauche und daher auch das Räthsel gelöst, fing, machten dessen Anhänger einen so fürchterlichen Lärm, wohin die in letzterer Zeit aus Wien verschwundenen Mädchen daß man kein Wort verstand, was der Vorsitzende zum Borwand nahm, die Versammlung zu schließen. Aus dem Rrichslande, 3. Juni. Der israelitischen gekommen.— Ein gewisser Johann Hefele, der sich „Publizist" nennt, übersandte diese Notiz an mehrere Blätter. Die Veröffentlichung unterblieb jedoch, da mittlerweile das Land- Gemeinde zu Ossendorf im Nieder-Elsaß ist von der Kaistraßer Eommissariat den wahren Sachverhalt veröffentlicht serin ein Geldgeschenk zu den Baukosten der Synagoge über-! hatte. Aus Grund der von Ehrlich gegen Sauermann erwiesen worden. (Der Besuch des Statthalters von Man-1 hobenen Ehrcnbeleidigungsklage fand heute die Verhandlung teuffel in der Synagoge zu Metz veranlaßt die Arch. isr. von j statt. Zeuge Hefele gab an, Sauermann habe ihn zunächst Paris zu der Bemerkung, daß die kaiserliche Regierung den I gefragt, ob er mit dem „Vaterland" in Verbindung stehe, Juden in Elsaß-Lothringen viele Aufmerksamkeiten widmen. I auch habe sich derselbe für die Wahrheit des Artikels verum sie für Deutschland zu gewinnen. So hätte sie auch die! bürgt. — Ter Richter beschloß, die Verhandlung abzubrechen Gehälter der jüdischen Cultusbcamten erhöht, swährend diese - und die Acten der Staatsanwaltschaft abzutreten, weil Sauerin Frankreich herabgemindert Werdens. Demungeachtet wür-! mann's Vorgehen sich als Aufreizung gegen Religionsgenosscnden die Herzen der elsäßischen Juden stets Frankreich gehören.! schäften qualisizire. Wir wollen uns in keine staatsrechtliche Erörterung einlasscn. I Wien, 1. Juni. (Privatmitth.) Die Reichsrathswahlen Frankreich besaß das deutsche Elsaß durch das Recht der Erin der Stadt Wien haben sich heute unter Umständen abge« oberung. Das Recht der Eroberung hat cs jetzt wieder I spielt, welche aller Orten Ueberraschung Hervorrufen werden. Deutschland zugetheilt. Aber die Bevölkerung war und ist Die Antisemiten haben es durch ihre Agitationen dahin gedurch Abstammung und Sprache deutsch, und ebenso die Ju-! bracht, daß es ganz besonders in der Leopoldstadt zu unerden im Elsaß, die, sogut wie die anderen Bewohner, ihr'hörten Excessen kam. Diese bei Wahlen in Wien ungewohn- Deutsch sich bewahrt hatten. Es scheint uns daher den Inten Skandale sind ausschließlich auf Recbnung der Antisemiten tercssen unserer elsässischen Glaubensgenossen wenig zu ent-! zu setzen; es ging so weit, daß die anständigen Wähler schaarensprechen, sie zu ermahnen, dem deutschen Reiche zuwider sich ' weise die Flucht ergriffen. Die in der Nähe des Wahlplatzcs