Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 18 (28.4.1885)
- Date
- 1885-04-28
- Page
- Seite 291 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227555-3227574--42589-3311160- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
291 bestem Rufe stehenden Mann bezeichnete und constatirte, daß auch Lei der stärksten Verbreitung der Gedichte in Bleicherode nicht zu befürchten gewesen sei, daß der Aufforderung des Gedichtes, die Häuser der Juden der Erde gleich zu machen, Folge geleistet worden wäre, oder daß überhaupt Gewaltj thätigkeiten irgendwelcher Art gegen die Juden verübt worden! wären. In Folge deffen erfolgte die Freisprechung des j Mannes. (Nordd. Allg. Ztg.) j (Wir nehmen an, daß die königliche Staatsanwaltschaft, gegen dieses Urtheil die Revision einlegen wird, und sind begierig, zu erfahren, ob das königliche Kammergericht hier-1 selbst dieser Motivirung beitreten wird. Die Red. des B. T.)! Emden, im April. (Privatmitth.) Se. Majestät der 1 Kaiser hat die Statuten einer Stiftung genehmigt, welche zur Erinnerung an die goldene Hochzeit des Kaiserpaares gegründet worden und jetzt ins Leben tritt; es ist dies: ein „Asyl für hilfsbedürftige, arbeitsunfähige, altersschwache Israeliten in Emden." Es ist bereits ein Haus nebst Garten erworben und eingerichtet, und 10 Pfleglinge wurden ausgenommen, welche Wohnung, Heizung, Bekleidung und Beköstigung erhalten. Möge das schöne Werk sich dauernden Wachsthums zu erfreuen haben! Posen, 14. April. (Privatmitth.) Zur Nachahmung! Am 6. Januar 1882 enthielt die „Posener Ztg." folgenden Artikel: „Betreffs der Dispensation jüdischer Schulkinder vom Unterrichte an jüdischen Feiertagen ist bisher in den hiesigen Schulen ein verschiedenes Bersahren beobachtet worden, weil es an genauen bindenden Bestimmungen in dieser Angelegenheit mangelte. Infolge der Nichtbefreiung der Kinder von der Schule an einigen dieser Festtage haben sich mehrere jüdische Bäter in der Stadt Posen beschwerdeführend an die hiesige königliche Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulwesen, gewendet, die nun den Beschwerdeführern durch den königlichen Kreisschulinspektor des Stadtkreises Posen eröffnet, „daß die Dispensation der jüdischen Kinder von dem Unterrichte an jüdischen Feiertagen für die Zukunft jederzeit erfolgen soll, sofern deren Eltern oder deren gesetzliche Stellvertreter persönlich oder schriftlich vor Beginn eines Schuljahres oder eines Schulsemestcrs ein dahin zielendes Gesuch an den Leiter der Schule unter genauester Bezeichnung des bürgerlichen Datums der betreffenden Feiertage richten." Die königliche Regierung hebt dann noch hervor, daß die Schule selbstverständlich keinerlei Verantwortung für irgend welche nachtheilige Folgen treffen kann, welche ans den Schulversäumnissen etwa den Kindern entstehen sollten." Man bemerke wohl: die Dispensationsgesuche müssen am Anfang des Schuljahres oder eines Schulsemesters eingebracht werden — später finden sie keine Berücksichtigung. Da nun manche Eltern dies nicht berücksichtigen, oder nicht wissen, wie solche Gesuche einzurichten seien, hat der hiesige Kaufmann Sal. Bergel Formulare dazu drucken lassen und stellt sie Jedermann zur Verfügung. Das Formular lautet: „Unter Bezugnahme auf eine betreffende Verfügung der hiesigen königlichen Regierung erlaube ich mir, an den nachfolgenden im beginnenden Schuljahre auf Schultage fallenden jüdischen Festen, nämlich: Mittwoch, den 20. und Donnerstag, den 21. Mai d. I., Wochen- (Pfingst-) Fest, Donnerstag, den 10. und Freitag, den 11. September d. I., Neujahrsfest, Sonnabend, den 10. September d. I., Versöhnungstag, Donnerstag, den 24. und Freitag, den 25. September d. I, Laubhüttenfest, für mein Kind (Mündel).in Kl.geneigte Dispensation vom Schulbesuche zu erbitten." Ans Schlesien, 10. April, wird der „Voss. Zeitung" geschrieben: Die antisemitischen Kundgebungen auf Anlaß der Bismarckfeier in Süddeutschland stehen nicht isolirt. Auch in unserer Provinz hat der Antisemitismus die Bismarckseier benutzt, um sein Müthchen zu kühlen. In Lieguitz hat der Theaterdirector Huvart ein Stück des Redakteurs der eonservativen „Liegn. Zeitung", E. Winterfeld, „Moderne Freiheiten" betitelt, zur Bismarckfeier zur Aufführung gebracht, , in dem das Judenthum und der Freisinn zum Stichblatt gemacht sind. Auf die Frage, wie es möglich gewesen ist,! daß ein solches Skandalstück bei einer Festfeier in einer über-! wiegend liberalen Stadt — iit der überdies sich hervorra- : gende Männer der deutschfreisinnigen Partei an der Sammlung der Bismarckfpende u. s. w. betheiligt hatten — hat gewählt werden können, wird darauf hingewiesen, daß einmal r>er conservative Redakteur und Agitator die Gelegenheit gesucht hat, von der Bühne herab seiner Abneigung gegen die Juden Ausdruck zu geben, und der Tirector des Stadttheaters mit der Aufführung des Winterfeldl'schen Pamphlets die Quittung darüber ausgestellt hat, daß zwei einflußreiche israelitische Mitglieder der städtischen Behörden die Lösung des Contracts mit ihm betrieben haben. efter r c lch-Ungarn. Wien, 15. April. (Privatmitth.) Wenn Parlamentswahlen gegenwärtig in Deutschland wie in Qesterreich-Ilngarn immer wieder antisemitische Blasen aufwerfen, glücklicher Weise ohne besondere Erfolge: so ist dies auch hier zu den bevorstehenden Wahlen für das Abgeordnetenhaus der Fall. Tie Parteien sind hier so durcheinander geschüttelt, und leiden an einer derartigen Verwirrung, daß man sich nur an Persönlichkeiten halten kann, nicht aber an die Parteien selbst. Die Regierungspartei ist ebenso wie die Linke gegen den Antisemitismus gestimmt. Wenn aber ein Antisemit entschieden 18*