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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-04-21 · Heft 17 (21.4.1885) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 17 (21.4.1885)
Date
1885-04-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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'Allgemeine Zeitung -es Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles indische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Wlippjou in Bonn. GXpeöition: Leipzig, Wo^pkerh 18. In redaclionellen Angelegenheiten wende man sich anvr.L-Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die LerlagShandluag. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. Diese Zeitung erschein: wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Sir. 111) und Oesterreich be, allen Postämtern» außerdem durch den Buchhandel. 49. Jahrgang. Leipzig, den 21. April 1885. Ko. 17. Inhalt. Leitende Artikel: Judaea und die Juden von Theodor Mommsen. II. — Das Jndenthum int 18. Jahrhundert. I. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Heidelberg, Frankfurt a. ü»., Karlsruhe, Aus Baden. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Krakau. — Rußland: Warschau. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Balneologische Briefe eines Rabbiners. ■Scttciic*« £l?ItßeC Bonn, 15. April. Judaea und die Juden von Theodor Mommsen. ii. Bevor wir fortfahren, das wiederzugeben, was Mommsen über die jüdische Diaspora (Zerstreuung) vor und zur Zeit der Zerstörung Jerusalems sagt, müssen wir unsere Leser auf Folgendes aufmertsam machen. Mommsen behauptet, daß die Juden die hellenische Sprache durch Zwang seitens der Regierungen angenommen hätten, was er jedoch nicht erweist, also nur voraussetzt, wie wir bereits im vorigen Artikel gezeigt haben. Er sieht ferner Nationalität und Religion der Juden als völlig identisch an und schreibt deshalb den Juden „eine unüberwindliche Zähigkeit im Festhalten ihrer Nationalität" zu. Es ist nicht zu verkennen, daß er hierin von den modernsten Tendenzen sich nicht frei hält, wie es ihm denn auch schon hinsichtlich der früheren Theile seines Werkes zum Borwufe gemacht worden, daß er die modernen Parteibegriffe gar zu sehr auf die römischen Zustande überträgt. Was aber auffällig ist, das ist, daß er durch jene Ansichten in die offenbarsten Widersprüche verfällt. Er muß darthun, daß die Juden zu den vorzüglichsten Trägern und Werkzeugen der Hellenisirung des Orients dienten; er muß darthun, daß die Juden jener Zeit durchaus „nicht exclusiv" waren, sondern nach allen Seiten hin Propaganda trieben — das ist doch sicherlich kein Festhalten der Nationalität und eine wesentliche Unterscheidung zwischen Religiösem und Nationalem. Er muß darthun, daß jüdische Schriftsteller lhcils das Gesetz allegorisirten, theils die monotheistische Lehre und das Sittengesetz aus dem Judenthume darstellten, ohne irgend welchen Bezug auf nationale Satzung. Wie nun dieses Alles mit der unüberwindlichen Zähigkeit im Festhalten der Nationalität zu vereinbaren wäre, müffen wir dem gelehrten Geschichtsschreiber selbst überlasten. Wir unsererseits können darin nur Mißverständniß der geschichtlichen Thatsachen j erkennen und können uns des Gedankens nicht erwehren, daß! Mommsen sich hier von Vorurtheilen beirren ließ. Er sagt: > „Aber mit diesem anfänglich vielleicht schwer empfun-! denen Sprachzwang (?) verbindet sich die Anerkennung der i besonderen Nationalität mit allen ihren Consequenzen. Ueber- ^all in den Städten der Alexandermonarchie bildete sich die! Stadtbewohnerschaft aus den Makedoniern, das heißt den «wirklich makedonischen oder den ihnen gleichgeachteten Hellenen. Neben diesen stehen, außer den Fremden, die Eingebornen, in! Alcxandreia die Aegyptier, in Kyrene die Libyer und über-; Haupt die Ansiedler aus dem Orient, welche zwar auch keine : andere Heimath haben als die neue Stadt, aber nicht als j Hellenen anerkannt werden. Zu dieser zweiten Kategorie gehören die Juden; aber ihnen, und nur ihnen, wird cs E gestattet, so zu sagen eine Gemeinde in der Gemeinde zu bilden | und, während die übrigen Nichtbürger von den Behörden der ^Bürgerschaft regiert werden, bis zu einem gewissen Grad sich selbst zu regieren. Die Juden, sagt Strabon, „haben in «Alcxandrina ein eigenes Bolkshaupt (ed-raQxys)r welches dem Volke (e'&vog) vorsieht und die Prozesse entscheidet und über Verträge und Ordnungen verfügt, als beherrsche es eine selbst- 17

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